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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Chotzen; Chouans; Choulant; Chouquet; Chow; Chowan; Chr.; Chrematistik

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Chotzen - Chrematistik.

Chotzen, Stadt in der böhm. Bezirkshauptmannschaft Hohenmauth, am Adlerfluß und der Staatseisenbahn (Linie Wien-Prag, von welcher hier die Linien nach Halbstadt und Leitomischl abzweigen), mit Schloß und Park, (1880) 3712 Einw., Flachsgarnspinnerei und Bierbrauerei.

Chouans (spr. schuang), Name der aufständischen Bauern in der Bretagne und der untern Maine während der französischen Revolution, welcher von ihrem ersten Führer, Jean Cottereau, herrührte, der als Schleichhändler den Beinamen Chouan (Chat-huant, Eule, von dem ihm eigentümlichen Schrei) erhalten hatte. Cottereau begann an der Spitze eines Haufens (Chouanerie) 1792 bei Gelegenheit einer Rekrutierung einen Aufstand und kämpfte seit 1793 im Verein mit den Vendeern, auf welche der Name C. auch oft ausgedehnt wird, für das Königtum. Ihm schlossen sich Cadoudal und der Graf Puisaye an. Sie führten den kleinen Krieg mit Kühnheit und nicht ohne Erfolg, begingen dabei aber auch viele Plünderungen und Roheiten. Nach dem Tod Cottereaus, der 2. Febr. 1794 bei Beaufort fiel, befehligte die C. der kühne Abenteurer Désoteux, genannt Cormatin. Der Konvent unterhandelte mit ihm sowie mit Charette de la Contrie und schloß 9. April 1795 zu Mabilais einen Vertrag, wonach die C. ihre Waffen niederlegen und die Republik anerkennen sollten. Aber beiden Teilen war es nicht Ernst mit diesem Vertrag. Cormatin wurde zwar bald darauf verhaftet und nach Cherbourg gebracht, aber George Cadoudal und Scépeaux wußten den Mut der Insurgenten aufs neue zu beleben und ihre Zahl auf 10,000 zu vermehren. Endlich erschien im Juni 1795 Puisaye mit einer Expedition von Engländern und Emigranten an der französischen Küste. Der Aufstand verbreitete sich rasch, aber die Uneinigkeit der Führer verhinderte größere Erfolge. Der republikanische General Hoche schlug einen Angriff der C. auf das Lager von Ste.-Barbe zurück und ließ dann die einzelnen zerstreuten Haufen auseinander sprengen und aufreiben. Viele flüchteten auf die Halbinsel Quiberon, wo sie in die Katastrophe vom 20. Juli verwickelt wurden. Die Anführer Vieuville, Sérent u. a. fielen, Scépeaux und George Cadoudal mußten die Waffen niederlegen, Frotté floh nach England und Puisaye nach Amerika. Die Chouanerie schien somit vernichtet. Nochmals aber erhob sie sich, von England aus organisiert, 1799 unter Frotté, Cadoudal, Bourmont u. a. Schon hatte sich der Aufstand bis gegen Versailles hin verbreitet, als die Revolution vom 18. Brumaire ihm ein Ende machte. Bonaparte sandte den General Brune an die Loire, welcher die C. schnell zerstreute; die Anführer nahmen die allgemeine Amnestie an bis auf Frotté, der den Kampf fortsetzte, aber ergriffen und erschossen wurde. Noch einmal brach 1814 und 1815 die Chouanerie auf beiden Ufern der Loire zugleich los, doch machte die Schlacht bei Waterloo diesem Aufstand bald ein Ende. Die Anführer der C. wurden von den Bourbonen zu Feldmarschällen und Generalleutnants erhoben, mehrere unter die Pairs aufgenommen. Vgl. Kérigant, Les C. (Par. 1882).

