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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Choralbearbeitung; Choralbuch; Choralnote; Choraltar; Choramt; Chorasan

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Choralbearbeitung - Chorasan.

Umarbeitung und fanden in derselben, von Dathen (1566) übersetzt, auch in der niederländisch-reformierten Kirche Eingang. Die englische Hochkirche führte zum Zweck des Gemeindegesangs Psalmen ein, die versifiziert und mit einfachen, aber etwas arienmäßigen Melodien ausgestattet wurden.

Für die katholische Kirche veranstalteten Sammlungen von Liedern der alten Kirche Vehse (Leipz. 1537), Leisentritt (Budissin 1557 u. öfter), später Corner (Wien 1631), G. Kopp (Passau 1659) u. a. Im 18. Jahrh. fand der deutsche Gemeindegesang auch im katholischen Gottesdienst bis zu dem Grad Förderung, daß selbst zur Messe deutsche Lieder gesungen wurden. Auch wurden für die katholischen Gesangbücher teils neue Lieder gedichtet und komponiert, teils viele evangelische, namentlich aus dem Gellertschen Dichterkreis, mehr oder weniger verändert aufgenommen. Deutsche Gesangbücher für die katholische Kirche lieferten namentlich Riedel (Wien 1773), Kohlbrenner (Münch. 1777), Werkmeister (Stuttg. 1784, Münch. 1810), v. Wessenberg (Konstanz 1828), Brosig, Haberl u. a. Vgl. "Anthologie deutscher katholischer Gesänge aus älterer Zeit" (Landshut 1831). In der griechisch-katholischen Kirche Rußlands suchte Jaroslaw 1051 den Kirchengesang durch griechische Sänger verbessern zu lassen. Von dem 1040 gegründeten Höhlenkloster zu Kiew erhielt eine neue Sangweise, die sich vor der eintönigen abendländischen durch Mehrstimmigkeit auszeichnete, den Namen der Kiewschen. Zu dieser kamen 1180 noch die bulgarische und griechische Sangweise hinzu, beide von demselben Charakter wie die Kiewsche. Dem späterhin (1605) durch den tatarischen Usurpator Grischka Otrepiew gemachten Versuch der Einführung des abendländischen Kirchengesangs in die russische Kirche stellte (1656) der Metropolit Nikon von Nowgorod den alten Partiturgesang für sieben Stimmen entgegen, welcher, durch die Einwirkung italienischer Meister geläutert, noch jetzt in Rußland vorherrschend ist.

Vgl. v. Winterfeld, Der evangelische Kirchengesang (Leipz. 1843-47, 3 Bde.); Häuser, Geschichte des christlichen Kirchengesangs und der Kirchenmusik (Quedlinb. 1834); Tucher, Schatz des evangelischen Kirchengesangs im 1. Jahrh. der Reformation (Stuttg. 1848, 2 Bde.); Bollens, Der deutsche Choralgesang der katholischen Kirche (Tübing. 1851); Koch, Geschichte des Kirchenlieds und Kirchengesangs (3. Aufl., Stuttg. 1866-76, 8 Bde.); Haberl, Magister choralis (Handbuch des Gregorianischen Kirchengesangs, 4. Aufl., Regensb. 1873); R. Schlecht, Geschichte der Kirchenmusik (das. 1871); Kümmerle, Encyklopädie der evang. Kirchenmusik (Gütersl. 1883 ff.).

Choralbearbeitung, die kontrapunktische Behandlung des protestantischen Chorals entweder als einfachen vierstimmigen (oder mehrstimmigen) Satzes (Note gegen Note) oder mit freien Figurationen in mehreren oder allen Stimmen, mit dem Choral als Cantus firmus (figurierter Choral) oder mit kanonischen Führungen, sei es der Choralmelodie selbst oder der begleitenden Stimmen (Choralkanon), oder endlich in Gestalt einer Fuge (Choralfuge), welche ebenfalls wieder in zweierlei Gestalt vorkommt, nämlich als Fuge mit einem Choral als Cantus firmus oder als Fugierung des Choralthemas selbst. Sämtliche Formen der C. kommen sowohl vokal als instrumental vor. Der figurierte Choral mit Cantus firmus eignet sich als Orgelbegleitung des Gemeindegesangs, fand aber noch häufiger seine Verwendung als Choralvorspiel. Der größte Meister in der C. war Joh. Seb. Bach.

