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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Chrematologie - Chrismon.

Chrematologie (griech.), Lehre vom Geld; Chrematonomie, Lehre von der Anwendung des Geldes; Chrematopöie, Gelderwerb.

Chrême (franz., spr. krähm), das geweihte Öl der Katholiken, Chrisam; s. Chrisma.

Chresmologīa (griech.), Wahrsagung, Orakel; daher Chresmologos, Orakelgeber, Weissager, Prophet; Chresterion, Ort, wo Orakel erteilt werden.

Chrestien de Troyes (spr. kretjäng dö trŏá), nordfranz. Dichter, von dessen Leben nur so viel bekannt ist, daß er in der zweiten Hälfte des 12. Jahrh. lebte, den Ovid übersetzt hat und der Lieblingsdichter von Marie de France war, der Tochter Ludwigs VII., welche als Schwester der Könige von Frankreich und England, als Gemahlin des Grafen von der Champagne, dann des Grafen von Flandern ihren Hof zu einem Mittelpunkt poetischen Lebens für die nordischen Reiche gemacht hatte. Sie forderte C. auf, die Romane des bretonischen Sagenkreises der Tafelrunde, welche damals nur an wenigen Höfen gekannt waren, in Verse zu bringen, und C. entledigte sich dieser Aufgabe mit großer Gewandtheit und feinem dichterischen Gefühl, so daß er der Schöpfer dieses Sagencyklus in der französischen Form genannt werden kann. Der Abstand von der noch rohen Poesie der "Chansons de geste" und ihren ungeschlachten Sitten ist bedeutend; besonders das Ideal der ritterlichen Liebe ist mit großer Feinheit, ja Raffiniertheit ausgebildet. Doch finden sich neben dem Reichtum der Erfindung und der glänzenden Leichtigkeit der Darstellung öfters eine ermüdende Weitschweifigkeit und eine verwirrende Häufung der Episoden und des Details. Die Gedichte Chrestien de Troyes', welche im 13. Jahrh. in Deutschland von Wolfram von Eschenbach (im "Parzival"), Hartmann von Aue ("Iwein") u. a. nachgebildet wurden, fallen zwischen 1170 und 1190 und haben die Titel: "Perceval le Gallois" oder "Li contes del Graal", das bedeutendste seiner Werke (ca. 50,000 Verse umfassend, mit der Fortsetzung des Gedichts von andern Trouveres in vielen Handschriften erhalten; hrsg. von Potvin, Mons 1866-72, 6 Bde.); "Li romans dou Chevalier au Lyon" (hrsg. von Holland, 2. Aufl., Hannov. 1880); "Li contes d'Erec" (von Bekker in Haupts "Zeitschrift für deutsches Altertum", Bd. 10, Leipz. 1839); "Li contes de Cligès" (hrsg. von Förster, s. unten); "Lancelot du Lac" oder "Le chevalier de la Charrete", von welchem das letzte Drittel Godefroy de Laigny zum Verfasser hat (hrsg. von Tarbé, Reims 1849, von Jonckbloet, Haag 1850), und "Roi Guillaume d'Engleterre" (hrsg. von Michel, Rouen 1840; deutsch von Keller in den "Altfranzösischen Sagen", Tübing. 1839). Eine Gesamtausgabe seiner Werke begann Wend. Förster (Halle 1884, Bd. 1). Vgl. Holland, C., eine litterargeschichtliche Untersuchung (Tüb. 1854); Potvin, Bibliographie de C. (Brüss. 1863); Paulin Paris, Les romans de la Table-Ronde (1868-77, 5 Bde.).

Chrestomathīe (griech.), Sammlung oder Auswahl des Besten und Mustergültigen, insbesondere zum Zweck des Unterrichts Brauchbarsten, aus den Werken früherer Schriftsteller in Prosa, während eine Sammlung poetischer Stücke Anthologie (s. d.) genannt wird. Die ältesten bekannten Chrestomathien sind die von Proklos aus dem 2. Jahrh. und die von Helladios aus dem Anfang des 4. Jahrh. n. Chr., beide in griechischer Sprache. Mit dem Wiederaufleben der Wissenschaften begann die Blütezeit der Chrestomathien aus den gelesensten griechischen und lateinischen Autoren, namentlich aus den Werken des Herodot, Thukydides, Cicero, Livius, Horaz, Ovid u. a. In neuerer Zeit nannte man Chrestomathien vorzugsweise die für die Schulen eingerichteten Auszüge aus verschiedenen Schriftstellern verschiedener Zeiten. Der Gebrauch derselben auf Gelehrtenschulen ist jedoch von vielen Pädagogen der Gegenwart nicht gebilligt und daher beschränkt worden.

