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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Christine de Pisan

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Christine de Pisan.

Anstoß, weshalb sie nach Rom zurückkehrte. Nach Clemens' IX. Tod (1670) gefiel sie sich nicht mehr in Rom, obwohl sie dort der Mittelpunkt der geistlichen und gelehrten Kreise war und eine Akademie um sich versammelt hatte, aus der später die Accademia dei Arcadi zur Veredelung der italienischen Sprache und Dichtkunst hervorging. 1672 begab sie sich nach Frankreich, von wo aus sie nach Johann Kasimirs Tod als dessen nächste Wasasche Verwandte auf dessen Güter in Polen und Neapel Ansprüche erhob. Der Papst unterstützte ihre Forderung, allein ihre sechsjährigen Bemühungen in dieser Sache blieben infolge ihrer Mittellosigkeit ohne Resultat. Ihre letzten Lebensjahre verlebte sie in Rom. Sie starb 19. April 1689 und ward in der Peterskirche beigesetzt, wo ihr der Papst ein Denkmal errichten ließ. Sie hatte sich auch als Schriftstellerin, stets in französischer Sprache, versucht. Sie war von kleiner Statur, blendend weißer Hautfarbe, hatte blaue Augen, eine Adlernase und ein üppiges Lockenhaar, auf das sie jedoch wenig Sorgfalt verwandte. Ohne die liebenswürdigen Eigenschaften des Weibes, vermochte sie doch in vieler Beziehung sich nicht über weibliche Schwächen zu erheben; dahin gehörten ihr launenhafter Religionswechsel, ihre Reizbarkeit, ihre Herrschsucht, selbst nachdem sie freiwillig das Zepter niedergelegt. Ihre Schriften finden sich größtenteils in Arckenholz, Memoiren der Königin C. (Berl. 1751 bis 1760, 4 Bde.). Vgl. Grauert, C., Königin von Schweden und ihr Hof (Bonn 1838-42, 2 Bde.); Woodhead, Memoirs of C., queen of Sweden (Lond. 1863, 2 Bde.); Campori, Cristina di Svezia e gli Estensi (Modena 1877); Busson, C. von Schweden in Tirol (Innsbr. 1884).

