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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Chionanthus; Chionĭdes; Chīos

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Chionanthus - Chios.

Chionanthus L. (Schneeflockenstrauch), Gattung aus der Familie der Oleaceen, Sträucher oder kleine Bäume mit gegenständigen, ganzen und ganzrandigen Blättern, ziemlich großen, schneeweißen Blüten in achsel- oder endständigen, einfachen oder zusammengesetzten Trauben und einfächerigen Steinfrüchten. C. virginica L., von der Ostseite Nordamerikas, wird 3-4 m hoch, hat gestielte, elliptische, 10 cm lange Blätter und langgestielte, große Blütenrispen, ist eins unsrer schönsten Gehölze, bringt in Europa aber niemals reife Früchte.

Chionĭdes, der älteste uns bekannte komische Dichter Athens, um 460 v. Chr. Von zwei seiner Komödien besitzen wir einige Fragmente (abgedruckt in "Fragmenta comicorum graecorum" von Meinecke, Bd. 2, Berl. 1839; von Kock, Bd. 1, Leipz. 1880).

Chīos (jetzt Chio oder Skio, türk. Sakiz-Adasi, "Mastixinsel"), türk. Insel im Ägeischen Meer, südlich von Lesbos und durch die 7 km breite Straße von C. von der kleinasiatischen Halbinsel Karaburnu getrennt (s. Karte "Griechenland"), hat einen Flächeninhalt von 827 qkm (15 QM.). Als Vorgebirge nennen die Alten: Poseidion (jetzt Kap Helena) und Phanä; Meläna (jetzt Kap St. Nikolo), Psyra gegenüber; Laios und Phlion. Die Insel ist von Bergen durchzogen (darunter im N. der St. Eliasberg, der Pellinäos der Alten, 1267 m), zwar magern Bodens, aber gut angebaut. Das Klima ist mild; mittlere Jahrestemperatur 19,8° C. Erdbeben sind nicht selten (1881 kamen durch ein solches 3558 Menschen um, und Eigentum im Wert von 60-80 Mill. Mk. wurde zerstört). Aus den Bergen brach man schon im Altertum berühmten bleifarbigen Marmor mit weißen Adern und vorzüglichen Töpferthon; in jüngster Zeit bearbeitet man Gruben, welche Antimonglanz und Ocker in großer Mächtigkeit liefern. Die Tierwelt ist arm; Ziegen, deren Felle einen ansehnlichen Ausfuhrartikel nach Triest bilden, werden in großen Herden in den Bergen gehalten, außerdem noch Esel und Maulesel, wenige Kühe und Pferde. Sonst gibt es viele Kaninchen und Marder, von Vögeln große Herden gezähmter Rebhühner, wilde Enten, Bienen, viele Schlangen u. a. Die Seidenraupenzucht erzielt jährlich 5000 Ztr. Kokons (nach Lyon), auch wird die Seide geschickt von den Frauen zu Geweben verarbeitet. Die wertvollsten Handelsprodukte liefert die Pflanzenwelt. Ausgeführt werden Mastix (jährlich 900-1200 Ztr.), Wein, Apfelsinen und Zitronen (35-40 Mill. Stück), eingemachte Früchte, Mandeln, Orangen- und Rosenwasser u. a. Die Bewohner, etwa 70,000 Seelen (vor dem Blutbad von 1822 weit über 100,000), sind fast sämtlich Griechen; die Hauptstadt C. hat 13,000 Einw.; in der Festung (Kastro) wohnen 3000 Türken und 200-300 Juden. Die Stadt ist zugleich Hauptstadt des Sandschaks Sakis, Sitz eines griechischen Bischofs und mehrerer Konsuln. Nicht weit davon das prächtige, 1040 von dem Kaiser Konstantin Monomachos und seiner Gemahlin Zea erbaute Kloster Nea-Moni.