Chrestus, nach Sueton (Vit. Claud., 25) Haupt einer jüdischen Partei, die unter Kaiser Claudius Unruhen in Rom erregte, wurde irrtümlich mit Christus identifiziert.

Chrië (griech., "Gebrauch"), die Ausarbeitung eines Themas nach einer eigentümlichen vorgeschriebenen Anordnung. Dieselbe muß enthalten: a) den Satz, die Sentenz selbst, nebst dem Lob des Autors (dictum cum laude autoris); b) die Umschreibung des Gedankens auf erläuternde Weise (periphrasis); c) den Beweis (aetiologia); d) das Gegenteil (contrarium) des Satzes, wodurch dieser selbst in seiner Anwendung auf gewisse Grenzen beschränkt und in helleres Licht gesetzt wird; e) das Gleichnis (simile); f) das Beispiel (exemplum); g) das Zeugnis (testimonium); h) den Schluß (conclusio), Wiederholung des Hauptsatzes nebst einer Anwendung. Man hat auch folgende Disposition: a) Satz (protasis), b) Beweis, c) Erläuterung (amplificatio), und zwar α) das Gegenteil, β) das Gleichnis, γ) das Beispiel, δ) das Zeugnis; endlich den Schluß.

Chriemhild, s. Kriemhild.

Chrisam, s. v. w. Chrisma.

Chrisma (griech.), Salbe, besonders in der griechisch- und römisch-katholischen Kirche das feierlich geweihte Salböl zum Gebrauch bei gewissen Zeremonien. Schon im Alten Bund wurden Propheten, Priester und Könige bei der Übernahme ihres Amtes gesalbt. Wie nämlich der Zweck des im Morgenland gewöhnlichen Salbens des Körpers in der Verbreitung der Lebensfrische und des Wohlseins, der Erhöhung aller Geistes- und Lebenskräfte bestand, so sollte jene feierliche Handlung die Ausrüstung zum Dienst Gottes, insonderheit die Mitteilung des göttlichen Geistes, versinnbildlichen. In der christlichen Kirche tauchte der Gebrauch der Salbung mit einem dazu vom Bischof besonders eingesegneten Öl zuerst im Anfang des 3. Jahrh. bei der Taufe auf (s. Firmung). Ursprünglich bestand das C. aus Olivenöl, dem aber schon früh Balsam und wohlriechende Stoffe beigemischt wurden; es kommt zur Anwendung bei der Taufe, Firmung, Priesterweihe, Letzten Ölung, Krönung und Weihe von Kirchen und heiligen Geräten, und zwar geschieht die Bezeichnung mit demselben stets in Kreuzesform.

Chrismageld (Chrismales denarii), das Geld, welches die Priester dem Bischof für von ihm empfangenes Chrisma zu entrichten haben.

Chrismale (griech.), ein weißes Tuch, welches dem Getauften, Gefirmten etc. um die Stirn gebunden wird, damit das Salböl nicht herabfließe.

Chrismarĭum (Chrismatarium, lat.), Gefäß für das Chrisma; Reliquienkästchen; auch der Ort, wo die Firmung vollzogen wird.

Chrismon, eine geschlängelte Buchstabenfigur, die von den Zeiten der Merowinger bis zum 14. Jahrh. in Urkunden und Handschriften vorkommt. Die meiste Wahrscheinlichkeit hat Eckhards u. a. Meinung für sich, welche darin die bekannten Ausrufungsformeln in nomine Christi etc. bezeichnende Sigeln und tironische Noten finden wollen. Jedenfalls bezeichnet es die christlich-fromme Gesinnung des Ausstellers der Urkunde, vielleicht auf dem aber-^[folgende Seite]

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