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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: China

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China (Geschichte bis zum 19. Jahrhundert; Verhältnis Chinas zu Europa).

und Nordosten von C., und die Dynastie Sung, die sie allmählich weiter gegen Süden drängten. Schon 1260 war Kublai faktisch der Herrscher von C.; von 1280 datieren die chinesischen Geschichtschreiber den Beginn der (19.) mongolischen Dynastie Juan (1280-1367). Kublai nahm seine Residenz in Chanbaligh ("königliche Stadt"), dem heutigen Peking ("Hof des Nordens"); hier traf ihn der berühmte Reisende Marco Polo. Die Eroberer eigneten sich die Institutionen des unterjochten Volkes an; erst gegen Ende ihrer Herrschaft gelangten auch Chinesen wieder zu Ämtern und Würden. Zwistigkeiten unter dem Kaiser Schünti (1333-67) veranlaßten den Bonzen (buddhistischen Priester) Tschujuantschang, 1355 als Parteigänger aufzutreten; er fand Anhang, stellte sich an die Spitze einer Empörung in Kiangnan, unterwarf sich einige südliche Provinzen, siegte über die unter sich uneinig gewordenen Rebellen und Mongolenhäuptlinge, die inzwischen den Kaiser abgesetzt hatten, überschritt den Gelben Strom, nahm Peking ein, vertrieb die Mongolen nach der Tatarei, wo sie das Reich der Chalka gründeten, und erwarb sich durch Klugheit und Mäßigung die allgemeine Achtung und Liebe in dem Maß, daß er selbst den Thron besteigen konnte. Er nahm als Kaiser den Namen Taitsu an und ward Stifter der (20.) Dynastie der Ming (1368-1644). Unter ihrer meist kräftigen Regierung beschränkte sich das Reich auf das eigentliche C.; in der Mongolei behaupteten sich die mongolischen Fürsten. Damals wurde die im wesentlichen noch jetzt geltende Regierungsform ausgebildet; Portugiesen kamen nach Macao, katholische Missionäre, zuerst M. Ricci 1583, erlangten Zutritt. Unter Hoaitoung (1628-44) ward das Reich von beutelustigen Mandschu-Tataren bedroht und im Innern von Rebellen erschüttert; erstere hatten sich der Hauptstadt genähert, letztere sie erobert, als die Dynastie Ming durch des Kaisers freiwilligen Tod ihr Ende erreichte.

Die Mandschu. Mit Schuntschi beginnt die (21.) Dynastie der Mandschu oder Tsing (1644), die noch jetzt den Thron von C. innehat. Schuntschi hatte den Unterricht des berühmten deutschen Jesuiten Adam Schall genossen und räumte diesem einen großen Einfluß auf sich und die Regierungsangelegenheiten ein. Unter Schuntschi, seinem Sohn Schingtsu mit dem Prädikat Khanghi und dem Herrscher Kaotsungschün mit dem Namen Khianlung erhob sich C. zu großer Macht. Alle Aufstände im Land wurden niedergeschlagen, Formosa mit C. vereinigt und kolonisiert, der größte Teil der Dsungarei, ganz Turkistan (die Gebiete Kaschgar, Jarkand etc.) und Tibet unterworfen, ein Krieg gegen Rußland, der wegen Grenzstreitigkeiten 1684 entstand, 1689 beigelegt. Die Christen, welche längere Zeit geduldet worden waren, wurden aus politischen Gründen von Khianlung seit 1735 hart verfolgt. Unerbittlich gerecht, war dieser doch auch rücksichtslos grausam; im übrigen beförderte er die Wissenschaften und legte vier Bibliotheken der schätzbarsten Bücher an; auch war er selbst Dichter. Im J. 1796 legte er zu gunsten seines fünften Sohns, Kiakhing, die Regierung nieder und starb 1799. Von dieser Zeit an war die Macht der Mandschu im Abnehmen begriffen. Kiakhings Gewaltthätigkeit und Grausamkeit erregten bald allgemeine Unzufriedenheit; immer neue Verschwörungen wurden angezettelt, Räuberbanden durchzogen verheerend das Land; Seeräuber, die sich in Hainan und Formosa festsetzten, beherrschten nicht allein das Meer und bekämpften hier die chinesischen Flotten mit wechselndem Glück; sondern drangen auch von den Flußmündungen aus in das Innere des Landes plündernd und verwüstend ein, bis ihre Macht endlich durch innern Zwiespalt zu Grunde gerichtet ward. Im J. 1807 kam der erste protestantische Missionär, Morrison, nach C.; 1815 wurden alle Katholiken aus C. verbannt. Kiakhing starb 1820, wie man vermutet, durch einige Mißvergnügte ermordet. Ihm folgte sein zweiter Sohn, Mianning (1820-50), geb. 1794, als Kaiser Taokuang ("Glanz des Verstandes") genannt. Die Unruhen im Innern des Reichs dauerten unter ihm fort; dazu kamen Konflikte mit den an der Grenze nomadisierenden Buräten und Kirgisen wie dem Chan von Chokand, die aber mit Unterwerfung des Chodschas Dschehangir endeten, sowie mit dem kriegerischen Bergvolk an den Grenzen der Provinzen Kuangtung, Kuangsi und Honan, mit dem ein Vertrag abgeschlossen ward, der dahin lautete, daß sie in ihren Bergen bleiben, die Chinesen ihr Gebiet nicht betreten und die kaiserlichen Truppen entlassen werden sollten. Taokuang zeigte Abneigung gegen das Christentum, namentlich gegen die Katholiken, die daher mehrfachen Verfolgungen ausgesetzt waren.

