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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: China

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China (der Taiping-Aufstand 1849-66).

jedoch abermals sehr verdächtig. Am 8. Aug. kam Sir Henry Pottinger mit einer Anzahl großer Transportschiffe und 2000 Mann Landungstruppen aus dem Mutterland in Macao an, erließ eine förmliche Kriegserklärung und segelte 21. Aug. mit der Flotte von Hongkong nordwärts. Die Operationen wurden jetzt energischer in Angriff genommen. Am 26. Aug. 1841 wurde Amoy besetzt, wobei 500 Geschütze in die Hände der Engländer fielen; am 29. lief die Flotte in den Hafen von Tschouschan ein, und trotz des tapfern Widerstandes der Chinesen waren Anfang Oktober die Batterien des Tempelhügels genommen, die Mauern der Stadt ohne Widerstand erstiegen und beträchtliche Beute an Geschützen, Munition, Reis etc. gemacht. Schwächern Widerstand leisteten die Chinesen 7. Okt. bei Tschinghai; am 13. wurde auch die Stadt Ningpo mit einer Bevölkerung von 300,000 Seelen ohne Schwertstreich genommen. Trotzdem befanden sich die Engländer zu Ningpo in einer bedenklichen Lage. Um in das Innere des Landes, nach Peking, vorzurücken, wie es in Pottingers Absicht lag, dazu war die Jahreszeit zu weit vorgeschritten und die britische Streitmacht zu gering. Die Chinesen verrammelten die obere Barre der Bocca-Tigris. Zugleich wurden Geschütze nach europäischer Weise gegossen, in deren Handhabung europäische Matrosen den Chinesen Unterricht gaben. Der Kaiser erließ fortwährend grimmige Ausrottungsedikte gegen die rebellischen "rotborstigen" Barbaren, die in Ningpo wie in einem Netz gefangen lägen und dem Zorn des Himmelssohns nicht mehr entrinnen könnten. Das zum Angriff auf Tschinghai und Ningpo bestimmte chinesische Heer betrug angeblich nicht weniger als 80,000 Mann, denen die Engländer nur 2000 Mann entgegenzusetzen hatten. Im Mai 1842 traf Pottinger Anordnungen für einen weitern Feldzug. Die englische Flotte bestand jetzt aus 35 Kriegsschiffen, 6 bewaffneten Transportfahrzeugen, 19 Dampfbooten und 50 Transportschiffen. Das Gros der Flotte segelte 11. Mai nach dem Fluß Tsientang, erstürmte die Stadt Tschapu, lief im Juni in den Jantsekiang ein, nahm am 19. die Stadt Schanghai im Sturm, hierauf 26. Juli nach blutigem Kampf die Stadt Tschingkiang. Mit Zurücklassung einer starken Besatzung segelte die Flotte weiter gegen Nanking, wo sie 6. Aug. eintraf und sofort Anstalten machte, die dem Strom zugekehrte Seite der Stadt zu bombardieren. Die Furcht vor einem Bombardement und die Überzeugung, daß fernerer Widerstand vergeblich sei, veranlaßten jetzt den Kaiser zu ernstlichen Unterhandlungen. In dem Vertrag vom 29. Aug. 1842 machte sich C. verbindlich, in diesem und den drei folgenden Jahren 21 Mill. Doll. zu zahlen, die Häfen Kanton, Amoy, Futschou, Ningpo und Schanghai dem britischen Handel zu öffnen, britische Konsularagenten daselbst zuzulassen und regelmäßige und billige Tarife der Ein- und Ausgangszölle sowie auch der Transitzölle für das innere Land festzusetzen; die Insel Hongkong wurde für alle Zeit an England abgetreten und die Inseln Tschouschan und Kolangfu ihnen als Pfand überlassen. Die Friedensverträge wurden von den beiderseitigen Regierungen ratifiziert und ausgetauscht. Das Monopol der Hong-Kaufleute erlosch mit 27. Juli 1843. Die oben genannten fünf Häfen aber wurden auf Antrag Chinas dem Handel aller Nationen geöffnet, obwohl die Engländer die Eröffnung nur für sich bedungen hatten.

