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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Cignaroli; Cigoli; Cikaden

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Cignaroli - Cikaden.

im Auftrag des Herzogs Ranuccio von Parma die Empfängnis der Maria für die Kirche dieses Namens und als sein Hauptwerk, woran er 20 Jahre arbeitete, die Fresken in der Kuppel der Kirche der Madonna del Fuoco zu Forli, die Himmelfahrt der Maria darstellend. Seine letzte Arbeit war die Geburt Jupiters, die er in seinem 80. Jahr für den Kurfürsten von der Pfalz ausführte (jetzt in der Münchener Pinakothek). C. starb 6. Sept. 1719 in Bologna. Papst Clemens XI. ernannte ihn zum Direktor der Malerakademie zu Bologna, der Herzog Ranuccio von Parma zum Ritter. C. war der letzte große Maler der Bologneser Schule. Sein Stil ist originell, die Auffassung geistreich; bei Behandlung heroischer Gegenstände übertraf er selbst den Albani an Erfindung und Ausdruck; seine Zeichnung ist richtig, sein Kolorit heiter, aber nicht ohne Wärme; seine weiblichen und Kinderfiguren sind voll Geschmack und Grazie.

Cignaroli (spr. tschinjaroli), Giambettino, ital. Maler, geb. 1706 zu Verona, Schüler Santo Prunatis und Balestras, studierte in Venedig, lebte dann meist in seiner Vaterstadt und erwarb sich einen ausgebreiteten Ruf; doch zählt er nur zu den veronesischen Malern zweiten Ranges. Er starb 1770. Zu seinen wertvollsten Gemälden gehören einige Altarblätter in italienischen Kirchen, wie zu Pontremoli, Pisa, Parma, Venedig, Verona etc. Wirkliches Verdienst erwarb er sich durch die Stiftung der in Verona noch bestehenden Accademia di pittura. Auch in der Dichtkunst versuchte er sich nicht ohne Glück und beschäftigte sich nebenbei mit Physik. Auch schrieb er einiges über Kunst, so die "Serie de' pittori veronesi" im 3. Bande der "Cronica della Zogata" und Noten zu Pozzos "Vite de' pittori, scultori e architetti veronesi".

Cigoli (spr. tschi-), eigentlich Lodovico Cardi, ital. Maler und Architekt, geb. 1559 zu Cigoli bei Florenz, war A. Alloris und S. Titis Schüler, bildete sich auch nach A. del Sarto, Correggio und Baroccio, wahrte sich dabei aber seinen eignen Stil, dessen Hauptvorzüge treffliches Kolorit und inniger Ausdruck sind. Die Großherzöge von Toscana, Ferdinand I. und Cosimo II., waren seine Gönner, und Papst Paul V. berief ihn nach Rom. Hier starb er 1613, nachdem ihn noch kurz vorher der Großmeister des Malteserordens zum Ritter ernannt hatte. Die bedeutendsten seiner Gemälde sind: die Geschichte des geheilten Lahmen, in der St. Peterskirche; die Marter des heil. Stephan, in den Uffizien zu Florenz; der alte Tobias, der den Engel beschenken will, während auch der junge Tobias demselben Perlenschnüre anbietet, ein Bild voll wahren und innigen Ausdrucks, in der Eremitage von St. Petersburg. Auch als Architekt, zu dem ihn Buontalenti gebildet, hat sich C. hervorgethan; er vollendete den Palast Pitti in Florenz, baute das Thor und die Treppe des Gartens der Gaddi, die Loggia der Tornequinci, das Portal des Klosters Santa Felicita, den schönen Hof des Palastes Strozzi und den Palast Rinuccini. Von ihm ist auch die Zeichnung zum Palast der Mediceer auf dem Platz Madama zu Rom. Er schrieb auch einen Traktat über die fünf Säulenordnungen.