Choralbuch, eine Sammlung von Chorälen, meist in schlichter vierstimmiger Bearbeitung oder nur Melodien mit bezifferten Bässen, zum Gebrauch der Organisten für die Begleitung des Gemeindegesangs der protestantischen Kirche. Ein ausgezeichnetes C. ist das aus 371 Choralsätzen J. S. Bachs zusammengestellte; von den vielen andern Choralbüchern sind die von Knecht, Kittel, Vierling, Rinck, Schmidt, Schicht, Koch, Anding, K. F. Becker etc. hervorzuheben.

Choralnote, im Gegensatz zur Mensuralnotierung, die Notierungsweise des Gregorianischen Gesangs, welche nicht den Rhythmus ausdrückte, sondern nur die Tonhöhenveränderungen. Alle Noten der Musica plana oder des Cantus planus, wie man den Gregorianischen Gesang später wegen des mangelnden Rhythmus nannte, sind schwarz und haben die quadratische Gestalt ■ ^[img], weshalb sie auch Notae quadratae oder quadriquartae genannt wurden. Mit den Mensuralwerten der Longa, Brevis und Semibrevis haben diese Zeichen trotz der Gleichheit der Gestalt nichts zu thun. Die im 12. Jahrh. aufkommende Mensuralmusik benutzte einfach die Notenzeichen der C. und verlieh ihnen bestimmte rhythmische Bedeutung.

Choraltar, s. v. w. Hochaltar.

Choramt, s. Chordienst.

Chorasan ("Sonnenland"), pers. Provinz, umfaßt den nordöstlichen Teil des Reichs, im N. von dem (jetzt russischen) Gebiet der Tekke-Turkmenen, im O. von Afghanistan, im S. von Kirman, im W. von Irak Adschmi, Masenderan und Astrabad umschlossen, und hat ein Areal von 272,560 qkm (4950 QM.). Die Provinz ist teils Tafel-, teils Berg-, teils Stufenland. Der nördlichste Teil wird von parallelen Randketten (bis 3000 m) durchzogen, zwischen welche sich langgestreckte, weite Thalmulden von 1000-1200 m Höhe lagern. Durch die südlichere Kette zieht die seit alten Zeiten begangene Karawanenstraße, welche das westliche Persien mit Turan und Afghanistan verbindet. Nur äußerst enge Schluchten führen durch den Nordrand zum vorgelagerten Tiefland von Turan. Die Mulde von Meschhed, welche der Keschef bis zu seiner Mündung in den Heri Rud an der Ostgrenze durchzieht, setzt sich nordwestlich im Thal des Atrek fort, der dem Kaspischen Meer zuströmt. Der südlichste Teil der Provinz (Kohistan) ist gleichfalls teilweise gebirgig; hier vereinigen sich bei Birdschan die von W. kommenden Straßen, um nordöstlich nach Herat, südöstlich nach Kandahar weiterzulaufen. Ein großer Teil der Provinz ist Wüste: im W. reicht von Irak Adschmi die Große Salzsteppe (Kewir) weit hinein, im südlichen Teil von Kirman her die Wüste Lut; auch im SO. sind große Wüstenstrecken. Doch hat C. auch fruchtbare Striche und gewährt Getreide, Reis, Gemüse, viel Obst und andre Früchte, Tabak, Baumwolle, Seide, Hanf, viel medizinische Pflanzen, Manna. Holz mangelt. Die großen Weiden begünstigen die nomadische Vieh-, Pferde-, Kamel- und Ziegenzucht. Die Wüste ist reich an Wild, auch an Schakalen, Panthern und Tigern sowie an wilden Eseln, deren Fleisch die Perser genießen. C. zählte 1875 nach Mac Gregor 693,000 Einw., welche in den Städten eine nicht unbedeutende Industrie betreiben und Seidenzeuge, Teppiche, Leinwand und vorzügliche Waffen, besonders Säbel, anfertigen. C., das "Schwert Persiens" genannt, ist durch seine Lage ein sehr wichtiges Land, weil der, welcher im Besitz von C. ist, zugleich ganz Iran beherrscht. Den Einfällen der Turkmenen, welche die Gebirgsthäler des Nordens unausgesetzt heimsuchten und nicht nur die Feldfrüchte, sondern auch die Menschen raubten und als

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]