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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Circassienne; Circatio; Circator; Circe; Circello; Circénsische Spiele

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Circassienne - Circensische Spiele.

Jahrh. bezeichnet die heutigen Küstendistrikte: Kistna, Godaweri, Vizagapatam und Gandscham in der Präsidentschaft Madras, zwischen 16 und 20° nördl. Br., von zusammen 64,700 qkm (1175 QM.) mit 4,5 Mill. Einw. In der Geschichte der englischen Eroberungen in Indien werden die C. wiederholt genannt. Die Franzosen erhielten das Land vom Nizam (s. d.) 1752 als Entschädigung für geleistete militärische Hilfe; dann war es ein Zankapfel zwischen ihnen, den Engländern und dem Nizam, bis es 1768 ganz in britische Gewalt kam.

Circassienne (franz., spr. ssir-, Zirkaß), dünner, leichter Stoff, aus feinen Streichwollgarnen, auch mit Kette aus Baumwoll- oder Leinengarn nach Art des vierbindigen, beidrechten Köpers gewebt, der durch die leichte Wolldecke sehr deutlich hindurchschimmert. Das Zeug wird schwächer als Tuch gewalkt, einmal gerauht und wie das feinste Tuch mehrmals geschoren. Es dient zu Sommerröcken, Mänteln etc. Halbwollene Circassiennes sind nicht wesentlich verschieden von Kassinetts.

Circatio (lat.), in frühern Zeiten das Herumreisen der Lehnsherren bei ihren Vasallen, um Gericht zu halten.

Circator (auch Circuitor, lat.), s. Kloster.

Circe, s. Kirke.

Circello (Promontorio Circeo, spr. tschirtsch-; im Altertum Circaeus mons, Circejum promontorium), Berg und Vorgebirge in Mittelitalien, westlich von Terracina, die Homerische Insel der Kirke (s. d.), ist ein 527 m hoher Fels, der, aus der Ferne gesehen, wie eine Insel erscheint und thatsächlich auch eine landfest gewordene Insel ist. Von der Landseite von flachem Sumpfland umgeben, stürzt er steil und reich an Höhlen und Grotten zum Meer ab. Die bedeutendste der Grotten ist die "della Maga". Seine Vegetation ist dürftig an der Seeseite, reich und mannigfaltig an der Landseite; alle wild wachsenden und Kulturbäume der Mittelmeerländer und selbst die Zwergpalme sind vertreten. Auf einer Anhöhe im SO. des Bergs liegt die Ortschaft San Felice Circeo (1128 Einw.), in der Lage des alten Circejum. Von der Höhe des Bergs bietet sich ein herrlicher Blick über die Pontinischen Sümpfe bis zu den Albaner Bergen und der Peterskuppel in Rom und anderseits bis zum Vesuv und Ischia.

