Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Chokieren; Chokolade; Cholaemia; Cholagoga; Cholalsäure; Choleinsäure; Cholelithiasis; Cholen; Cholera

61

Chokieren - Cholera (einheimische C.).

erging unter dem 3. März von Petersburg aus der Befehl, das bisherige Chanat C. als Gebiet Ferghana dem Generalgouvernement Turkistan einzuverleiben. Vgl. Vambéry, Geschichte Bocharas (Stuttg. 1872); Derselbe, Reise in Mittelasien (Leipz. 1873); Krahmer, Die Eroberungen der Russen in Mittelasien ("Grenzboten" 1877).

Chokieren (spr. scho-, v. franz. choquer), stoßen, anstoßen, beleidigen, mißfallen; chokant (franz. choquant), anstößig, auffällig, beleidigend.

Chokolade, s. Schokolade.

Cholagoga (griech.), galleabführende Mittel.

Cholalsäure, s. Galle und Gallensäuren.

Cholaemia, s. Gelbsucht.

Choleinsäure, s. Galle und Gallensäuren.

Cholelithiasis (griech.), s. Gallensteine.

Cholen (Cholon), Stadt in Französisch-Kochinchina, 7 km westlich von Saigon, mit dem es durch Tramway und Dampfer in Verbindung steht, an einem der Arme des Saigonflusses, mit (1881) 39,925 Einw., darunter 10,000 Chinesen, 73 Franzosen und 10 andre Europäer (1 Deutscher). Die Stadt ist Hauptort des gleichnam. Arrondissements (1876: 150,531 Einw., davon 11,000 Chinesen, 142 Malaien, 43 Europäer), Sitz der Behörden, Militärposten, hat ein Telegraphenbüreau, eine große Pagode und hat sich seit der französischen Okkupation aus einem winkeligen und schmutzigen Ort in eine reinliche Stadt mit breiten, saubern Straßen und hübschen Kais verwandelt.

Cholera (nach einigen v. hebr. cholé-ra, "die böse Krankheit", nach andern v. griech. cholé; "die Galle"), ursprünglich und lange Zeit Bezeichnung sehr verschiedener Krankheiten des Darms, welche unter stürmischen Durchfällen und Erbrechen verlaufen; allmählich sind einzelne bestimmte Krankheitsgruppen; z. B. die Arsenikvergiftung, welche die gleichen Erscheinungen hervorbringt, ausgeschieden worden, und man hat den Namen C. für zwei Formen übrig behalten, deren eine als einheimische C. (C. nostras), deren andre als asiatische C. bekannt ist. Ob die einheimische C. wirklich als eine einheitliche Krankheit anzusehen ist, erscheint zweifelhaft, da man ihre Ursache noch nicht genügend kennt; von der asiatischen C. dagegen steht es fest daß sie nach Ursache, epidemischer Verbreitung und Verlauf eine ganz einheitliche Infektionskrankheit ist. Beide sind in ihren Krankheitserscheinungen ungemein ähnlich, bei beiden sind schnell aufeinander folgende reichliche, anfangs dünne, später geradezu wässerige Stühle das Hauptsymptom, bei beiden kommen Erbrechen, Wadenkrämpfe, starke Erschöpfung vor, und dennoch sind sie durchaus verschiedene Formen: die einheimische ist gutartig, sie tritt sporadisch auf, ist nicht ansteckend; die asiatische dagegen ist eminent bösartig, tritt als verheerende Seuche auf, welche aufs leichteste übertragbar ist, und kommt niemals sporadisch vor, ohne daß eine Übertragung des Cholerakeims stattgefunden hätte. Da es ungemein wichtig ist, trotz der Ähnlichkeit in den Symptomen beide Krankheiten aufs bestimmteste voneinander zu unterscheiden, selbst wenn die Ansteckung nicht nachgewiesen werden kann, so werden wir späterhin gerade hierüber genaueste Angaben machen.

Die einheimische Cholera.