2) Marie C., Königin und Regentin von Spanien, Tochter des Königs beider Sizilien, Franz I., und der Maria Isabella, der Tochter des Königs Karl IV. von Spanien, geb. 27. April 1806 zu Neapel, wurde 11. Dez. 1829 die vierte Gemahlin des Königs Ferdinand VII. von Spanien. Auf ihren greisen Gemahl erlangte sie bald einen herrschenden Einfluß und zog sich hierdurch den Haß der apostolischen Partei sowie des Bruders des Königs, Don Karlos, seiner Gemahlin und seiner Schwägerin, der Prinzessin von Beira, zu, der sich noch steigerte, als C. schwanger wurde und der bisher kinderlose Ferdinand VII. 29. März 1830 das Auto arrodado vom 10. Mai 1713 umstieß und durch Wiederherstellung der alten kastilischen Erbfolgeordnung auch einer Tochter seiner Gemahlin die Thronfolge sicherte, seinen Bruder und dessen Partei also der bisher ganz sichern Aussicht auf die Herrschaft beraubte. Als nun 10. Okt. 1830 C. wirklich eine Tochter gebar, entspann sich ein erbitterter Kampf zwischen den Apostolischen unter Don Karlos und der Königin, welche sich zu den Liberalen hinneigte; die erstern behielten jedoch die Oberhand. Auch Christines zweites Kind, das sie 30. Jan. 1832 gebar, war eine Tochter. Während einer gefährlichen Krankheit des Königs im September 1832 bat C., um sich vor der Rache der Apostolischen sicherzustellen, selbst um Aufhebung der Pragmatischen Sanktion von 1830, die auch 18. Sept. erfolgte. Aber der König erholte sich wieder, ernannte 5. Okt. C. zur Regentin und nahm 30. Dez. auch das Kodizill vom 18. Sept. zurück. Zwar übernahm er 4. Jan. 1833 wieder die Regierung, und der neue Minister Zea Bermudez ging nicht durchaus auf die liberale Politik Christines ein; jedoch behauptete sich diese in ihrem Einfluß auf den König, und als Ferdinand VII. 29. Sept. 1833 starb, wurden seine dreijährige Tochter Isabella in Madrid als Königin und C. als Regentin ausgerufen. Schon 28. Dez. 1833 vermählte sich C. in morganatischer Ehe mit Don Fernando Muñoz (geb. 4. Mai 1808) aus Tarancon in Cuenca, der damals in der königlichen Leibgarde diente, und den sie später zum Herzog von Rianzares erhob. Die Regentin hatte gleich nach dem Tode des Königs ein Manifest erlassen, welches Abhilfe der Übel versprach, an welchen das Land leide. Aber schon im Oktober 1833 brach in Aragonien und in den baskischen Provinzen ein Aufstand zu gunsten des Don Karlos aus. Um eine Stütze gegen diesen zu gewinnen, neigte sich C. offen der liberalen Partei zu, deren Glieder daher Christinos genannt wurden. Ihre der französischen Charte nachgebildete Verfassung, das Estatuto real, genügte bald den extremen Parteien nicht mehr und wurde durch andre rasch aufeinander folgende Verfassungen verdrängt, wie denn C. stets auf das Regierungssystem ihres jedesmaligen Ministers einging. Doch konnte sich C. nicht dauernd in der Herrschaft befestigen, obwohl sie über Don Karlos endlich den Sieg davontrug. Infolge einer durch das Gesetz über die Ayuntamientos (s. d.) veranlaßten Volksbewegung dankte sie 10. Okt. 1840 als Regentin ab und begab sich mit einem sehr bedeutenden Vermögen nach Frankreich. Nach Esparteros Sturz kehrte sie 1843 wieder nach Madrid zurück und ließ sich 13. Okt. 1844 mit Muñoz, dem sie mehrere Kinder geboren hatte, kirchlich trauen; derselbe starb 12. Sept. 1873. Die meisten Vorgänge in Spanien seit 1843: die spanischen Heiraten, die reaktionären Ministerien von Narvaez und Bravo-Murillo, die Verbannung von Narvaez etc., erfolgten unter ihrer Einwirkung; doch zog sie sich durch ihre Einmischung in die öffentlichen Angelegenheiten den Haß eines großen Teils des Volkes in dem Maß zu, daß sie sich beim Ausbruch der Revolution 1854 zu fliehen genötigt sah. Ende September 1864 kehrte sie nach einer mehr als zehnjährigen Abwesenheit nach Spanien zurück. Doch war ihr Aufenthalt in Madrid kein dauernder, und sie lebte meist im Ausland, wo sie ihr Vermögen in Sicherheit gebracht, bald in Italien, bald in Frankreich. Hier starb sie 22. Aug. 1878 in Le Havre.

Christine de Pisan (spr. -sāng), franz. Dichterin, geb. 1363 zu Venedig, kam mit ihrem Vater, der als Astronom berufen war, an den Hof König Karls V. Schon mit 15 Jahren verheiratet, verlor sie früh wieder ihren Gatten und flüchtete sich, Trost und das tägliche Brot suchend, auf das Gebiet der Litteratur. Die Weichheit ihres Gemüts spiegelt sich in ihrer Ausdrucksweise und verleiht ihren Schriften einen Grad von Interesse, welches der sonstige Stil jenes Zeitalters nicht zu erwecken imstande ist. Sie starb um 1431. Ihre hauptsächlichsten poetischen Werke, soweit sie im Druck erschienen, sind: "Cent ballades et autres petits poèmes"; "Dicts moraux"; "Les cent histoires de Troye"; "Le poème de la Pucelle" (zuletzt Orléans 1865), von Quicherat auch im "Procès de Jeanne d'Arc" (1841-49, 5 Bde.) abgedruckt; "Le chemin de long estude" (hrsg. von Püscheck, Berl. 1881). Von ihren prosaischen Werken sind die interessantesten: "Le livre des faits et bonnes mœurs de Charles V" (abgedruckt in Michauds und Poujoulats "Collection des mémoires", Bd. 2) und "Le trésor de la cité des dames" (Par. 1497, 1503). Außerdem schrieb sie: "Le livre des faits d'armes et de chevalerie"; "Epîtres sur le roman de la Rose", eine strenge Kritik dieses Werkes, u. a. Vgl. J. ^[Jean] Boivin, Vie de C. (in den "Memoiren der Akademie der Inschriften", Bd. 2); Thomassy, Essai sur les écrits

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]