Circénsische Spiele (Ludi circenses), die ältesten römischen Spiele, die als Pferde- und Wagenrennen schon in der Königszeit gefeiert wurden; aber auch später deutet sich ihr hoher Rang darin an, daß man mit ihnen gerade gern ein Fest schließen ließ. So war es beim Fest der Ceres (19. April), des Apollo (13. Juli), der "großen Mutter" (10. April), der Flora (3. Mai), des Augustus (12. Okt.). Nur circensisch war das Marsfest (12. Mai). Im allgemeinen gewannen die circensischen Spiele der Römer eine weit höhere Bedeutung als die Hippodromien der Griechen. Was sie an religiöser Bedeutung einbüßten, gewannen sie reichlich an politischer: in den Zeiten der Republik suchten die höhern Magistrate durch sie das souveräne Volk bei guter Laune zu erhalten. Dies Überbieten der Kräfte brachte die im Zirkus vorgenommenen Spiele auf die Zahl von sieben. Voraus ging dem Schauspiel selbst oft ein Aufzug (pompa circensis) vom Kapitol aus mitten durch die Stadt zum Circus maximus. Der Magistrat, welcher die Spiele veranstaltete, eröffnete den Zug; es folgten die Götterbilder, auf prächtigen Wagen gefahren, oder kleinere Bildnisse derselben, auf den Schultern getragen; dann kamen die zum Wettkampf bestimmten Rosse, Wagen, Kämpfer, Magistrate und Priester, endlich Opfertiere, Geräte etc. Nachdem der Zug die Spina im Zirkus einigemal umschritten, wurde ein Opfer gebracht, worauf die eigentlichen Spiele begannen. Unter jenen sieben Arten stand das Pferde-, namentlich aber das Wagenrennen obenan. Gewöhnlich fuhren je vier Gespanne in die Schranken (carceres) vor, wo sie das Signal erwarteten. Jedes einzelne Rennen (missus) bestand aus vier Gespannen, von denen jedes durch eine andre Farbe, die weiße, rote, grüne oder blaue, ausgezeichnet war, deren jede unter den Zuschauern ihre Partei hatte. Domitian fügte noch die goldene und purpurne hinzu, welche indes nicht lange bestanden zu haben scheinen. Diese Faktionen erregten oft stürmische Auftritte, besonders werden die Grünen und Blauen häufig in Epigrammen genannt. Gewöhnlich wurden 25 Rennen nacheinander aufgeführt, bisweilen noch mehr. Die Renner, gewöhnlich von den besten Rassen, wurden zu keinen anderweitigen Verrichtungen gebraucht und lange zuvor eingeübt. Besonders mußte das Roß der linken Seite wegen der Wendung um die Meta gut dressiert sein, wie auch hier hauptsächlich die Kunst des Wagenlenkers (agitator) sich zeigte. Errang ein Agitator einen Vorsprung, so konnte er sich von der Spina entfernen und an der Meta seine Wendung mit desto größerer Sicherheit ausführen, weil er den Verlust doch immer wieder einbrachte. Die circensischen Wagenlenker trieben nur dieses Geschäft und waren anfangs größtenteils Sklaven. Erst später ward das Lenken des Wagens noble Passion, und selbst Kaiser, z. B. Nero, Domitian, Commodus, Caracalla, Heliogabal, traten als Agitatoren auf. Jedes Rennen bestand in sieben Umläufen (s. Circus). Wessen Gespann nach der siebenfachen Umkreisung nur um einen Schritt oder einen Fuß früher an der Linie, wo das Rennen begonnen hatte, angelangt war als die übrigen, der trug den Preis davon, der in Palmen und Kränzen bestand, womit die Sieger geschmückt wurden. Doch konnten sich diese circensischen Preise an Ehren nicht mit den olympischen messen, verwandelten sich auch in der spätern Zeit in eine Geldbelohnung. Das letzte oder 25. Rennen hieß Missus aerarius, weil es ursprünglich mit Sammelgeld bestritten ward. Überstieg man die Zahl der 25 Rennen, so beschränkte man die der Umläufe um die Meta auf fünf; bisweilen erhöhte man auch die Zahl der zu einem Missus nötigen Wagen. Augustus führte statt des Zwei-, Drei- und Viergespannes das Sechsgespann ein; in der Folge kamen auch Gespanne von Hirschen und andern Tieren vor. Dem Wagen pflegte ein Reiter voranzusprengen, genau gekleidet wie der Wagenlenker, man weiß nicht, ob als Ersatzmann. Außer dem Cursus equorum finden wir folgende Schaustücke, um welche im Verlauf der Zeit die circensischen Spiele vermehrt worden waren: gymnische Spiele, wie Laufen, Ringen und Faustkampf; eine Art Turnier (ludus Trojae), ein Scheingefecht zu Pferde; Tierhetzen, die jedoch nach Erbauung der Amphitheater (besonders nach Cäsars Zeit) seltener im Zirkus aufgeführt wurden; Gladiatorenkämpfe, entweder Mann gegen Mann oder Schar gegen Schar (Cäsar ließ je 300 Reiter, je 500 Fußkämpfer, je 20 Elefanten miteinander kämpfen); militärische Evolutionen und Manöver, von jungen Bürgern (je 60 und mehr gegeneinander) ausgeführt, schon zur Zeit der Punischen Kriege üblich und noch unter Hadrian beliebt; endlich die Sechsmännerspiele beim Marsfest (seit Au-^[folgende Seite]

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