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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Chinarindenbaum - Chinesische Litteratur.

Chinarindenbaum, s. Cinchona.

Chinarot, s. Chinagerbsäure.

Chinasäure C7H12O6 ^[C<sub>7</sub>H<sub>12</sub>O<sub>6</sub>] findet sich, an Kalk und Alkaloide gebunden, in den Chinarinden (bis zu 5-8 Proz.), in reichlichster Menge im Kraute der Heidelbeeren (Vaccinium Myrtillus), aus welchem sie leicht gewonnen werden kann, im Kraut von Gallum Mollugo, in Kaffeebohnen und wahrscheinlich auch in sehr vielen andern Pflanzen. Man erhält durch Versetzen eines wässerigen Chinarindenauszugs mit wenig Kalkmilch und Verdampfen des Filtrats Kristalle von chinasaurem Kalk, aus welchem durch Schwefelsäure die C. abgeschieden wird. Sie bildet farb- und geruchlose Kristalle, schmeckt stark sauer, ist leicht löslich in Wasser und Alkohol, schmilzt bei 162°, ist nicht flüchtig und bildet meist kristallisierbare, in Wasser lösliche Salze, von denen das Kalksalz in der Chinarinde vorkommt und bei der Chininbereitung als Nebenprodukt abfällt. Bei Einwirkung von Jodwasserstoff verwandelt sich C. in Benzoesäure, bei Destillation mit Braunstein und Schwefelsäure liefert sie Chinon, und in den tierischen Organismus eingeführt, erscheint sie im Harn als Hippursäure.

Chinasilber, s. v. w. galvanisch versilbertes Neusilber.

Chinastechwinde, s. Smilax.

Chinastraße (China Straits), die 1873 von Moresby entdeckte Meeresstraße zwischen dem Südostende Neuguineas und der sich nach O. ziehenden Reihe kleiner Inseln. Sie wurde so benannt, weil sie den Weg von Australien nach China um 300 Seemeilen abkürzt.

Chinawurzel, s. Smilax.

Chincha (Yunga), Volksstamm, s. Peru.

Chincha Alta (spr. tschintscha), Pueblo im Departement Ica der südamerikan. Republik Peru, nördlich vom Rio Chincha, nahe dessen Mündung der kleine Hafenort Chincha Baja liegt, hat altindianische Altertümer und (1876) 4814 Einw.

Chinchainseln (spr. tschintscha-), eine Inselgruppe an der Küste von Peru, vor der Bai von Pisco, als reiche, aber jetzt erschöpfte Fundorte des geschätztesten Guanos bekannt, daher auch Guanoinseln genannt. Die drei Hauptinseln steigen als nackte, zerrissene und zerklüftete Felsen von 60 m Höhe empor und trugen auf dem Scheitel eine etwa 30 m hohe Schicht Guano. Der Abbau wurde 1841 begonnen, und noch 1853 schätzte man den vorhandenen Guano auf 12,376,100 Ton.

Chinchilla (spr. tschintschillja), Pelzwerk von der südamerikanischen Eriomys C., ist silbergrau, schwärzlich meliert, äußerst zart, mit seidenweichem, 3,25 cm langem Haar, sehr kostbar und von der Mode bald ungemein begünstigt, bald wieder vernachlässigt. Es kommen jährlich ca. 100,000 Felle in den Handel; doch liefern dieselben Gegenden noch minder kostbares Pelzwerk: Chinchillone die groß und schmutzig gelb sind, und kleine und kurzhaarige Bastardchinchillas. Wegen der Weichheit und Zartheit der Chinchillas hat man diese Namen auf gewisse sehr feine, langhaarige, silbergraue Wollstoffe übertragen.

