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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Cinnamus; Cino da Pistoja; Cinq; Cinq-Mars

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Cinnamus - Cinq-Mars.

den chinesischen Provinzen Kuangsi ("Zimtwald"), Kuangtung und Kueitschou heimisch und dort wie auf den Sundainseln und in Vorderindien (Malabar), aber nicht mit gleicher Sorgfalt wie der Ceylonzimt kultiviert, liefert den chinesischen Zimt (Zimtkassie). Der Baum wird niedrig gehalten, und wenn er zehn Jahre alt ist, werden die Zweige abgeschnitten und geschält, worauf er zehn Jahre ruht. Die die unreifen Früchte einschließenden abgeblühten Blumenkronen kommen als Zimtblüten (Flores Cassiae) in den Handel. C. Culilawan Nees, ein hoher, dickstämmiger Baum auf den Molukken, mit stielrunden, kahlen Ästen, eirund-länglichen, kahlen, unten graugrünen Blättern und achselständigen, grauflaumhaarigen Blütenrispen, liefert den aromatisch nelkenartig schmeckenden und eigentümlich riechenden Kulilabanzimt (Kulilabanrinde), aus welchem man ein ätherisches Öl zum Parfümieren von Seife bereitet. C. dulce Nees (C. chinense Blume), ein Baum mit stielrunden, kahlen Zweigen, länglichen, nach beiden Enden spitz zulaufenden, kahlen, oben und unten gleichfarbigen Blättern und end- oder achselständigen Blütenrispen, in China und Japan, liefert Zimtblüten. C. Loureirii Nees, ein Baum mit zusammengedrückt vierkantigen, kahlen Zweigen, fast ovalen, an beiden Enden verschmälerten, lang zugespitzten, unterseits feinschuppigen Blättern und ähnlichen Blütenrispen wie C. dulce, in Japan, liefert ebenfalls Zimtblüten. C. Tamala Nees, ein Baum mit fast stielrunden, in der Jugend flaumhaarig-scharfen Zweigen, länglich-lanzettlichen, an beiden Enden zugespitzten, kahlen Blättern und fast end- und achselständigen, ausgespreizten Blütenrispen, in Ostindien, liefert in der Rinde den echten Mutterzimt, Cortex Malabathri.

Zimt ist wohl das am frühsten in Gebrauch gezogene Gewürz und wird schon in einem chinesischen Kräuterbuch 2700 v. Chr. erwähnt; ebenso war es im frühsten Altertum in Ägypten bekannt, und die Phöniker lieferten dem hebräischen Altertum die beiden Zimtsorten C. und Kasia. Auch Theophrast erwähnt beide Gewürze, die damals zu den größten Kostbarkeiten zählten, und wahrscheinlich verstand man unter Kasia ungeschälte Zimtzweige, wie sie noch jetzt in China einen bedeutenden Handelsartikel bilden. Auch im Mittelalter blieb Zimt zunächst eine kostbare Drogue, von welcher man wußte, daß sie aus China stammte. Über den Ceylonzimt fehlen Nachrichten aus dem Altertum; als Produkt der Insel wird er erst gegen Ende des 13. Jahrh. genannt, aber schon damals galt der Zimt aus Südindien weniger als der der Insel. Bedeutend dürfte der Zimthandel Ceylons zu jener Zeit sicher nicht gewesen sein, und die große Menge des auf den Weltmarkt gelangenden Zimts war gewiß stets chinesischen Ursprungs. Zimtkultur bestand 1590 noch nicht auf Ceylon, doch scheint die Ausbeutung der Wälder bereits organisiert gewesen zu sein. Der holländische Gouverneur Falk versuchte zuerst die Aussaat des Zimtbaums, und alsbald wurde die Zimtkultur an der Südwestküste der Insel mit so gutem Erfolg betrieben, daß die Holländer von dem Kandireich, in dessen Wäldern bisher der Zimt geschnitten worden war, unabhängig wurden und jährlich 400,000 Pfd. auszuführen, damit den ganzen europäischen Bedarf zu decken und dies Geschäft völlig zu beherrschen vermochten. Nach der Besitznahme Ceylons durch England (1796) wurde der Zimthandel Monopol der Englisch-Ostindischen Kompanie, welche nun wieder mehr Zimt aus den Wäldern ausführte. Doch scheint die jährliche Produktion höchstens ½ Mill. Pfd. erreicht zu haben. 1833 wurde das Monopol der Kompanie, 1853 der hohe Ausfuhrzoll aufgehoben, unter welchem die Kultur durch die Konkurrenz des Javazimts und des chinesischen Zimts stark gelitten hat. In neuester Zeit hat die Kaffeekultur den Zimt auf Ceylon mehr und mehr zurückgedrängt.