Die einheimische C. (Brechdurchfall, Brechkolik, Cholerine, C. nostras s. europaea, sporadica) tritt in der Regel in den heißen Sommermonaten auf, nach Diätfehlern, besonders nach unvorsichtigem Genuß rohen und unreifen Obstes, schlechten Biers, bei Kindern nach Genuß sauer gewordener Milch und andrer Speisen, welche die Verdauung stören. Es ist höchst wahrscheinlich, daß in allen Fällen abnorme Gärungen oder Zersetzungen des Magen- und Darminhalts vorliegen, welche zuweilen durch Erkältungen des Bauches mit starker Darmbewegung eingeleitet oder kompliziert werden; allein es ist sehr zweifelhaft, ob die Natur dieser Zersetzungen allemal die gleiche ist. Wahrscheinlich gibt es eine ganze Reihe säurebildender und andrer Bakterien und Sproßpilze, welche die Nahrung gerade im warmen Sommer befallen, und es ist sehr wohl möglich, daß solche abnorme Gärungen nur deshalb so heftige Krankheitserscheinungen bewirken, weil der Magen und Darm durch schwerverdauliche Speisen, unmäßiges Trinken von Wasser oder Bier und die erschlaffende Wirkung der Hitze auf den ganzen Körper besonders empfindlich geworden ist. Zuweilen gehen der Krankheit Vorboten voraus, die mehrere Tage anhalten können und in Unbehaglichkeit, Leibschneiden, Kollern im Leib, Appetitlosigkeit, leichten Diarrhöen und Übelkeit bestehen. Häufig stellt sich die Krankheit plötzlich, oft während der Nacht ein, indem reichliche Stuhlausleerungen erfolgen, welche anfänglich aus den gewöhnlichen Kotmassen bestehen, später aber eine schleimige, gelbliche oder bräunliche Flüssigkeit darstellen. Seltener sind dieselben ganz ungefärbt, reiswasserähnlich. Diesen Diarrhöen geht zuweilen heftiges Erbrechen voraus, oder dieses tritt ein, nachdem schon einigemal Stuhlentleerungen erfolgt waren. Das Erbrochene besteht anfänglich aus den genossenen Nahrungsmitteln, wird später schleimig-wässerig, grünlich gefärbt und von saurem Geschmack. Die Kranken fühlen sich dabei äußerst matt und hinfällig, klagen über brennenden Durst, eingenommenen Kopf, bittern Geschmack. Der Leib ist weich, dabei gegen Druck meist unempfindlich. Jedes Trinken erregt von neuem Erbrechen. Die Kranken sehen blaß aus, hohläugig, zusammengefallen, sind sehr unruhig; Füße und Hände sind kalt, oft durch schmerzhafte Krämpfe der Muskeln der Waden etc. zusammengezogen. Der Puls ist sehr beschleunigt, fadenförmig klein, kaum fühlbar, der Urin äußerst sparsam, oft fehlend, die Zunge trocken; kalter, klebriger Schweiß bedeckt den ganzen Körper. Fast immer geht der Anfall vorüber, die Haut wird wieder warm, ein leichter Schweiß erscheint, die Urinabsonderung stellt sich wieder ein, die Entleerungen werden seltener, die Kranken verfallen in einen ruhigen Schlaf, aus dem sie mit besserm Aussehen und kräftiger erwachen. Doch bleibt in den meisten Fällen noch eine Zeitlang ein mehr oder weniger hoher Grad von Hinfälligkeit und Empfindlichkeit der Verdauungsorgane zurück. Die einheimische C. verläuft in der Regel in 8-24 Stunden und tötet nur geschwächte Individuen, namentlich Kinder und Greise.

In der Behandlung empfiehlt es sich anfangs, d. h. solange noch Speiseinhalt des Magens entleert wird, das Erbrechen durch warme Theeaufgüsse, etwa von Kamillen, zu unterstützen und erst dann, wenn die Ausleerungen gallig und flüssig werden, diese zu hemmen. Man gebe dem Kranken Eisstückchen in den Mund, kohlensäurehaltiges Wasser in kleinen Mengen zum Getränk oder Brausepulver in Wasser während des Aufbrausens zu trinken. Auf den Leib lege man warme Tücher oder warme Breiumschläge von Leinsamenmehlabkochungen. Innerlich dient als sicherstes Mittel das Opium (5-10 Tropfen der Tinktur). Droht der Kranke zu schwach zu werden, und verfällt derselbe sichtlich, so reiche man einige Eßlöffel voll Wein, am besten moussierenden, oder einige Tropfen Äther und reibe den Körper mit gewärmten Tüchern.

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]