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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Chiton; Chitone; Chittagongholz; Chittim; Chittitische Hieroglyphen; Chiusa; Chiusi

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Chiton - Chiusi.

Chiton (griech.), das Unterkleid der Griechen, auf dem bloßen Leib getragen und oft als einziges Kleidungsstück dienend. Ein oblonges Stück Zeug wurde einfach so zusammengelegt, daß die eine geschlossene Seite desselben die eine Seite des Körpers deckte; unter ihrem obern Ende wurde durch eine Öffnung ein Arm gesteckt; die andre offene und nur zuweilen an ihrem untern Ende zusammengenähte Seite ward über der andern Schulter zusammengenestelt. Ein Gurt um die Hüften hielt den C. zusammen und gestattete durch Hinaufziehen des Stoffs, wodurch ein "Bausch" (Vertreter unsrer Tasche) gebildet wurde, eine Verkürzung desselben. Dieser bis zu den Knieen reichende C. (Fig. 1), welcher bei dorischen Männern u. Frauen zu allen Zeiten üblich war, wurde seit Perikles auch in Athen von Männern getragen, wo bis dahin der längere C. der asiatischen Ionier im Gebrauch gewesen war. Häufig wurden dem C. auch kurze oder lange Ärmel angefügt. Dem bis auf die Füße reichenden Doppelchiton (Fig. 2) fehlte auch das eine Armloch: es wurde zu demselben ein beträchtlich längeres Zeugstück ganz wie der einfache C. zusammengelegt, das obere Drittel desselben aber zurückgeschlagen, so daß es auf Brust und Rücken beinahe bis zur halben Körperhöhe zurückfiel. Während die beiden freien obern Enden ganz wie beim einfachen C. über der einen Schulter zusammengesteckt wurden, faßte eine Agraffe über der andern Schulter den obern Rand des Gewandes von vorn und hinten und bot so eine Öffnung für den andern Arm. Die offene Seite des Doppelchitons ließ also eine Seite des Körpers sichtbar werden, wenn sie nicht, was oft geschah, von den Hüften (halb offener) oder von der Achselhöhle an (geschlossener Doppelchiton) zusammengenäht wurde. Die meisten Wandlungen, welche die griechische Frauenmode mit diesem C. vornahm, bezogen sich auf jenen bald längern, bald kürzern Überwurf, dessen offene Seitenränder oft über dem Oberarm durch Agraffen so miteinander vereinigt wurden, daß sie die Gestalt eines Ärmels erhielten, aber in Zwischenräumen den nackten Arm sichtbar werden ließen. Die Stoffe des C. waren meist wollene Gewebe, die Frauen bevorzugten auch Linnen und Byssus. Erst spät fanden seidene Stoffe in Griechenland Eingang. Im allgemeinen war für den C. die weiße Farbe die vorherrschende; doch trugen ihn namentlich die Frauen häufig auch dunkelfarbig und verzierten ihn mit Verbrämungen, Streifen und Stickereien.

^[Abb.: Fig. 1. Dorischer Chiton (Relief).]

^[Abb.: Fig. 2. Doppelchiton (Statue in Neapel).]

Chitone, Beiname der Artemis, weil sie als Jägerin mit geschürztem Chiton (s. d.) gedacht wurde, oder weil ihr die Windeln der Neugebornen geweiht wurden.

Chittagongholz, s. Cedrela.

Chittim (nach Luther Kithim, 1. Mos. 10, 4 unter den Nachkommen Javans genannt), in der Bibel ursprünglich Name der einheimischen Bewohner Cyperns (nicht verschieden von demjenigen des in der Urzeit in ganz Syrien verbreiteten Volkes der Chetiter oder Chittäer); später allgemeiner Name aller entfernten Länder im Westen, wie nach 1. Makk. 1, 1 Alexander d. Gr. vom "Land C." aus seinen Zug begann und Dan. 11, 30 der Name auf die Römer angewendet wird.

Chittitische Hieroglyphen, eine den ägyptischen Hieroglyphen ähnliche, aber weniger künstlerische Bilderschrift, von der sich einige Denkmäler in Syrien gefunden haben, namentlich in den Städten Hama, Haleb und Dscherabis. Die letztere, am Euphrat gelegene Stadt bezeichnet die Lage des alten Karchemisch, welches nach den assyrischen und ägyptischen Inschriften die Hauptstadt des Chatti oder Chta genannten Volkes war. Man hält dasselbe für die Chetiter (s. d.) der Bibel und bezeichnet daher die noch unentzifferten Hieroglyphen nach Sayce als chittitische oder chetitische. Vgl. "Transactions of the Society of biblical archeology", Bd. 7 (Lond. 1882).

Chiusa (ital., spr. kjusa, "Klause, Gebirgspaß"), Name mehrerer ital. Ortschaften: 1) C. Sclafani, Stadt in der Provinz Palermo (Sizilien), Kreis Corleone, nach ihrem Gründer (Graf Sclafani, 1320) benannt, in fruchtbarer Gegend, mit Öl-, Obst- und Sumachkultur und (1881) 6874 Einw. - 2) C. di Pesio, Dorf in der Provinz Cuneo, am Pesio, mit altem Schloß, Glas- und Majolikafabrikation und (1881) 2772 Einw. - 3) C. di San Michele (Clusa Langobardorum), Flecken in der Provinz Turin, Kreis Susa, im Engthal der Dora Riparia, zwischen dem Monte San Michele (mit ehemaligem Benediktinerkloster) und Monte Caprasio, mit (1881) 856 Einw. und alten Befestigungswerken, durch welche die Langobarden den Einbruch der Franken (unter Pippin und unter Karl d. Gr.) in ihr Reich zu versperren suchten. - 4) C. di Verona, s. Berner Klause.

Chiusi (spr. kjusi, Clusium), Stadt in der ital. Provinz Siena (Toscana), Kreis Montepulciano, auf einem olivenbepflanzten Hügel im Thal der Chiana unweit des kleinen Sees von C. gelegen, Knotenpunkt der Eisenbahnen von Florenz nach Rom, ist Fundort zahlreicher etruskischer und römischer Altertümer, hat eine Kathedrale aus dem 12. Jahrh., ein Museum etruskischer Altertümer, ist Bischofsitz und zählt (1881) 1824 Einw. - C. ist eine der ältesten Städte Italiens. Sie gehörte im Altertum unter dem Namen Clusium (ursprünglich Camers genannt) zu den zwölf etrurischen Republiken und war des Königs Porsenna Residenz. Später hielt die Stadt treu zu den Römern und rief deren Hilfe 391 v. Chr. gegen die andringenden Gallier an. 295 erlitten die Römer bei C. eine Niederlage durch die Senonen; in den Bürgerkriegen siegten die Sullaner zweimal bei C. Unter den Stürmen der Völkerwanderung ward C., wie das ganze Chianathal, entvölkert und erhob sich erst seit der Regulierung des Chianalaufs wieder zu einiger Blüte. Bemerkenswert ist die Stadt vornehmlich durch die reiche Ausbeute an etruskischen Antiquitäten (schwarzen Thongefäßen, Schmuck, Reliefs, geschnittenen Steinen etc.) und die etruskischen Gräber (zum Teil mit mehreren Grabkammern, labyrinthischen Gängen und Malereien), die sich rings um die Stadt, oft einige Miglien ent-^[folgende Seite]

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