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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Chwalisen - Cialdini.

Segen für den Propheten (Ssalwele), Vorlesung aus den traditionellen Aussprüchen Mohammeds (Hadis), endlich Fürbitte für den regierenden Sultan und seine Armee. Es gleicht eher einer Hymne als einer Predigt und pflegt in gefälligem und singendem Ton vorgetragen zu werden.

Chwalisen, im 9. und 10. Jahrh. Anwohner des Kaspischen Meers, an dessen Westseite am Einfluß der Wolga, daher das Kaspische Meer auch das chwalynskische genannt wurde.

Chwalynsk, Kreisstadt im ostruss. Gouvernement Saratow, an der Wolga, mit 4 Kirchen, mehreren Fabriken, einem bedeutenden Flußhafen, vielen Obstgärten und (1881) 16,918 Einw.

Chwatal, Franz Xaver, Komponist, geb. 19. Juni 1808 zu Rinnburg (Böhmen), war von 1835 an als Klavierlehrer in Magdeburg thätig und starb 24. Juni 1879 im Solbad Elmen. C. schrieb Klavierstücke, darunter eine große, Hummel gewidmete Sonate zu vier Händen und zahlreiche Salonsachen leichterer Gattung, sowie Lieder für eine und mehrere Stimmen.

Chwolson, Daniel, Altertumsforscher, geb. 10. Dez. 1820 zu Wilna von jüdischen Eltern, wurde früh in den talmudischen Wissenschaften unterrichtet, studierte in Breslau orientalische Sprachen, ging 1840 zur Benutzung orientalischer Handschriften nach Wien und setzte seit 1850 seine Studien in St. Petersburg fort, wo er 1855, zum Christentum übergetreten, zum Professor der orientalischen Sprachen an der Universität und 1858 zum Professor an der russischen geistlichen Akademie ernannt wurde. Er schrieb: "Die Ssabier und der Ssabismus" (Petersb. 1856, 2 Bde.), ein für die Religionswissenschaft vielfach Neues bietendes Werk, dessen Herausgabe die kaiserliche Akademie unternahm; "Über die Überreste der altbabylonischen Litteratur in arabischen Übersetzungen" (1859); "Über Tammuz und die Menschenverehrung bei den alten Babyloniern" (1860); "Über einige mittelalterliche Beschuldigungen gegen die Juden" (russ., 1861); "Die semitischen Völker, Versuch einer Charakteristik" (Berl. 1872); "Das letzte Abendmahl und der Todestag Christi" (russ., 2. Aufl., Petersb. 1880); "Corpus inscriptionum hebraicarum", enthaltend hebräische Grabschriften aus der Krim etc. (das. 1882), u. a.

Chwostow, Dmitrij Iwanowitsch, Graf, russ. Staatsmann und Dichter, geb. 19. Juli 1757 zu Petersburg als Sprößling einer altadligen Familie, nahm an dem Türkenkrieg 1788 und an den Kämpfen in Polen 1794 teil. Bald darauf erbat er seinen Abschied und trat in die Zivillaufbahn über. Im J. 1797 ward er Oberprokurator des Senats, 1798 Mitglied des Heiligen dirigierenden Synods, 1799 Geheimrat und Mitglied des Reichsrats und vom König von Sardinien, Karl Emanuel IV., in den Grafenstand erhoben. Zu Anfang des 19. Jahrh. wurde er auch wirkliches Mitglied der Petersburger Akademie der Wissenschaften und Ehrenmitglied der dortigen Akademie der Kunst. Unter seinen Dichtungen zeichnen sich namentlich verschiedene Lieder und Oden durch Frische und Schwung aus. Eine Gesamtausgabe seiner Werke, seine sämtlichen Lustspiele, lyrischen und didaktischen Gedichte etc. umfassend, veranstaltete er selbst (Petersb. 1817, 4 Bde.). Er starb 3. Nov. 1835 in Petersburg.

Chylopoetisches System, das System der Chylus bereitenden Organe.