Cikaden (Zirpen, Cicadaria, hierzu Tafel "Ausländische Cikaden"), Insektengruppe aus der Ordnung der Halbflügler, mit dem Körper schräg, dachförmig anliegenden Flügeln, umfaßt vier Familien: Singzirpen, Leuchtzirpen, Buckelzirpen und Kleinzirpen. Die Singzirpen (Stridulantia Burm.) sind plump gebaute Tiere mit kurzem, senkrecht stehendem Kopf und blasenartig aufgetriebener, querfaltiger Stirn, hervorquellenden Augen, drei deutlichen Nebenaugen auf dem Scheitel, zwischen den Augen entspringenden, borstenförmigen, kurzen Fühlern, gestreckten, glasartigen, unbehaarten oder gefärbten und behaarten Vorderflügeln, die viel länger sind als die Hinterflügel, und verdicktem, unten stachligem Vorderschenkel. Sie gehören meist den Tropen an, halten sich am Tag scheu zwischen dem Laub der Bäume versteckt und saugen die jungen Triebe derselben aus, ohne sich aber dabei nach Art der Blattläuse festzusetzen und Kolonien zu bilden. Die Männchen bringen sehr helle, schrillende oder pfeifende Töne hervor, welche schon die Aufmerksamkeit der alten Dichter und Naturbeobachter erregten. Die Tettix der Griechen wurde von den Dichtern, besonders von Anakreon, besungen, und eine auf einer Harfe sitzende Cikade galt als Sinnbild der Musik. Der Stimmapparat befindet sich jederseits an der Basis des Hinterleibes unter zwei großen, lederartigen Schuppen, von denen jede eine große, im Grund von zarter Membran geschlossene Ringöffnung bedeckt. Oben an der Außenseite jeden Ringes spannt ein horniger Rahmen eine festere, längsfaltige Haut. Am Grunde der lederartigen Schuppe liegt ein Luftloch als lange, mit Wimperhaaren besetzte Falte, und im steifen Rand sind Stimmbänder angebracht, welche durch die ausströmende Luft in Schwingungen versetzt werden. Die hierdurch erzeugten Töne werden durch den beschriebenen Apparat verstärkt. Die Weibchen bohren mit einem in der Längsspalte des Bauches verborgenen Legstachel junge Triebe bis zum Mark an, um ihre Eier abzulegen; die Larven saugen äußerlich am Baum, auch an den Wurzeln. Die Familie zählt 400-500 Arten, von denen nur 18 dem südlichen Europa angehören. Die größte inländische Art, welche mit den Flügeln über 8 cm spannt, ist Cicada plebeja Scop., sie ist schwarz, auf dem Schildchen und auf dem Prothorax größtenteils rostgelb, am Hinterleib seitlich weiß, auf den Flügeln gelbbraun geädert und bewohnt Süddeutschland. Größere Arten finden sich in großer Zahl in Nordamerika und Brasilien. Die Mannacikade (kleine Eschencikade, C. orni L., s. Tafel "Halbflügler"), mit elf braunen Punkten auf jedem der wasserhellen Vorderflügel und braunem, gelb geflecktem und weiß behaartem Körper, lebt in Südeuropa vorherrschend auf der Mannaesche und sticht deren Blätter an, um ihre Eier darin abzulegen. Auf der Wunde bilden sich Mannatröpfchen, doch hat dies Produkt für den Handel keine Bedeutung. Von den alten Griechen wurden Cikadenlarven gegessen. Die Leuchtzirpen (Fulgorina Burm.) haben einen vielgestaltigen Kopf, an welchem die Stirn vom Scheitel und von den Wangen durch scharfe Leisten getrennt ist; die Augen sind klein, halbkugelig, jederseits oft mit einem Nebenauge, die Fühler meist ganz klein, warzenförmig. Die Vorderflügel sind dünnhäutig, derb oder lederartig; viele Arten von beträchtlicher Größe und lebhafter, bunter Färbung bewohnen vorwiegend die Tropen und sind in Europa durch unscheinbare Arten vertreten. Ihren Namen haben sie von dem surinamschen Laternenträger (s. d.), von welchem man glaubte, daß er nachts leuchte; sie zirpen nicht, sondern aber durch die Körperbedeckung hindurch eine wachsartige Substanz aus, welche in besonderer Dichtigkeit und oft in langen, fadenförmigen Strängen die Oberfläche des Hinterleibes bedeckt. Das Wachs der chinesischen Flata limbata Fabr. kommt in den Handel. Die Buckelzirpen (Membracina Burm.) sind kleine bis mittelgroße, springende, nicht zirpende Tiere mit extravaganten Bildungen des Prothorax, unter welchem

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