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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Chor

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Chor (in der Musik).

der vorigen im Versmaß verschiedene Strophe eine mit ihr übereinstimmende Gegenstrophe. Den Strophen und Gegenstrophen folgt bisweilen noch eine besondere Strophe als Ab- oder Schlußgesang (Epodos), dem aber keine Gegenstrophe entspricht. Diese Gesänge wurden entweder alle von dem ganzen C. gesungen, oder Strophe und Gegenstrophe von den Halbchören und der Schlußgesang (Epodos) vom ganzen C. oder umgekehrt, und zwar mit abwechselnden Stellungen. Die tragischen Dichter verwandten auf die symmetrische Gestaltung dieser Gesänge eine solche Sorgfalt, daß bisweilen sogar in Stellung und Gleichklang der Worte sowie im Eintritt des Personenwechsels eine Übereinstimmung zwischen Strophe und Gegenstrophe bemerkbar ist. Die Versmaße der Chorlieder sind dabei höchst verschieden, von der gänzlichen Ungebundenheit der Prosa durch den schon bühnenfähigen iambischen Trimeter (und trochäischen Tetrameter) hindurch bis zur gesteigertsten Mannigfaltigkeit der Pindarischen Rhythmen. Dem Inhalt nach sind die Gesänge des tragischen Chors auf Erweckung der höchsten Ideen und Gefühle gerichtet; sie schließen sich, wie schon erwähnt, stets an die Handlung an (wenigstens bei Äschylos und Sophokles, dem Meister in der Gestaltung des Chors; zuerst Euripides erlaubt sich, den C. Lieder anstimmen zu lassen, die ganz außer Beziehung zur Fabel des Stücks stehen) und äußern, was sich aus dem Vorgang derselben aufdrängt: Klage oder Jubel, Warnung oder Trost, Belehrung über die Leidenschaften und die stets waltende Gerechtigkeit der Götter, Hymnen, Gebete etc. So trat der C. als Sprecher der Menschheit mahnend und vermittelnd zwischen die Menschen und das Schicksal, und indem er die handelnden Personen durch alle im Verlauf der Tragödie ihnen zustoßenden Schicksale begleitete, half er dem Helden des Stücks in Handeln und Leiden sich läutern, ja verklären, während er zugleich den Zuschauer in die Region der Betrachtung emporführte und ihn das Ganze seiner sittlichen Tiefe nach zu erfassen lehrte. Die tragischen Chöre sind neben den Siegeshymnen des Pindar, mit denen namentlich die Chorlieder des Äschylos große Ähnlichkeit haben, die schönsten und erhabensten Reste der griechischen Lyrik. Weit weniger wissen wir über den C. in den Satyrspielen. Nach Tzetzes war die Anzahl der Personen der des tragischen gleich. In dem einzig erhaltenen Stück, dem "Kyklops" des Euripides, bestand der C. aus Satyrn unter Anführung des Silenus; die Szene war stets in Hainen und Wäldern, ihrem gewöhnlichen Aufenthalt. Auch die Komödie, die ebenfalls aus dionysischen Festgesängen, besonders bei der volkstümlichen Feier der Weinlese, hervorgegangen war, hatte in der ältern Zeit ihren C., und zwar bestand derselbe aus 24 Personen. Da aber die Auffassung des Lächerlichen irgend ein Steigen in die Tiefe nicht erforderte, so hatte der komische C. nach der einen Seite (den richtigen Zuschauer zu machen) nicht viel zu thun; auch paßte dies als viel zu ernst für die komische Handlung nicht. Gerade das aber war Anlaß, daß der C. hier der Handlung wie anderseits dem Zuschauer noch näher trat. Wir sehen ihn daher selbsthandelnd in die Thorheiten der Helden verwickelt; ja, wo das nicht der Fall, da ist seine Erscheinung selbst die Personifizierung des schlechten Zeitgeistes oder Zeitgeschmacks, den der Dichter geißeln will, z. B. in den "Wolken" (Nebelei der Sophisten), den "Vögeln" (politische Luftschlösser) etc. Anderseits schuf sich die Komödie einen sich an die Zuschauer wendenden Teil, die Parabase, welche in halb launiger, halb würdevoller Sprache, aber mit ernster Tendenz und in einer Weise abgefaßt war, welche die Komödie noch in einen neuen Gegensatz zu der Tragödie stellte, insofern hier die Person des Dichters gelegentlich stark hervortrat. Die Parabase zählte, wenn vollständig, sieben Schwenkungen und ebenso viele Teile des Gesangs, obgleich nicht in jeder Komödie alle sieben vollständig vorkommen mußten. Der erste Teil ist das Kommation, ein Liedchen, welches der C. noch in der alten Stellung sang und das Wünsche für Schauspieler enthielt. Hierauf begann die eigentliche Parabase in der Umschwenkung zu den Zuschauern, um zu diesen in Anapästen über den Dichter oder eine sonstige Angelegenheit zu sprechen. Sie schloß mit einem kurzen, dem Inhalt nach mit ihr zusammenhängenden und in demselben Versmaß, aber kürzern Versen abgefaßten Lied, Makron oder Pnigos genannt. Hierauf erfolgte eine neue Schwenkung, wobei ein Lied an einen Gott (Strophe, auch Ode genannt) vorgetragen wurde, dem metrisch und dem Inhalt nach eine Antistrophe oder Antode entsprach. Zwischen beide aber ward das Epirrhema, eine im trochäischen Versmaß an die Zuschauer gerichtete Anrede patriotischen oder litterarischen Inhalts, eingeschoben, welchem nach der Antistrophe ein Antepirrhema folgte. In den letzten Stücken des Aristophanes, von denen wir nur noch den "Plutos" besitzen, fehlt die Parabase schon, während der C., wiewohl ganz bedeutungslos, noch besteht. Mit dem Untergang der Freiheit Griechenlands verschwand endlich aus politischen wie ökonomischen Gründen auch der C. selbst; die jüngere attische Komödie hat ihn bereits nicht mehr. Übrigens war die Ausstattung des komischen Chors weniger kostspielig als die des tragischen. Der Chorführer, welcher bei den dramatischen Wettkämpfen den Sieg davontrug, erhielt als Preis einen Kranz und einen kunstvoll gearbeiteten Dreifuß, den er als Denkmal seines Siegs, mit einer Inschrift versehen, einer Gottheit weihte oder auf einem eigens dazu errichteten tempelartigen Bau öffentlich aufstellte. Viele dergleichen Denkmäler enthielt die danach benannte Dreifuß- oder Tripodenstraße zu Athen (s. Choregische Monumente).

