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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Cincinnati

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Cincinnati.

den braunen Rinden. Über die Darstellung des Cinchonins s. Chinin. Es bildet farb- und geruchlose, luftbeständige, wasserfreie Kristalle, schmeckt anfangs kaum, dann ziemlich stark bitter, ist sehr schwer löslich in Wasser, leichter in Alkohol und Äther, fluoresziert nicht in saurer Lösung, schmilzt bei 240°, kann aber bei 220° im Wasserstoffstrom unzersetzt sublimiert werden. Es reagiert alkalisch und bildet zwei Reihen meist kristallisierbarer Salze, welche im allgemeinen löslicher sind als die Chininsalze, stark bitter schmecken und im Sonnenlicht rotbraun werden. Beim Erhitzen mit Kalihydrat bildet es Chinolin. Das C. wirkt auf den Organismus ähnlich wie Chinin, aber viel schwächer; es verdient als Tonikum und Roborans Beachtung, zumal es als Nebenprodukt bei der Chininbereitung gewonnen wird und viel billiger ist als Chinin.

Cincinnati (spr. ssinssinati), Hauptstadt der Grafschaft Hamilton im nordamerikan. Staat Ohio, eine der bedeutendsten Handels- und Fabrikstädte Amerikas, genannt die "Königin des Westens". C. liegt am rechten Ufer des 600 m breiten Flusses Ohio, auf zwei Terrassen (16 und 33 m über dem höchsten Wasserstand), von denen die obere allmählich zum Auburn- und andern Hügeln ansteigt, die, von Landhäusern und Weingärten bedeckt, die Stadt in großem Halbkreis einfassen und eine Höhe von 142 m erreichen. Der innere Teil der Stadt ist dicht bebaut, doch sind auch hier die Straßen breit und teilweise mit Bäumen besetzt. Die Hauptstraße (Main Street) läuft vom Anlegeplatz der Dampfschiffe 2,5 km weit nach N.; sie ist Hauptsitz des Großhandels und wird von 14 Straßen rechtwinkelig durchschnitten. Von diesen ist Pearl Street namentlich den Geldgeschäften gewidmet, Fourth Street ("vierte Straße") dient als fashionable Promenade, und die Fifth Street ("fünfte Straße") enthält die schönsten Kaufmannsläden, mehrere Markthallen und den in München hergestellten Tyler Davidson-Brunnen. Der Miamikanal teilt die Stadt in zwei Hälften, von welchen die östliche fast ausschließlich von Deutschen bewohnt ist und daher scherzweise Little Germany ("Kleindeutschland") genannt wird, während man dem Kanal den Namen "Rhein" beilegt. In den Vorstädten stehen die Häuser teilweise noch sehr zerstreut, und viele Straßen sind noch nicht gepflastert, welcher Umstand in Verbindung mit den zahlreichen Schweinen gerade nicht zu deren Reinlichkeit beiträgt. Zur Zierde gereichen der Stadt einige größere Parke, wie Eden Park (87 Hektar) im O., Burnett Wood (69 Hektar) im N. und der kleinere Hopkins Park auf Mount Auburn. Unter den Friedhöfen ist der von Spring Grove (240 Hektar) der schönste. Eine großartige, 1817 angelegte, in der neuern Zeit beträchtlich erweiterte Wasserleitung versieht die Stadt mit gutem Trinkwasser. Die Lage der Stadt ist für den Verkehr ungemein günstig. Sie bildet den Knotenpunkt für 18 Eisenbahnen, welche sie mit sämtlichen Haupthandelsplätzen des Landes verbindet, während der Ohio einen regen Schiffsverkehr ermöglicht. Der Unterschied zwischen dem höchsten und niedrigsten Wasserstand des Flusses beträgt bei C. 19 m, und die Schiffe sind gezwungen, an schwimmenden Landungsbrücken (floating wharves) anzulegen. Für die großen Mississippidampfer bildet C. den Endpunkt der Fahrt; kleinern Dampfern jedoch gelingt es auch bei niedrigem Wasserstand fast immer, Pittsburg (690 km flußaufwärts) zu erreichen. Eine Kettenbrücke, 1856-67 erbaut