Das einzige Altertum der Insel, auf welcher ein erbliches Homeridengeschlecht existierte, die sogen. Schule des Homer, wo der gefeierte Sänger seine Schüler um sich versammelt haben soll, befindet sich am Fuß des Bergs Epos, unweit der Küste des Meers, wohl ein uraltes Heiligtum der Kybele. C. stritt vielleicht mit mehr Recht als jede andre Stadt um die Ehre, das Vaterland Homers zu sein. Auch der Tragiker Jon, der Historiker Theopompos, der Geograph Skymnos, der Sophist Theokritos hatten C. zum Vaterland. Die jetzigen Chioten haben einen entschiedenen Hang zum Handel (ihre Handelsflotte soll an 500 Schiffe zählen), sind sparsam, nüchtern, aber meist ungebildet und abergläubisch. Die alten Chier waren berühmt wegen ihrer Erzählungskunst, woher das Sprichwort stammt: "Wo ein Chier ist, kommt ein Chor nicht zum Wort". C. besaß die ersten Hypothekenbücher und war namentlich Sitz des griechischen Sklavenhandels.

Die ältesten Bewohner von C. waren Leleger, Kreter und Karier, welche von den Ioniern unterworfen und verdrängt wurden. Unter diesen ward C. einer der blühendsten Staaten im ionischen Kleinasien. Als sich die Perser über Kleinasien ergossen und auch die hellenischen Kolonien bedrängten, bewiesen die Chier keinen hellenischen Gemeinsinn, indem sie den freiheitliebenden, vor der barbarischen Zwingherrschaft flüchtenden Phokäern den Verkauf der Önussischen Inseln aus kleinlicher Besorgnis, ihr Handel möchte dereinst dadurch beeinträchtigt werden, verweigerten und sich 546 v. Chr. Kyros sogar ohne Schwertstreich ergaben. Dagegen nahmen sie an der von Histiäos eingeleiteten und von Aristagoras ausgeführten ionischen Empörung gegen die Herrschaft der Perser lebhaften Anteil und fochten bei der Insel Lade auf 100 Schiffen für die gemeinsame Freiheit mit großer Tapferkeit, fielen aber dann wieder unter die Gewalt der Perser. Nach der Schlacht bei Mykale trat die Insel dem Seebund der Athener bei, zu dessen mächtigsten und angesehensten Bundesgenossen die Chier gehörten. Unter der Hegemonie der Athener, welche C. milder als die meisten andern Verbündeten behandelten, hoben sich Macht und Wohlstand der Insel zur höchsten Blüte, und die Chier standen deshalb im Peloponnesischen Krieg den Athenern kräftig bei. 412 traten sie zu den Peloponnesiern über und wandten auch Milet und andre ionische Städte vom Athenischen Bund ab. Zur Strafe verwüsteten die Athener die Insel. Nach dem Ende des Peloponnesischen Kriegs fiel sie infolge erlittener Bedrückung von Sparta ab und ward 376 nach der Schlacht bei Naxos wieder Bundesgenossin Athens. Auch von diesem bedrückt, trat sie 363 mit Theben in Verbindung und verteidigte sich im Bundesgenossenkrieg erfolgreich gegen Chares, so daß die Athener 355 ihre Unabhängigkeit anerkennen mußten. Später wurde der persische Anführer Memnon auf kurze Zeit Herr daselbst. Nach dem Krieg des Königs Philipp III. kam C. zuerst mit den Römern in Berührung. Schwer wurde die Insel im Mithridatischen Krieg mitgenommen; den Römern befreundet, mußten die Einwohner ihre Schiffe dem pontischen König stellen und 2000 Talente bezahlen. Als Bestandteil des oströmischen Reichs teilte darauf die Insel alle Drangsale desselben. 1307 eroberten und verwüsteten türkische Seeräuber die Insel, bald darauf Bajesid. In der Folge war C. geraume Zeit im Besitz der Genuesen, bis die Türken 1566 zur Herrschaft der Insel gelangten und einen Aga dort einsetzten. Am 21. Sept. 1694 wurde Kastro von den Venezianern beschossen und erobert, fiel aber schon im Februar 1695 von neuem in die Gewalt der Türken. Die Insel wurde bald die begünstigtste der Sporaden, und die Einkünfte waren Privateigentum der Sultanin. Im griechischen Befreiungskrieg erhoben sich auch die Chier im Februar 1821 gegen die türkische Herrschaft, unterlagen aber, und der türkische Kapudan-Pascha verhängte über die unglückliche Insel im April 1822 ein furchtbares Strafgericht: sie wurde gänzlich verwüstet, 23,000 Einwohner wurden ermordet, 47,000 in die Sklaverei verkauft; nur 5000 entkamen. Auch

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