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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Chlorophyllophyceen - Chlorsäure.

wieder. Bei den im Herbst absterbenden und dabei sich gelb, braun oder rot färbenden, nicht ausdauernden Blättern der Laubbäume findet dagegen eine Regeneration des Chlorophylls niemals statt. Vgl. Sachs, Vorlesungen über Pflanzenphysiologie (Leipz. 1882); Wiesner, Entstehung des Chlorophylls (Wien 1877); Sachsse, Phytochemische Untersuchungen (Leipz. 1880); Pringsheim, Untersuchungen über das C. (Monatsberichte der Berliner Akademie 1874 bis 1881); Derselbe, Über Lichtwirkung und Chlorophyllfunktion in der Pflanze ("Jahrbücher für wissenschaftliche Botanik", Bd. 12, Leipz. 1881); Tschirch, Untersuchungen über das C. (Berl. 1884).

Chlorophyllophyceen, 1. Ordnung der Algen (s. d.).

Chlorops, Grünauge.

Chlorose (Chlorosis), s. v. w. Bleichsucht.

Chlorospinell, s. Spinell.

Chlorospiza, Grünfink.

Chlorphosphor, s. Phosphorchloride.

Chlorplatin, s. v. w. Platinchlorid.

Chlorquecksilber, s. v. w. Quecksilberchlorür und Quecksilberchlorid.

Chlorräucherung, die Verbreitung von Chlorgas in Räumen zur Zerstörung von übeln Dünsten und Ansteckungsstoffen. Die C. bietet in Räumen, in welchen keine Menschen befindlich sind, keine besondern Schwierigkeiten. Man übergießt entweder eine Mischung von 3 Teilen Kochsalz und 1 Teil Braunstein auf einem Teller mit 2 Teilen Schwefelsäure und 2 Teilen Wasser, oder einen Brei von Wasser und Chlorkalk mit Salzsäure und sorgt, daß wenigstens 24 Stunden so viel Chlor der Luft des Raums beigemischt bleibt, daß auch ein kurzer Aufenthalt darin unmöglich ist. Selbstverständlich müssen während der C. Thüren und Fenster fest verschlossen bleiben. Metalle werden von dem Chlor sehr stark angegriffen und müssen entfernt werden. Mit Chlor zu räuchern, während sich Menschen in dem betreffenden Raum aufhalten, ist so gut wie zwecklos, da man in diesem Fall viel zu wenig Chlor entwickeln darf, um eine Wirkung erwarten zu können. Bei stärkerer Räucherung z. B. in einem belegten Krankenzimmer würde man den Patienten viel mehr schaden, als durch angebliche Reinigung der Luft nützen. Kloaken, welche von Schwefelwasserstoff erfüllt sind, werden zugänglich gemacht, indem man ein bis mehrere Pfund Chlorkalk, der in einem Kübel mit Wasser angerührt ist, gleichzeitig mit gleich viel durch 2-3 Teile Wasser verdünnter Salzsäure in die Grube schüttet. Der üble Geruch, welchen faulende Körper, wie Leichen von Ertrunkenen, die lange im Wasser gelegen haben etc., verbreiten, läßt sich mehr oder minder entfernen, wenn man über den Gegenstand ein mit Chlorkalklösung getränktes Tuch breitet und öfters erneuert. Vgl. Desinfektion.

