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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Christenheit; Christensaft; Christensen; Christentum

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Christenheit - Christentum.

ebenso vielen Widerspruch fanden. Später folgten neue Gedichte: "Aus der Asche" (Hamb. 1870) und "Schatten" (das. 1873), die wenig von sich reden machten, zuletzt die lyrische Sammlung "Aus der Tiefe" (das. 1878). Noch minder vermochten ein Drama: "Faustina" (Wien 1871), ein Roman: "Ella" (das. 1873), die Novellen "Vom Wege" (das. 1873) und die Skizzen: "Aus dem Leben" (Leipz. 1876) und "Unsre Nachbarn" (Dresd. 1884) durchzudringen. Sie lebt jetzt als die Gattin eines Herrn v. Breden in Wien.

Christenheit, Inbegriff aller Christen, s. Christentum.

Christensaft, s. v. w. Lakritzen.

Christensen, Christen, dän. Medailleur, geb. 18. Jan. 1806 zu Kopenhagen, machte sich besonders durch den Schnitt der Preismedaille für dänische Künstler bekannt. Dieselbe, 1842 vollendet, trägt auf ihrer obern Seite das Brustbild Thorwaldsens mit der Umschrift: "Thorwaldsen sculptor Danus". Der äußere Rand dieser Fläche ist mit Bruchstücken des Alexanderzugs geschmückt; die Rückseite der Medaille stellt die Nymphe Galatea vor, wie sie Dänemark den Amor mit der Leier bringt, umgeben von den bekanntesten Arbeiten Thorwaldsens. Im J. 1844 entwarf C. die Skizze zu einer Erinnerungsmedaille auf den inzwischen verstorbenen Thorwaldsen. Sie stellt auf der einen Seite den Meister, sich stützend auf die von ihm geschaffene Statue der Hoffnung, und auf der Rückseite die Siegesgöttin dar. C. starb 21. Aug. 1845 in Kopenhagen.

