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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Chlor

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Chlor (besondere Eigenschaften, Verbindungen, Benutzung).

stellung von Übermangansäure, Nürnberger Violett, Manganbister, Chlorbaryum, zur Entwickelung von Kohlensäure, zur Extraktion von Kupfererzen, zur Absorption von Ammoniak, zum Reinigen des Braunsteins etc. verwendet. Viel wichtiger aber ist die Regeneration des verwendeten Braunsteins, d. h. die Darstellung eines an Mangansuperoxyd möglichst reichen Präparats, welches wieder zur Chlorbereitung benutzt werden kann. Zu diesem Zweck neutralisiert man nach Weldon die Rückstände mit kohlensaurem Kalk, wobei zugleich das aus dem Braunstein und der Salzsäure stammende Eisen gefällt wird. Die abgezogene klare Manganchlorürlauge versetzt man bei 55° mit überschüssiger Kalkmilch und erhält dadurch Manganhydroxydul in einer Chlorcalciumlösung. Diese Mischung wird auf 50-70° erwärmt, worauf man einen Luftstrom in feiner Verteilung hindurchleitet. Das Manganhydroxydul wird hierbei schnell oxydiert, und es entsteht eine Verbindung von Mangansuperoxyd mit Kalk, welche durch Absetzen von der Chlorcalciumlauge getrennt und dann direkt in die Chlorentwickelungsgefäße gebracht wird. Bei diesem Verfahren gewinnt man nur 30 Proz. des in der verbrauchten Salzsäure enthaltenen Chlors, während 70 Proz. in Form von Chlorcalcium verloren gehen. Zur bessern Ausnutzung der Salzsäure sättigt man die saure Manganlauge mit Magnesit (kohlensaurer Magnesia), verdampft die Lösung von Manganchlorür und Chlormagnesium, läßt sie in einen Muffelofen fließen, wobei sich reichlich Salzsäure entwickelt, die im Koksturm verdichtet wird, bringt die Lauge zum Trocknen und röstet sie. Der Rückstand besteht aus Mangansuperoxyd und Magnesia und kann wieder zur Chlorbereitung benutzt werden.

Von andern Chlorbereitungsmethoden sind die folgenden hervorzuheben. Chlormagnesiumlauge, welche bei der Verarbeitung der Staßfurter Abraumsalze als Nebenprodukt gewonnen wird, erhitzt man, mit Braunstein gemengt, durch Wasserdampf auf 200-300°. Das Chlormagnesium gibt dann Salzsäure ab, welche auf den Braunstein wirkt. Löst man rotes chromsaures Kali in Salzsäure, so erhält man Kristalle von Kaliumchromacichlorid, welche bei 100° C. entwickeln und rotes chromsaures Kali hinterlassen, das sofort wieder verwendbar ist. Chromsaurer Kalk, durch Kalcinieren von Chromeisenstein mit Kalk gewonnen, gibt, mit Salzsäure übergossen, Chlorcalcium, Chromchlorid und C. Das Chromchlorid zersetzt man mit Kalkmilch, mischt den Niederschlag, der aus Chromhydroxyd besteht, mit Kalk und röstet ihn, wobei dann chromsaurer Kalk regeneriert wird. Nach Mallet soll man Kupferchlorür der Luft aussetzen und mit Salzsäure befeuchten; es entsteht dann Kupferchlorid, welches beim Erwärmen auf 300° Kupferchlorür und C. liefert. Wirkt Schwefelsäure auf eine Mischung von Kochsalz und salpetersaurem Natron, so entsteht schwefelsaures Natron, und es entweicht ein Gemisch von C. mit Untersalpetersäure, welchem man letztere durch konzentrierte Schwefelsäure entziehen kann, die dann in der Schwefelsäurefabrikation zu verwerten ist. Das Deaconsche Verfahren beruht darauf, daß mit Luft gemengtes Salzsäuregas (Chlorwasserstoff) leicht in C. und Wasser zersetzt wird, wenn man es bei 370-400° über poröse, mit Kupfervitriol getränkte und ausgeglühte Massen leitet. Das aus dem Apparat austretende Gas, ein Gemisch von Stickstoff und C., wird durch Waschen mit Wasser von unzersetzter Salzsäure befreit und dann mit konzentrierter Schwefelsäure getrocknet. Eine geringe Menge Kupfervitriol kann eine große Menge Chlorwasserstoff zersetzen, doch entweicht stets etwa die Hälfte der Salzsäure unzersetzt aus dem Apparat u. muß im Koksturm verdichtet werden. Dies Verfahren scheint große Vorteile darzubieten, der praktischen Ausführung stellten sich indes viele Schwierigkeiten entgegen, und erst in den letzten Jahren wurde mit Erfolg nach demselben gearbeitet.

C. ist ein gelblichgrünes Gas und hat von dieser Farbe (griech. chloros) den Namen, es riecht eigentümlich erstickend und erregt auch bei starker Verdünnung mit Luft beim Einatmen heftigen Reiz in der Luftröhre, Husten, Beklemmung, Blutspeien; sein spezif. Gewicht ist 2,45, das Atomgewicht 35,37. In einer Kältemischung aus starrer Kohlensäure und Äther und bei 15° unter einem Druck von 4 Atmosphären wird es zu einer dunkelgelben Flüssigkeit verdichtet, welche bei 33,6° siedet, aber bei -90° noch nicht erstarrt. 1 Volumen Wasser löst bei 10° 2,58 Vol., bei 16° 2,32, bei 20° 2,07, bei 24° 1,99, bei 28° 1,83, bei 32° 1,67 Vol. In der Kälte ist es schwer löslich, bei 100° ist die Löslichkeit = 0. Die grünlichgelbe Lösung bildet das Chlorwasser (Liquor Chlori, Aqua Chlori, Chlorum solutum) und wird am besten erhalten, wenn man eine Retorte mit kaltem Wasser füllt, so aufstellt, daß der Bauch und die Mündung nach oben stehen, und nun durch ein langes Rohr luftfreies C. hineinleitet. Das C. kann dann nicht entweichen und

^[Abb.: Fig. 3. Chlorentwickelungsapparat.]

^[Abb.: Fig. 4. Chlorentwickelungsapparat.]

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]