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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Chlorkobalt - Chlormetalle.

er sich und ballt sich teigartig zusammen; mit etwa 20 Teilen Wasser angemacht, löst sich der größte Teil, während ein weißer, schlammiger, größtenteils aus Kalkhydrat bestehender Rückstand bleibt; die Lösung reagiert alkalisch, schmeckt herb salzig und wirkt bleichend. C. zersetzt sich allmählich selbst bei vollkommenem Luftabschuß ^[richtig: Luftabschluß], viel schneller im Sonnenlicht (unter Entwickelung von Sauerstoff) und an der Luft. An heißen Sommertagen warm in Fässer verpackter C. explodiert bisweilen ohne jede äußere Veranlassung. Beim Aufbewahren verliert C. im ersten Jahr monatlich 0,5-0,9 Proz. wirksames Chlor und zwar am meisten in den heißen Monaten. Beim Erwärmen zerfällt er sowohl in Substanz als in Lösung in Chlorcalcium und Sauerstoff unter Bildung von etwas chlorsaurem Kalk. Über die Konstitution des Chlorkalks sind die Ansichten noch geteilt. Die Einwirkung des Chlors auf den Ätzkalk geht niemals so weit wie die auf Kalkmilch. Niemals erhält man C. mit mehr als 40 Proz. wirksamem Chlor, und stets tritt bei Behandlung des Chlorkalks mit Wasser Ätzkalk auf. Man kann daher annehmen, daß C. neben Chlorcalcium basisch unterchlorigsauren Kalk CaOH.OCl enthält, welcher sich bei Berührung mit Wasser in unterchlorigsauren Kalk und Ätzkalk zersetzt. Die Lösung des Chlorkalks wirkt durch Abgabe von Sauerstoff bleichend. Säuren entwickeln daraus aber unterchlorige Säure, welche viel kräftiger bleicht. Diese Zersetzung bewirkt auch schon die Kohlensäure der Luft, und deshalb werden Gewebe, in Chlorkalklösung getaucht, viel schneller gebleicht, wenn man sie an die Luft hängt, als wenn sie von der Flüssigkeit bedeckt bleiben. Starke Säuren machen im C. aus dem Chlorcalcium auch Salzsäure frei, und diese zersetzt sich dann mit der unterchlorigen Säure und entwickelt Chlor. Rührt man C. mit Sodalösung an, so entstehen kohlensaurer Kalk, unterchlorigsaures Natron und Chlornatrium; ebenso erhält man Unterchlorigsäuresalze von Magnesia (Chlormagnesia), Zink, Thonerde etc., wenn man C. mit Bittersalz, Zinkvitriol, schwefelsaurer Thonerde zersetzt. Konzentrierte Lösungen von C. liefern beim Erhitzen Sauerstoff und Chlorcalcium; aus verdünnten entwickelt sich kein Sauerstoff, sondern es entsteht chlorsaurer Kalk; trockner C. wird bei 100° wenig zersetzt, bei Gegenwart von Chlor entsteht aber chlorsaurer Kalk, weshalb man bei der Darstellung jede Erwärmung sorgfältig vermeiden muß. Mehrere Oxyde entwickeln aus C. schon bei gewöhnlicher Temperatur, viel lebhafter aber beim Erwärmen Sauerstoff, und es genügen z. B. wenige Tropfen einer Kobaltchlorürlösung, um aus klarer Chlorkalklösung einen regelmäßigen Sauerstoffstrom zu erhalten. 1 kg C. gibt auf diese Weise 92,4 Lit. Sauerstoff. - Der C. kommt mit sehr verschiedenem Gehalt an bleichendem Chlor in den Handel; diesen Gehalt zu ermitteln, ist Aufgabe der Chlorometrie (s. d.). C. wird vorzüglich in der Bleicherei angewandt (s. Bleichen); er dient außerdem als fäulniswidriges Mittel, zum Desinfizieren, zur Darstellung von Chloroform, Chlor, Sauerstoff, als oxydierendes Mittel in unzähligen Fällen bei der Darstellung von Farbstoffen und andern Präparaten, zum Entfuseln von Branntwein, in der Kattundruckerei zur Erzeugung weißer Muster auf farbigen Geweben, zum Vertreiben von Ratten, Mäusen, Raupen und anderm Ungeziefer etc. Als Arzneimittel benutzt man C. innerlich bei Typhus, Dysenterie, skrofulösen Drüsenanschwellungen, Lungentuberkulose, äußerlich als Einstreupulver, zu Gurgelwassern, Einspritzungen, Verbandwassern. Vortrefflich hat sich C. auch als Vorbeugungsmittel gegen die Klauenseuche bewährt; in Viehställen vertreibt er in kurzer Zeit alle Stechfliegen, ohne dem Vieh irgendwie schädlich zu sein. Der C. hat seiner Transportfähigkeit wegen den sogen. flüssigen C., d. h. eine Lösung von unterchlorigsaurem Kalk, vollständig verdrängt. Wo aber der Transport nicht in Frage kommt, ist das flüssige Präparat viel vorteilhafter. Man erhält dasselbe, indem man gewaschenes Chlor in ein liegendes Faß treten läßt, in welchem Kalkmilch durch eine Flügelwelle stark bewegt wird. Das über dem Spiegel der Flüssigkeit eintretende Gas wird schnell absorbiert: man muß aber die Operation unterbrechen, bevor aller Kalk gelöst ist, auch darf die Flüssigkeit höchstens ein spezifisches Gewicht von 1,14 erreichen, weil sich sonst chlorsaurer Kalk bildet. Flüssiger C. wurde zuerst 1798 von Tennant in Glasgow dargestellt, aber schon im folgenden Jahr durch den trocknen C. ersetzt. Vgl. Lunge, Handbuch der Sodaindustrie (Braunschweig 1879, 2 Bde.).