Chinchilla (spr. tschintschillja, Hasenmaus, Eriomys Lichtst.), Säugetiergattung aus der Ordnung der Nagetiere und der Familie der Chinchillen (Chinchillidae), kaninchenähnliche Tiere mit dickem Kopf, großen, abgerundeten Ohren, fünfzehigen Vorder-, vierzehigen Hinterfüßen, langem, buschigem, nach oben gekrümmtem Schwanz und dichtem, weichem, wolligem Pelz, leben in Südamerika gesellig in bedeutenden Höhen der Gebirge und nähren sich von Wurzeln, Flechten, Zwiebeln, Rinden, auch wohl von Früchten. Die C. (Eriomys C. Licht., s. Tafel "Nagetiere II"), etwa 30 cm lang, mit 13 cm langem Schwanz, hat einen ungemein weichen, zarten Pelz mit seidenartigem, langem, an der Wurzel tief blaugrauem, dann breit weiß geringeltem und dunkelgrau endigendem Haar; die Unterseite und die Füße sind weiß, der Schwanz hat oben zwei dunkle Binden. Die C. findet sich sehr häufig auf den Kordilleren von Peru, Chile und Bolivia in felsigen, pflanzenarmen Gegenden, lebt in Felsenklüften und Höhlen, ist sehr gewandt, klettert vortrefflich, läuft nach Art unsrer Mäuse und wird besonders lebhaft in der Dämmerung. Das Weibchen wirft 4-6 Junge. Man hält sie wegen ihres ansprechenden Benehmens häufig in Gefangenschaft. Sie wird wegen ihres kostbaren Pelzwerks viel gejagt, und schon zur Zeit der Inka verarbeiteten die Peruaner das Haar zu Tuch und andern Geweben. Gegenwärtig ist sie daher bereits stark zurückgedrängt. Nach Europa kamen die ersten Felle im 18. Jahrh. über Spanien, wurden aber bald ein gewöhnlicher Handelsartikel. Die Wollmaus (E. lanigera Benn.) ist der vorigen ähnlich, aber nur 26 cm lang, mit 13 cm langem Schwanz, leicht aschgrau mit dunkler Sprenkelung, an der Unterseite und den Füßen matt grau oder gelb angeflogen, hat äußerst feines, weiches, dicht stehendes Pelzhaar, wohnt in den nördlichen Gegenden von Chile unter der Erde und lebt hauptsächlich von Zwiebeln. Das Weibchen wirft zweimal jährlich 5-6 Junge. Gefangene Wollmäuse werden ungemein zahm. Die alten Peruaner fertigten aus dem Haar Bettdecken und andre Stoffe. Das Fleisch beider Hasenmäuse ist genießbar.

Chinchilla de Monte-Aragon (spr. tschintschillja), alte Bezirksstadt in der span. Provinz Albacete, am Abhang eines Hügels, welcher viele als Wohnstätten dienende Höhlen enthält, an der Eisenbahn von Madrid nach Alicante, von welcher hier die Linie nach Cartagena abzweigt, hat Marmor- und Gipsbrüche und (1878) 6080 Einw., welche Getreide, Safran, Gartenfrüchte und Wein bauen und Thonwaren verfertigen.

Chinchillidae (Chinchillen), Familie der Nagetiere (s. d.).

Chinchina (lat.), Chinarinde.

Chinchoxo, s. Tschintschotscho.

Chine (franz., spr. schi-, Chinierung, Flammierung), Muster auf Geweben, welches aus länglichen Flecken mit unvermerkt auslaufenden, gleichsam verwaschenen Enden besteht, wird erzeugt, indem man die gescherte Kette vor dem Aufbäumen stellenweise färbt. Zu diesem Zweck wird sie an den Stellen, welche keine Farbe annehmen sollen, fest und dicht mit Bindfaden umwickelt und so in den Farbkessel gebracht. Das verwaschene Ansehen der gefärbten Stellen ist eine Folge des unvermeidlichen geringen Verziehens der Fäden beim Aufbäumen. Dieselben und ähnliche Effekte werden auch durch Bedrucken der Kette erzielt, wobei man die letztere durch wenige Schußfäden zusammenwebt und durch ein Windrad oder durch Dampfheizung die Farben schnell trocknet (Kettendruckmaschine). In neuerer Zeit bedruckt man auch die zur Kette oder zum Einschuß bestimmten Garne in der Strähne und erhält so, da sich die bedruckten Stellen beim Scheren der Kette ganz unregelmäßig verteilen, kein Muster, sondern eine feinflammige Melierung. Auch für den Garndruck sind Maschinen konstruiert worden.

Chinesen, Bewohner von China (s. d., bes. S. 5 ff.).

Chineser Gelb, s. Ocker.

Chinesische Litteratur, s. Chinesische Sprache und Litteratur.

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]