Cinnamus, Johannes, byzantin. Geschichtschreiber, s. Kinnamos.

Cino da Pistoja (spr. tschi-), Guittone Sinibaldi oder Sinibuldi, ital. Dichter und Rechtsgelehrter, geb. 1270 zu Pistoja, studierte in Bologna die Rechte, wurde alsdann Richter in seiner Vaterstadt, mußte aber als eifriger Ghibelline, nachdem die Guelfen dort ans Ruder gekommen waren, die Stadt verlassen und fand eine Zuflucht bei seinem Parteigenossen Filippo Vergiolesi in dem festen Ort Piteccio an der Grenze der Lombardei. Hier verliebte er sich in Filippos Tochter Selvaggia, die er in seinen Gedichten besungen hat. Nach deren bald erfolgtem Tod scheint er eine Zeitlang außerhalb Italiens zugebracht zu haben. Als Heinrichs VII. Römerzug die Hoffnungen der Ghibellinen aufs neue belebte, kehrte er zurück und folgte dem Kaiser nach Rom. Um diese Zeit erschien sein berühmter Kommentar über die neun ersten Bücher des Justinianischen Kodex, durch welchen er sich den Ruf eines der ausgezeichneten Juristen seiner Zeit und den Doktorhut von der Universität Bologna erwarb. Zugleich wetteiferten die bedeutendsten Hochschulen Italiens, ihn für sich zu gewinnen, und er lehrte seit 1318 anfangs in Treviso, am längsten und mit dem größten Ruhm in Perugia und von 1334 an in Florenz, starb aber schon 1337, nach andere erst 1341 in Pistoja. Allgemeiner berühmt als durch sein juristisches Werk ist C. als Dichter. Seine ganz der Verherrlichung seiner geliebten Selvaggia gewidmeten Gedichte zeichnen sich durch große Zartheit und Lieblichkeit aus und weisen ihm unter den Vorläufern Petrarcas einen der ersten Plätze an. Sie wurden zuerst gedruckt in den "Rime antiche" (Flor. 1527, Rom 1559 u. öfter), besonders herausgegeben unter dem Titel: "Poesie" von Ciampi (Pisa 1813; Pistoja 1826, 2 Bde.), der auch eine Biographie des Dichters ("Memorie della vita di C.", Pisa 1808; 3. Ausg. 1826) verfaßte; später unter dem Titel: "Rime" von Carducci (Flor. 1864), von E. Brindi und P. Fanfani (Pistoja 1878). Vgl. Chiapelli, Vita e opere giuridiche di C. (Turin 1881).

Cinq (franz., spr. ssänk), fünf.

Cinq-Mars (spr. ssänk-mars oder -mar), Henri Coiffier de Ruzé, Marquis de, Günstling Ludwigs XIII. von Frankreich, zweiter Sohn des Marschalls Marquis d'Effiat, geb. 1620, wurde, fast noch Knabe, von Richelieu, einem Freund seiner Familie, welcher durch ihn seinen Einfluß auf Ludwig XIII. befestigen wollte, zum Kapitän einer Kompanie des königlichen Leibregiments und Garderobemeister des Königs ernannt, gewann bald durch seine liebenswürdigen geistigen und körperlichen Eigenschaften dessen Gunst und ward, kaum 19 Jahre alt, Oberstallmeister. Doch strebte der ehrgeizige, talentvolle Günstling noch höher, er wollte Herzog und Pair sein, die Prinzessin Maria von Gonzaga heiraten und politischen und militärischen Einfluß besitzen. Als Richelieu diese Wünsche mit Hohn und Spott zurückwies, beschloß C., den Kardinal zu stürzen, zumal er wußte, daß der König diesen fürchtete, aber auch haßte. Er ging so weit, daß er sich mit dem Herzog Gaston von Orléans, Bruder des Königs, zur

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