Verhältnisse des Reichs der Mitte zu Europa.

Schon um Christi Geburt hatten die Chinesen nicht bloß Handelsverbindungen, sondern auch diplomatische Beziehungen mit den Römern angeknüpft; chinesischen Schriftstellern des Altertums ist die römische Zivilisation nicht unbekannt. Unter Mark Aurel kamen, wie schon erwähnt, römische Gesandte über Tongking nach C. Im 6. Jahrh. drangen Christen, wahrscheinlich Nestorianer, bis zu Chinas Ostküsten vor, ihre Schiffe fuhren bis in das 5. Jahrh. regelmäßig nach Mailapur (bei Madras) an Vorderindiens Ostküste, einem Wallfahrtsort für die asiatischen Christen als Ort des Märtyrertodes des Apostels Thomas. Im 13. Jahrh. führten katholische Missionäre, an der Spitze Ruysboeck, bekannter unter dem Namen Rubruquis, und die Gesandten Ludwigs des Heiligen und des Papstes Innocenz IV. die beschwerliche Landreise nach C. aus. 1274 begann der Venezianer Marco Polo (s. d.) seine Fahrten an den Hof der Mongolenkaiser, von wo er 1295 nach Venedig zurückkehrte. Zu einem ununterbrochenen Verkehr mit C. kam es im 16. Jahrh. nach Entdeckung des Seewegs nach Indien. 1517-45 hatten die Portugiesen einen Handelsplatz zu Ningpo; vertrieben, setzten sie sich in Macao fest. 1651 wurden die Bewohner dieser Kolonie als chinesische Unterthanen aufgezeichnet und durften ohne Erlaubnis weder neue Kirchen noch neue Häuser bauen. Die Spanier genossen ebenfalls das Recht, nach Macao, nach Kanton und Amoy Handel zu treiben. Die Holländer erschienen 1607 zum erstenmal vor Macao, ließen sich 1620 auf Formosa nieder und erhielten Handelsfreiheit gegen das Versprechen, sich auf diese Insel zu beschränken, mußten sie aber 1662 wieder räumen. Spätere Gesandtschaften erreichten wenigstens Wiederanknüpfung der Handelsverbindungen. Den Russen, den unmittelbaren Grenznachbarn der Chinesen, wurde 1646 der Handelsverkehr unter erschwerenden Bedingungen gestattet. Eine Gesandtschaft beglich 1688 unter Peter d. Gr. Grenzstreitigkeiten. Rußland erlangte die Erlaubnis, jährlich einmal eine Karawane nach Peking zu senden, sowohl des Handels wegen, als auch um den schuldigen Tribut in Geschenken zu entrichten. Seit dieser Zeit unterhält Rußland in Peking eine "geistliche Mission", bestehend aus zehn Mitgliedern, durch deren fleißige Arbeiten Rußland über chinesische Verhältnisse früher genauer

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