Christentum, die von Jesus von Nazareth als dem "Christ", d. h. Messias, gestiftete Religion, im weitern Sinn auch die ganze geschichtbildende Macht, die sich in jenem Namen verkörpert hat, mit der ganzen Summe ihrer innern Antriebe und äußern gesellschaftlichen Wirkungen, mit der gesamten Gedankenwelt, die sie heraufgeführt, und mit allen neuen Ordnungen und Sitten des Völker- und Menschheitslebens, die in ihrem Gefolge einhergehen. Die Geburtsverhältnisse dieser weltbewegenden Macht sind schwer bis ins einzelne zu durchschauen und zu beschreiben, zumal da zu den Schwierigkeiten, die in der Sache selbst liegen, sofort noch die mancherlei Unklarheiten und Mißverständnisse hinzutreten, welche aus der Einmischung religiöser Interessen mit Notwendigkeit sich ergeben mußten. Noch jetzt wird ein erbitterter Kampf darüber geführt, ob das C. als ein "neuer Anfang" zu betrachten, d. h. übernatürliche Eigenschaften von seinem Stifter auszusagen, übernatürliche Wirkungen an sein Auftreten zu knüpfen seien, oder ob es vielmehr in der Gesamtentwickelung des religiösen Geistes einen Glanz- und Höhepunkt darstelle, der aber seine geschichtliche Bedingtheit in den vorausgegangenen Stadien des Gottesbewußtseins erkennen lasse. Anerkannt wird immerhin von beiden Seiten, daß das C. zunächst aus dem alttestamentlichen Gottesglauben herausgewachsen ist, dessen Vollendung es darstellt. Derjenige Teil der Menschheit, welchem die Lösung der religiösen Fragen vorzugsweise angelegen war, das hebräische als das eigentliche Religionsvolk der Alten Welt, hatte den Glauben an den Einen Gott als Ergebnis seiner eignen Entwickelung durch den Sturm und Drang der Jahrhunderte gerettet; es hatte im Verlauf des prophetischen Zeitalters diesen Glauben sittlich vertieft und vergeistigt und den Dienst des "Heiligen in Israel" immer bewußter in Reinigung des Herzens und Lebens gesetzt. Freilich stellt das gesetzlich verfestigte Judentum der nachexilischen und neutestamentlichen Zeit mit seinem pharisäischen Äußerlichkeitsgeist einen auffallenden Rückschritt gegenüber den prophetischen Errungenschaften dar. Eine um so unmittelbarere Fortsetzung und Vollendung fanden die letztern dort, wo der erste und letzte Erklärungsgrund für die eigentümliche Lebensfülle und schöpferische Kraft liegt, die das C. offenbarte, im Selbstbewußtsein Jesu. Denn nicht die Verhältnisse haben das C. zu dem gemacht, was es geworden ist, sondern Christus selbst; an der Person seines Stifters hängt schließlich vorzugsweise die geschichtliche Bedeutung des Christentums. Eine originale Persönlichkeit aber, ein religiös-schöpferischer Geist zumal, behält immer für eine die Erscheinungen in ihre Elemente auflösende und auf ihre Herkunft befragende Wissenschaft etwas Undurchdringliches und Geheimnisvolles. Thatsache ist, daß in dem religiösen Bewußtsein Jesu das Verhältnis von Gottheit und Menschheit eine von allem Unreinen so durchgängig geläuterte, für die Lösung der sittlichen Aufgabe des ganzen Geschlechts so eminent fruchtbare Auffassung und zugleich auch, trotz aller unumgänglichen Bildlichkeit und sonstigen Unzulänglichkeit der zu Gebote stehenden sprachlichen Mittel, einen so reinen, unmittelbaren, ewig wahren Ausdruck gewonnen hat, wie ein zweites Beispiel in der Geschichte des fortschreitenden Gottesbewußtseins nicht wieder vorliegt. Über das Eigentümliche und Durchschlagende im religiösen Bewußtsein des Stifters s. Jesus Christus. Was aber er ist, das sollen alle, zu denen sein Evangelium dringt, werden: "Kinder" oder, wie es im neutestamentlichen Text eigentlich heißt, "Söhne Gottes". Ein solcher Übergang des eignen Reichtums in das Bewußtsein andrer setzt aber voraus, daß der ideale Inhalt eine ihm entsprechende, geschichtlich gegebene Form vorfindet, in welcher er sowohl schon dem Bahnbrecher selbst sich darbietet, als auch für die Zeitgenossen greifbar und faßlich wird. Diese Form, dieses Losungs- und Schlagwort, vermöge dessen das neue Gottesbewußtsein eine geschichtliche Macht zu werden vermochte, bot die alttestamentliche Messiasidee, welche Jesus sittlich und geistig neu belebte und zum Bekenntnis seiner Jüngergemeinde machte (Matth. 16, 15-17). Jesus wußte sich, weil als "Sohn" im Verhältnis zu Gott überhaupt, so auch als den von den Propheten vor Jahrhunderten dem jüdischen Volk verheißenen Messias (s. d.), der herkömmlicherweise "Sohn Gottes" hieß. Darin lag das geschichtlich Bedingte, das Nationale und Zeitliche in seinem Selbstbewußtsein, denn die Messiasidee war ein durchaus hebräisches Gewächs. Daran hielten sich, während jenes erste, rein menschliche Moment mehr zurücktrat, die ältesten, aus dem Judentum hervorgegangenen Gemeinden, die Stiftungen der zwölf Apostel, überhaupt die Judenchristen. Was diese von den gewöhnlichen Juden unterschied, war lediglich der Glaube an den nicht mehr bloß zu erwartenden, sondern schon gekommenen Messias. Das erste C. ist einfach messiasgläubiges Judentum, genauer die Gemeinschaft des erfüllten Messianismus. Aber in der Thatsache, daß dieser Messias nicht in der erwarteten Gestalt eines theokratischen Herrschers und Heidenbezwingers aufgetreten war, sondern in der Demut und Niedrigkeit eines anspruchslosen Lehrers und Hirten, eines Befreiers nicht unterworfener Nationen, sondern geknechteter Willenskräfte, und ebendeshalb verachtet und verworfen von den Obersten seines Volkes, war ein Impuls gegeben, welcher nach einer andern Richtung treiben mußte. In der nachwirkenden Kraft dieses

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