Chlorkobalt, s. Kobaltchlorür.

Chlorkohlenstoff, s. Kohlenstoffchloride.

Chlorkupfer, s. v. w. Kupferchlorür u. Kupferchlorid.

Chlorlithium, s. Lithium.

Chlormagnesia, s. v. w. unterchlorigsaure Magnesia, ein empfehlenswertes Bleichmittel für zarte Stoffe; vgl. Chlorkalk.

Chlormagnesium, s. Magnesiumchlorid.

Chlormangan, s. v. w. Manganchlorür und Manganchlorid.

Chlormerkurspat, s. v. w. Quecksilberhornerz.

Chlormetalle (Chloride), Verbindungen der Metalle mit Chlor, finden sich zum Teil in der Natur, wie das Chlornatrium als Steinsalz, das Chlorkalium als Sylvia, Chlorsilber, Chlorquecksilber etc. Sie entstehen sehr allgemein, wenn Chlor auf Metalle wirkt, meist schon bei gewöhnlicher Temperatur und bisweilen sogar unter Feuererscheinung. Sie bilden sich ferner bei Einwirkung von Chlor auf Metalloxyde und besonders leicht, wenn das Oxyd mit Kohle gemischt und dann im Chlorstrom erhitzt wird. Leitet man Chlor in die Lösung eines Alkalimetallhydroxyds, so entsteht Chlormetall neben chlorsaurem oder unterchlorigsaurem Alkali. Sehr allgemein bilden sich C. bei Einwirkung von Salzsäure auf Metalle, Metalloxyde, Schwefelmetalle und Kohlensäuresalze der Metalle. Unlösliche C. werden aus Lösungen der betreffenden Metalle durch Salzsäure oder ein andres lösliches Chlormetall gefällt. Die C. sind feste oder flüssige Körper, meist kristallisierbar und in Wasser löslich; Chlorblei ist schwer, Chlorsilber, Kupfer- und Quecksilberchlorür sind unlöslich; die meisten sind schmelzbar, viele lassen sich sublimieren oder destillieren. Die schwer schmelzbaren hießen früher Hornmetalle (Hornsilber, Hornblei), die leicht schmelzbaren Metallbutter, die flüssigen Metallöle. Wenige C. werden durch Hitze allein zersetzt, viele aber durch Erhitzen mit Wasserstoff, durch Ammoniak oder Metalle, keins durch Erhitzen mit Kohle. Sehr viele Metalle verbinden sich in mehreren Verhältnissen mit Chlor, und die verschiedenen Chlorungsstufen entsprechen den Oxydationsstufen der Metalle, wobei dann an der Stelle von 1 Atom Sauerstoff 2 Atome Chlor stehen. Die chlorärmern C. heißen Chlorüre, die chlorreichern Chloride; erstere entsprechenden Oxydulen, letztere den Oxyden und die Superchlorüre oder Superchloride den Metallsäuren. Sehr viele C. finden ausgedehnteste technische und medizinische Verwendung, wie Kochsalz, Chlorkalium, Chlormagnesium, Chloreisen, Chlorkupfer, Chlorquecksilber, Chlorsilber, Chlorgold, Chlorplatin etc.

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]