Bei dem Charakter dieses antiken Chors, der ganz im öffentlichen Leben des griechischen Volkes wurzelte, ist nicht zu verwundern, daß Nachbildungen, wie sie z. B. Schiller in der "Braut von Messina" versuchte, keinen allgemeinen Anklang fanden. Mehr Glück machten in Platens (freilich nur gelesenen) aristophanischen Stücken die Parabasen, obwohl auch sie als vorwiegend litterarischen Inhalts nur in den entsprechenden Kreisen.

Chor, in der Musik zunächst eine Vereinigung mehrerer Personen zum gemeinschaftlichen Vortrag eines Gesangstücks (Sängerchor). Je nach den Stimmbestandteilen, aus denen ein solcher zusammengesetzt ist, kann er sein: Männerchor, der aus lauter männlichen Stimmen (Tenoren und Bässen), Frauenchor, der aus lauter weiblichen Stimmen (Sopranen und Alten) besteht, und gemischter, auch vollständiger C., bei dem alle vier menschlichen Stimmgattungen (Sopran, Alt, Tenor und Baß) beteiligt sind. Jede einzelne diese Stimmgattungen kann wieder in Unterabteilungen (erster und zweiter Sopran etc.) zerfallen, je nachdem dieses zur Ausführung eines mehrstimmigen Chorgesangs erforderlich ist. Metonymisch bedeutet C. auch das Musikstück selbst, welches bestimmt ist, von einem Verein von Sängern vorgetragen zu werden, und welches daher in der Regel für mehrere harmonisch sich vereinigende Stim-^[folgende Seite]

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