Die Vereinigten Staaten von Nordamerika strebten 1843 einen besondern Handelsvertrag mit C. an, der auch 3. Juli 1844 in Wanghia zu stande kam und den Amerikanern dieselben Konzessionen wie den Engländern macht. Frankreich, welches ein ansehnliches Geschwader unter dem Admiral Cecille sandte, schloß 23. Okt. 1844 zu Whampoa mit C. einen Vertrag, der neben Wiederholung der englischen Bestimmungen auch einen Artikel enthält, daß allen Chinesen Annahme des Christentums gestattet sei. Dieser Toleranzartikel führte zu vielen Reibereien. Die Chinesen sahen darin eine neue Demütigung; man unterließ einfach die versprochene Bekanntmachung, und Christen hatten die gewöhnlichen Gewaltthaten und Mißhandlungen zu erdulden. Die bei der chinesischen Regierung akkreditierten französischen Konsuln verlangten dagegen wiederholt unter Flottendemonstrationen aufrichtige Ausführung der Dekrete. Im Oktober 1848 schloß auch der Papst einen Vertrag mit C. ab. Der Haß des Volkes gegen die Fremden wuchs immer mehr und machte sich selbst in Aufständen Luft. So führte es zu einem Angriff auf Macao, als die Portugiesen 1846 von allen zwischen Macao, Hongkong und Kanton fahrenden Handelsbooten eine Steuer von 3 Mk. monatlich erhoben; der Angriff wurde abgeschlagen, aber die Erbitterung steigerte sich. Es zeigte sich ferner, daß Regierung und Eingeborne die Fremden in den ihnen zugestandenen Rechten nicht ernstlich schützen wollten. So widersetzte sich in Kanton die Bevölkerung der Zulassung der Fremden, und als diese endlich nach langen Unterhandlungen und wiederholten kriegerischen Demonstrationen 1849 erfolgen sollte, ward das englische Begehren von Peking aus rundweg abgeschlagen. Auch mit den Portugiesen entstanden neue Konflikte, indem einige Chinesen den portugiesischen Gouverneur von Macao ermordeten, ohne daß von dem chinesischen Kommissar eine Genugthuung gewährt wurde.

Der Taiping-Aufstand.

Am 25. Febr. 1850 starb Kaiser Taokuang; ihm folgte, 19 Jahre alt, sein ältester Sohn, Tschu; er gab sich den Titel Hienfong ("Fülle des Segens"). Seine Regierung wurde mit einer Reihe von Maßregeln zur Herstellung der frühern Abschließung eingeleitet; doch wurden diese Pläne vorderhand zurückgedrängt durch die große Revolution, die gegen die regierende Dynastie ausbrach.

Die gegenwärtigen Herrscher Chinas sind eigentlich Mandschu-Tataren, keine Chinesen. Angebliche Nachkommen der letzten einheimischen Dynastie der Ming suchten ihre Ansprüche auf den Thron in fortwährenden kleinen Empörungen geltend zu machen. Sie stifteten in verschiedenen Teilen des Reichs geheime Gesellschaften, welche verschiedene Namen, wie "zur Wasserlilie", "zum reinen Thee", "Dreieinigkeitsbund" oder "die Gesellschaft der vereinigten Drei" (Himmel, Erde und Mensch), führten. Schon mehrmals hatten dieselben den Staat in Bedrängnis gebracht; ihr Plan, die Tsing zu stürzen, scheiterte aber stets an der Furcht der Masse des Volkes vor den Mandschutruppen. Die Kämpfe mit den Engländern enthüllten indes die militärische Schwäche des Reichs, und die Mingschin oder Mingleute begannen einen erfolgreichen Guerillakrieg. Eine ernste Bedrohung der Dynastie entstand sodann durch die Taiping-Revolution, welche, in ihren Anfängen durch das Eindringen christlicher Ideen und die höchst traurige Lage der Bevölkerung in Kiangsi veranlaßt, 1849 begann und erst 1866 durch Eingreifen der Westmächte unterdrückt wurde. Der Führer des Aufstandes war Hung-Siutsuen, gebürtig aus Kuangtung, 48 km von Kanton entfernt. Er war

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