Choulant (spr. schulang), 1) Ludwig, Mediziner, geb. 12. Nov. 1791 zu Dresden, studierte seit 1811 in Dresden und Leipzig Medizin, praktizierte seit 1817 in Altenburg und unterstützte daselbst Pierer in seinen litterarischen Unternehmungen. Im J. 1821 an das Krankenstift nach Dresden berufen, hielt er seit 1822 Vorlesungen an der medizinisch-chirurgischen Akademie daselbst, ward 1823 Professor der theoretischen, 1828 der praktischen Heilkunde und Direktor der therapeutischen Klinik, erhielt 1842 das Direktorium der Akademie und ward 1844 Medizinalreferent beim Ministerium. Er starb 18. Juli 1861. Er schrieb: "Tafeln zur Geschichte der Medizin" (Leipz. 1822); "Lehrbuch der speziellen Pathologie und Therapie des Menschen" (das. 1831; neu bearbeitet von H. E. Richter, 4. Aufl. 1860); "Anleitung zur ärztlichen Praxis" (das. 1836); "Vorlesungen über Kranioskopie" (das. 1844); "Handbuch der Bücherkunde für ältere Medizin" (2. Aufl., das. 1841); "Bibliotheca medico-historica" (das. 1841); "Geschichte und Bibliographie der anatomischen Abbildungen" (das. 1852); "Die Anfänge wissenschaftlicher Naturgeschichte und naturhistorischer Abbildung im Abendland" (Dresd. 1857); "Graphische Inkunabeln für Naturgeschichte und Medizin" (Leipz. 1858). Auch gab er die "Opere" des Benvenuto Cellini (Leipz. 1833-35, 3 Bde.) heraus.

2) Ludwig, Maler, Sohn des vorigen, geb. 18. Juli 1827 zu Dresden, bildete sich auf der dortigen Akademie zum Architekturmaler aus und genoß vorzugsweise den Unterricht Sempers. 1850 und 1851 bereiste er Italien und Sizilien, nahm später einen längern Aufenthalt in Rom und besuchte 1864 sowie 1873 und 1874 wiederum Venedig und Florenz, indem er überall die gründlichsten Architekturstudien machte. Seine Bilder, sowohl in Öl als in Wasserfarben, sind vortrefflich gezeichnet und von glücklicher Farbenwirkung. Eine Ansicht der Engelsburg besitzt die Galerie zu Dresden, wo er auch mehrere landschaftliche Wandgemälde in den Vestibülen des neuen Hoftheaters ausgeführt hat. 1868 wurde er sächsischer Hofmaler.

Chouquet (spr. schukeh), Adolphe Gustave, Musikschriftsteller, geb. 16. April 1819 zu Havre, lebte 1840-60 als Musiklehrer in Amerika, seitdem in Paris, ausschließlich mit musikhistorischen Studien beschäftigt. 1864 wurde er von der Pariser Akademie für eine Darstellung der Musikgeschichte vom 14. bis 18. Jahrh. mit dem Preis Bordin ausgezeichnet und 1868 mit demselben Preis für die Schrift "Histoire de la musique dramatique en France depuis ses origines jusqu'à nos jours" (gedruckt 1873). C. ist seit 1871 Konservator der Musikinstrumentensammlung des Konservatoriums, von der er einen Katalog (2. Aufl. 1884) veröffentlichte, der wegen der zwar kurzen, aber inhaltreichen Beschreibungen der Instrumente von hohem Wert ist.

Chow (Tschoh), ideelle Größe zur Ermittelung des Werts der Perlen in Ostindien. In Bombay wird das Gewicht der Perlen, ausgedrückt in Tanks à 4,665 g, mit sich selbst multipliziert und das Produkt durch 330 dividiert. In Madras multipliziert man das Gewicht der Perlen in Mangelins à 0,389 g mit sich selbst und dividiert 0,75 des Produkts durch die Anzahl der Perlen.

Chowan (spr. tschauan), Fluß im nordamerikan. Staat Nordcarolina, entspringt in Virginia und mündet in den Albemarlesund. Er ist für größere Fahrzeuge bis Murfreesboro am Meherrin-Quellarm, 70 km oberhalb der Mündung, schiffbar.

Chr. (griech. XP., gewöhnlich mit P bezeichnet), Abkürzung für Christus (s. Christusmonogramm); auch für chresimon ("brauchbar"), in der Handschriftenkunde ein kritisches Zeichen, um eine Lesart zu billigen.

Chrematistik (griech.), nach Aristoteles der Erwerb durch Tausch im Gegensatz zur eignen Produktion der Güter zum Selbstverbrauch.

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]