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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Chronologie

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Chronologie.

anderfolge der Begebenheiten zu gewähren. Man unterscheidet daher die astronomische oder mathematische und die historische oder technische C.; jene bestimmt die Ereignisse des Himmels selbst, diese lehrt die Anwendung auf die Begebenheiten des menschlichen Lebens, der Geschichte. Als die natürlichsten Zeitabschnitte boten sich dar: der Tag, bestimmt durch Auf- und Untergang der Sonne; der Monat, bestimmt durch die Phasen des Mondes; das Jahr, bestimmt durch den Kreislauf der Erde um die Sonne. Bei der Berechnung des Tags legte man die Kulmination der Sonne zu Grunde: die Zeit, welche von einer Kulmination bis zur andern verstreicht, bildete eben den Tag, genauer den Sonnentag, dessen Berechnung aber nicht immer ganz genau war. So war auch die Berechnung der Monate und Jahre nicht überall dieselbe; namentlich unterscheidet man Sonnen- und Mondjahre, je nachdem man den Lauf der Sonne oder die Erscheinungen des Mondes zu Grunde legt. Eine oft gebrauchte Berechnung ist die nach Generationen, deren man gewöhnlich drei auf ein Jahrhundert rechnete. Die Zählung der Jahre von einem bestimmten, durch ein merkwürdiges Ereignis bezeichneten Termin an heißt eine Ära (s. d.).

Die Ägypter gingen früh vom Mondjahr zum Sonnenjahr von 365 Tagen über; begonnen wurde das Jahr mit der Sommersonnenwende. Sie legten bei der Berechnung ursprünglich den Aufgang des Sirius oder Hundssterns zu Grunde. Weil aber in Wirklichkeit das Jahr um ¼ Tag zu kurz gerechnet war, so mußte eine Ausgleichung vorgenommen werden, und da 1461 ungenaue Jahre 1460 wirklichen entsprachen, so wurde diese Ausgleichungsperiode von 1461 Jahren die Hundssternperiode genannt. Eine andre Periode war die Phönixperiode, die zur Ausgleichung des siderischen mit dem kirchlichen Jahr diente. Von Ägypten aus verbreitete sich diese Methode der Zeitrechnung mit Modifikationen über die damalige gebildete Welt, zunächst zu den Babyloniern und Chaldäern. Beide Völker begannen ihren bürgerlichen Tag mit Sonnenaufgang; für die alte Einteilung des Tags und der Nacht in je 12 Stunden bedienten sie sich der Sonnen- und Wasseruhren. Die Juden begannen mit dem Abend ihren Tag, welcher also die Zeit von einem Abend bis zum andern ist. Von der Einteilung von Tag und Nacht in je 12 Stunden wird im Alten Testament nichts gesagt, doch war sie den Juden ohne Zweifel von Babylon her bekannt. Gewöhnlich teilte man den Tag in vier, die Nacht in drei Teile ab. Sieben Tage bildeten eine Woche, welche mit dem Sabbat endigte. Den Anfang des Monats bestimmte der Neumond, welcher mit religiöser Feier begangen wurde. Die Zahl der Monatstage schwankte zwischen 29 und 30. Unsicher war auch die Berechnung des Jahrs, welches nicht regelmäßig 12, sondern oft auch (zur Ausgleichung) 13 Mondmonate enthielt und zwischen 353 und 385 Tagen schwankte. Den Jahresanfang bildete (wenigstens im bürgerlichen Leben) der Monat Tisri (s. d.). In Syrien war seit den ersten Jahrhunderten unsrer Zeitrechnung ein Jahr gebräuchlich, dessen Monate ganz den römischen entsprachen; später vertauschten die Syrer das gebundene Mondjahr mit dem julianischen, doch ist jene alte Zeitrechnung noch bis heute bei den syrischen Christen gebräuchlich. Die Griechen hatten ursprünglich auch das sogen. gebundene Mondjahr, welches ohne Schaltung um 11 Tage zu kurz, mit Schaltung um 19 Tage zu lang war und 354-384 Tage enthielt. Wegen dieser Unbestimmtheit hielt man sich vielfach, z. B. für den Anfang der Jahreszeiten, an natürliche Erscheinungen, besonders an den Aufgang und Untergang gewisser Sterne, wie der Plejaden, des Orion u. a. Unter den verschiedenen Versuchen, der Unvollkommenheit dieser Berechnung abzuhelfen, ist besonders der 19jährige Cyklus des Atheners Meton (um 430 v. Chr.) zu erwähnen (vgl. Kalender), den später Kallippos aus Kyzikos noch vervollkommnete. Die Römer hatten ursprünglich ein Jahr von 10 Monaten = 304 Tagen, seit Numa aber ein Jahr von 12 Monaten mit 355 Tagen, dem man durch Einschaltungen eine mittlere Dauer von 366¼ Tagen gab, bis 46 v. Chr. Julius Cäsar den nach ihm benannten julianischen Kalender einführte, der ein Jahr von 365¼ Tagen im Mittel hat und auch in die Christenheit überging. Die Abweichung des julianischen Jahrs vom Sonnenjahr, die in 129 Jahren ungefähr einen Tag beträgt, veranlaßte dann 1582 die Kalenderverbesserung des Papstes Gregor XIII; vgl. Kalender.