Chylurie (griech.), eine in tropischen Gegenden und bei Reisenden, welche die Tropen besucht haben, sonst sehr selten in Europa vorkommende Krankheit, bei welcher der Harn Faserstoff und Eiweiß enthält und zugleich durch hohen Gehalt von fein verteiltem Fett undurchsichtig, milchähnlich ist. Die Patienten werden hierbei bleich, mager und kraftlos, erholen sich aber wieder, wenn der Krankheitsprozeß zurückgeht, bis er nach kurzer Zeit von neuem eintritt. Dieser intermittierende Verlauf der C. kann Jahre hindurch anhalten, führt aber endlich durch Erschöpfung zum Tode. Die Krankheit beruht wahrscheinlich auf Erguß von Chylus in die Harnwege und soll nach Lewes, wenigstens in den tropischen Fällen, durch Hämatozoen, Filaria-Embryonen (Filaria sanguinis hominis), verursacht sein.

Chylus (griech., Milchsaft, Speisesaft), der Inhalt der Lymphgefäße des Verdauungsapparats, die deshalb auch Chylusgefäße genannt werden. Der C. zeigt nicht zu allen Zeiten die gleiche chemische Zusammensetzung und das gleiche Aussehen. Ist der Verdauungsapparat frei von Fett, so unterscheidet er sich weder in seinem Äußern noch in seiner chemischen Zusammensetzung von der gewöhnlichen Lymphe. Zur Zeit der Fettverdauung hingegen ist er weißlich gefärbt und milchartig, was von der Beimengung massenhafter kleinster Fetttröpfchen, die von der Darmhöhle aus in ihn eingewandert sind (s. Resorption), herrührt. Die Lymphgefäße des Darms mit ihrem milchartigen Inhalt zur Zeit der Verdauung wurden 1622 von Aselli entdeckt.

Chymus (griech., Speisebrei), der durch die Einwirkung der Verdauungssäfte auf die Speisen entstandene Brei, eine Mischung von gelösten und ungelösten Nahrungsstoffen, teils chemisch bereits verändert, teils unverändert und nur aufgeweicht.

Chyträus (eigentlich Kochhafe), David, einflußreicher luther. Theolog, geb. 26. Febr. 1530 im Württembergischen, wurde in Wittenberg Melanchthons Schüler und Hausgenosse, später sein Amtsgenosse. Im J. 1551 ward er Professor in Rostock, half 1569 das evangelische Kirchenwesen in Österreich, später in Steiermark ordnen und hatte auch Anteil an der Abfassung der Konkordienformel. Er starb als Professor der Theologie und Mitglied des Konsistoriums in Rostock 25. Mai 1600. Gesammelt erschienen seine "Opera theologica" (Leipz. 1599). Seine Biographie schrieben Pressel (Elberf. 1863) und Krabbe (Rostock 1870).

Chytridiaceen, s. Pilze.

Ciaccona (ital., spr. tscha-), Tanz, s. Chaconne.

Cialdini (spr. tschaldini), Enrico, Herzog von Gaeta, ital. General, geb. 10. Aug. 1811 zu Castelvetro im Modenesischen, Sohn eines Ingenieurs, sollte eigentlich Mediziner werden, trat aber 1831 bei dem Aufstand im Kirchenstaat in die Nationalmiliz ein und flüchtete nach dem Mißlingen desselben nach Frankreich, von wo er sich 1833 nach Portugal begab, um in der dortigen Fremdenlegion, zunächst als gemeiner Soldat, gegen Dom Miguel zu kämpfen. Er zeichnete sich namentlich bei der Verteidigung von Oporto aus, trat 1835 aus portugiesischen Diensten in spanische über, um gegen die Karlisten zu dienen, und wurde dort wegen seiner Tapferkeit Regimentskommandeur, aber 1841 wegen angeblicher Teilnahme an einer Verschwörung gegen Espartero entlassen. Nachdem er 1843 eine reiche Valencianerin geheiratet hatte, kehrte er 1848 auf den Ruf der provisorischen Regierung zu Mailand in sein Vaterland zurück, wurde vom General Durando zur Verteidigung Vicenzas verwendet und, nachdem er aus der Gefangenschaft, in die er infolge einer Verwundung geraten war, entlassen worden, mit Orga-^[folgende Seite]

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