Chlorsäure HClO3 ^[HClO_{3}] entsteht (an Kali gebunden) bei der Behandlung einer heißen konzentrierten Lösung von Kalihydrat in Wasser mit Chlor. Dabei bilden sich 5 Moleküle Chlorkalium und 1 Molekül chlorsaures Kali, und aus letzterm scheidet man die C. durch Kieselfluorwasserstoff ab. Die so in Freiheit gesetzte C. bildet eine farb- und geruchlose Flüssigkeit, schmeckt stark sauer, riecht stechend, bleicht das zuerst gerötete Lackmuspapier, zersetzt sich schon bei 40°, wirkt stark oxydierend, entzündet Papier und Leinwand beim Eintrocknen auf denselben, zerfällt mit Chlorwasserstoffsäure in Chlor und Wasser und wird auch durch Licht zersetzt. Mit den Basen bildet sie die Chlorsäuresalze (Chlorate), welche sämtlich in Wasser löslich sind, beim Erhitzen in Sauerstoff und Chlormetall zerfallen, mit Schwefelsäure gelbe, stark bleichend wirkende Dämpfe von Unterchlorsäure entwickeln und höchst kräftig oxydierend wirken. Die schmelzbaren von ihnen detonieren, mit brennbaren Körpern gemengt, sehr heftig durch Schlag, Reibung und Erwärmung, und ihre Behandlung erheischt daher große Vorsicht. Das wichtigste Salz ist das chlorsaure Kali KClO3 ^[KClO_{3}], welches auf oben angegebene Weise erhalten werden kann, in der Technik aber mit Hilfe von Kalk dargestellt wird. Man leitet Chlor in einen heißen Brei von gelöschtem Kalk und erhält dabei eine Lösung von chlorsaurem Kalk und Chlorcalcium. Diese vermischt man siedend heiß mit Chlorkalium, filtriert und bringt die Lösung, welche nun chlorsaures Kali und Chlorcalcium enthält, zur Kristallisation. Das ausgeschiedene rohe chlorsaure Kali wird durch Umkristallisieren gereinigt. Es bildet wasserfreie, farblose, luftbeständige, perlmutterartig glänzende Kristallblättchen vom spez. Gew. 2,83-2,35, schmeckt herb kühlend, löst sich bei 0° in 30 Teilen, bei 15° in 16½ Teilen, bei 50° in 5 Teilen Wasser; eine gesättigte siedende Lösung enthält auf 100 Teile Wasser 60 Teile Salz, in Alkohol ist es unlöslich, es schmilzt bei 334°, zersetzt sich bei 352° in überchlorsaures Kali und Sauerstoff und hinterläßt bei höherer Temperatur nur Chlorkalium. Mischt man es mit Mangansuperoxyd (Braunstein), Kupferoxyd, Eisenoxyd, so erfolgt die Zersetzung sehr stürmisch und bei viel niedrigerer Temperatur; 100 Teile Salz geben 39,15 Teile Sauerstoff. Auf dem schmelzenden Salz verbrennen Schwefel, Kohle, Antimon, Eisen mit lebhaftem Glanz; Mischungen dieser Körper mit dem Salz entzünden sich bisweilen von selbst, auch durch Einwirkung des Lichts und bei Berührung mit Schwefelsäure: sie explodieren durch Schlag, Stoß, Reibung und Erwärmung. Deshalb darf das chlorsaure Kali niemals mit brennbaren Körpern irgend welcher Art im Mörser zusammengerieben werden, sondern man muß es für sich, am besten mit einigen Tropfen Weingeist, zerreiben und dann auf einem Bogen Papier mit einer Federfahne oder mit dem Finger den andern Pulvern beimischen. Die Lösung des chlorsauren Kalis wirkt besonders nach Zusatz von Salzsäure oder Salpetersäure, welche Chlor oder Chlorsäure frei machen, stark oxydierend. Man benutzt chlorsaures Kali zur Darstellung von Sauerstoff, übermangansaurem Kali, Anilinschwarz, Alizarin, zu Buntfeuern, Augendres weißem Schießpulver, zu Streichhölzchen und Zündspiegeln der Zündnadelgewehre. Als Arzneimittel dient es bei diphtheritischen Prozessen, Skorbut, Mundfäule, Schwämmchen, Speichelfluß, Krupp, bei schlecht eiternden Wunden, als Mundwasser etc. Es scheint schon Glauber bekannt gewesen zu sein, doch wurde es noch später für eine Art Salpeter gehalten, bis Berthollet 1786 die C. entdeckte, welche Gay-Lussac 1814 abschied. Das Salz wird gegenwärtig hauptsächlich in England (jährlich ca. 1,3 Mill. kg), weniger in Frankreich (0,33 Mill. kg) dargestellt. Chlorsaurer Baryt Ba(ClO3)2 ^[Ba(ClO_{3})_{2}] wird durch Behandeln von kohlensaurem Baryt mit Chlor oder aus chlorsaurem Natron erhalten, indem man dessen Lösung mit Oxalsäure versetzt, sehr stark abkühlt, filtriert und mit kohlensaurem Baryt neutralisiert. Es bildet farblose, leicht lösliche Kristalle und dient in der Feuerwerkerei zu Grünfeuer. Chlorsaures Natron NaClO3 ^[NaClO_{3}] wird wie das Kalisalz erhalten, nur verdampft man zunächst die Lösung der Kalksalze, um das Chlorcalcium größtenteils durch Kristallisation zu entfernen, versetzt die verdünnte Lauge dann mit Kalk, entfernt das abgeschiedene Calciumoxychlorid und zersetzt nun die

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]