Der Jahresanfang, gegenwärtig im christlichen Kalender der 1. Januar, war früher ziemlich verschieden. Bei den griechischen Stämmen fing das Jahr bald mit der Herbstnachtgleiche, bald mit der Sommer- oder Wintersonnenwende an. Den Römern diente zuerst der 1. März, später der 1. Januar als Jahresanfang, und die Juden wählten den Neumond dazu, der dem Herbstäquinoktium zunächst liegt. Vgl. weiter Neujahr. Das Kirchenjahr beginnt noch jetzt in der griechischen Kirche mit dem 1. September, in der abendländischen mit dem Advent (s. d.). Den Tag fängt man mit Mitternacht an und zählt die Stunden in doppelter Reihe von 1 bis 12; nur in Italien zählt man noch hier und da von 1 bis 24.

Die Araber gründen ihre Zeiteinteilung ausschließlich auf den Mondlauf. Sie beginnen ihre Monate, wie die Juden, mit dem ersten Erscheinen der Mondsichel in der Abenddämmerung; 12 solcher Monate bilden ein freies Mondjahr, das mit dem Sonnenjahr nicht ausgeglichen wird, daher der Jahresanfang in einem Zeitraum von 33 der unsern durch alle Jahreszeiten zurückgeht. Der bürgerliche Tag mit veränderlichen Stunden beginnt mit Untergang der Sonne; der Gebrauch der siebentägigen Woche ist uralt. Von Mohammed bestätigt und dem Religionskultus angepaßt, ging diese Zeitrechnung zu allen mohammedanischen Völkern über, obwohl bei den Türken auch das julianische Jahr, das sie aber mit dem 1. März beginnen, in Gebrauch ist und die arabischen Astronomen für wissenschaftliche Zwecke auch das Sonnenjahr benutzen. Auch die Perser gaben ihre ältere, vollkommnere Form für diese arabische hin.

In älterer Zeit erwarben sich um die wissenschaftliche Behandlung der C. namentlich Verdienste: Joseph Justus Scaliger durch sein Werk "De emendatione temporum" (zuerst 1583) und seinen "Thesaurus temporum" (1606), Calvisius durch sein "Opus chronologicum" (1605), Petavius durch sein Werk "De doctrina temporum" (1627), die "Tabulae chronologicae" (1628) und das "Rationarium temporum" (1630) und die Verfasser der bekannten "Art de vérifier les dates" (neu hrsg. von Courcelles, Par. 1821-44, 19 Bde.). Von den neuern die gesamte C. behandelnden Handbüchern vgl. Ideler, Handbuch der mathematischen und technischen C. (Berl. 1825-26, 2 Bde.; neuer Abdruck, Bresl. 1883); Derselbe, Lehrbuch der C. (Berl. 1831);

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]