und 686 m lang, mit einer Öffnung von 322 m zwischen den beiden sie tragenden Türmen, und eine Eisenbahnbrücke verbinden C. mit den in Kentucky gelegenen Städten Covington und Newport (s. d.). Unter den 180 Kirchen der Stadt ragen hervor die katholische Kathedrale zu St. Peter in griechischem Stil und die gotische Jesuitenkirche zu St. Xavier mit 106 m hohem Turm. Auch die in maurischem Stil aufgeführte Synagoge ist ein bemerkenswerter Bau. An öffentlichen Gebäuden sind zu nennen: das neue Bundesgebäude mit Postamt, Zollamt und Gerichtshof in Renaissance, der Gerichtshof der Grafschaft (County Court, House) mit korinthischem Portikus, der 1884 bei einem Aufruhr, hervorgerufen durch die Bestechlichkeit der Richter, teilweise niedergebrannt wurde, das Rathaus (City buildings) und die Börse (Chamber of Commerce). C. hatte 1870: 216,239, 1880 aber 255,139 Einw., worunter 46,157 Deutsche und 15,077 Irländer, und hat demnach langsamer an Bevölkerung zugenommen als andre große Städte des Westens. Es ist eine der ersten Handelsstädte der Union, namentlich was die Beförderung von Getreide, Schweinefleisch, Tabak und Steinkohlen betrifft, und außerdem auch eine der gewerblichsten Städte. In seinen 3276 gewerblichen Anstalten fanden 1880: 54,517 Arbeiter Beschäftigung, und Waren im Wert von 105 Mill. Doll. wurden in denselben hergestellt. Dem Wert ihrer Erzeugnisse nach geordnet, waren unter ihnen 237 Kleiderfabriken, 49 Schlächtereien, 90 Gießereien und Maschinenbauwerkstätten, 10 Brennereien, 50 Wagenfabriken, 19 Brauereien, 119 Möbelfabriken, 333 Stiefelfabriken, 263 Tabaks- und Zigarrenfabriken, 89 Druckereien, 50 Lederfabriken etc. Großartig sind namentlich die Schlächtereien, in welchen Schweine verpackt werden, wenn sie auch hinter ähnlichen Anstalten in Chicago zurückstehen, so daß der Spitzname "Porkopolis", den man früher C. beilegte, jetzt der Rivalin am Michigansee zukommt. Jährliche Ausstellungen, die in den permanenten Exposition Buildings gehalten werden, dienen wesentlich dazu, die Stellung Cincinnatis als hervorragender Handelsstadt zu festigen. An Wohlthätigkeitsanstalten besitzt die Stadt ein großartiges Krankenhaus, eine Irrenanstalt (im Dorf Carthage, 15 km im Norden der Stadt), ein Asyl für leichtsinnige Frauenzimmer, ein Armenhaus und ein Waisenhaus, abgesehen von den zahlreichen Privatwohlthätigkeitsgesellschaften und Unterstützungsvereinen. Die öffentlichen Bildungsanstalten werden von einem jährlich erwählten Ausschuß (Trustees) verwaltet. Unter ihnen behauptet die Universität von C., mit Rechts- und Zeichenschule, den vornehmsten Rang. Außerdem verdienen Erwähnung: das Medical College von Ohio, das Miami Medical College, eine Schule für Zahnärzte, ein theologisches Seminar der Presbyterianer (Lane College), das von den Jesuiten geleitete St. Xavier's College mit geologischem Museum. Neben der städtischen Bibliothek von 85,000 Bänden bestehen noch zahlreiche Büchersammlungen als Besitz wissenschaftlicher und andrer Vereine. Zu nennen sind hier: die Historical and Philosophical Society, die Naturhistorische Gesellschaft, die Academy of Medicine, die Astronomische Gesellschaft (mit Sternwarte auf Mount Adams, seit 1843), das Mechanics Institute und der Jünglingsverein. Unter den Klubs behauptet die deutsche "Alemannia" einen hervorragenden Rang, und auch die Freimaurer, die Odd Fellows, die deutschen Turner, Sänger und Arbeiter sind im Besitz von großen "Hallen". Unter den fünf größern Theatern ist eins deutsch; auch fehlt es nicht an Konzerthallen

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