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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Clairvoyance; Claix; Clajus; Clam

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Clairvoyance - Clam.

zu Lyon, Sohn eines Schauspielers, wurde selbst bereits mit dem zehnten Jahr in das Schauspielerleben eingeführt und entwickelte sich so in der doppelten Eigenschaft als Schauspieler und als dramatischer Dichter. Seine fast zahllosen, rasch und flüchtig hingeworfenen Produktionen gehören sämtlich der niedern Komik (Vaudevilleposse) an und üben durch glücklich angebrachte Anspielungen, Parodien, Calembourgs und witzige Kouplets, allerdings auch durch die Würze schlüpfriger Zweideutigkeiten, eine große Zugkraft aus. Es seien davon nur einige Operetten genannt, die auch den Weg nach Deutschland gefunden haben, wie denn C. als das Vorbild der Berliner Possendichter anzusehen ist: "Daphnis et Chloe" (mit Musik von Offenbach), "La fille de Madame Angot" (Musik von Lecoq), "Jeanne, Jeannette et Jeanneton"; ferner die Zauberstücke: "Les sept châteaux du diable", "Cendrillon", "La lanterne magique". C. starb 7. Febr. 1879 in Paris. Ein Band "Chansons et poésies" von ihm war 1853 erschienen.

Clairvoyance (spr. klärwoajangs), s. Hypnotismus.

Claix (spr. kläh), Marktflecken im franz. Departement Isère, Arrondissement Grenoble, unfern des Drac, über welchen eine aus einem 46 m weiten und 16 m hohen Bogen bestehende alte Brücke (von 1611) und eine gleich kühn gewölbte neue Brücke (52 m Öffnung) führen, mit (1876) 1740 Einw.

Clajus (eigentlich Klaj), 1) Johannes, der erste, der mit einer deutschen Grammatik (aus Luthers Schriften gegründet) ein etwas dauernderes Ansehen gewann. Geboren um 1530 zu Herzberg an der Schwarzen Elster, studierte er in Leipzig, war dann Schulmann zu Goldberg, Frankenstein, Nordhausen, endlich seit 1573 Pfarrer zu Bendeleben in Thüringen, wo er 11. April 1592 starb. In seiner "Grammatica germanicae linguae" (Leipz. 1578), der Frucht 20jährigen Fleißes, folgte er allerdings noch zu sklavisch der in der lateinischen Grammatik üblichen Weise, um nicht bedeutenden Mißgriffen ausgesetzt zu sein; doch ist ihr mancher richtige Blick; große Sorgfalt und auch eine gewisse praktische Brauchbarkeit nicht abzusprechen. Vgl. Perschmann, Johannes C. des ältern Leben und Schriften (Nordhaus. 1874).

2) Johann C. der jüngere, Dichter, s. Klaj.

Clam, Muschel, s. Clams.

Clam, gräfliches Geschlecht in Böhmen und Österreich, hieß früher Perger von Höchenperg nach der Stammburg Höchenperg in Kärnten. Christoph Perger kaufte 1524 von dem Grafen von Hardeck Burg und Herrschaft C. in Unterösterreich. Christophs Urenkel Johann Gottfried von C., geb. 1598, wurde samt seinen Brüdern und Vettern 22. Nov. 1655 in den Reichsfreiherrenstand erhoben. Sein Urenkel Ferdinand Joseph von C., geb. 1700, hinterließ fünf Söhne, welche 17. Juni 1759 die erbländische österreichische Grafenwürde erlangten. Von diesen fünf Söhnen hatte der älteste, Johann Gottlieb von C., einen Sohn, Karl Joseph, Graf von C., geb. 1759 zu Linz, gest. 26. Sept. 1826 (1824-26 böhmischer Oberstlandkämmerer), welcher sich 1792 mit Maria Anna, der Erbtochter des Grafen Franz Karl von Martinitz, vermählte und seitdem als Stifter einer besondern Linie, wie seine Kinder, den Namen C.-Martinitz führte. Sein Sohn war Karl Joseph Nepomuk Gabriel, Graf von C.-Martinitz, österreichischer Feldmarschallleutnant, geb. 23. Mai 1792 zu Prag. Er studierte anfangs die Rechte, trat 1809 in das Freikorps des Grafen Kinsky und war in den Feldzügen von 1812 bis 1814 dem Fürsten Schwarzenberg als Flügeladjutant zugeteilt. Mit dem Feldmarschallleutnant Koller begleitete er Napoleon I. nach Elba und wurde sodann zu den Verhandlungen des Wiener Kongresses gezogen. 1821 vermählte er sich mit der Tochter des Lords Guilford, irischen Peers, Selina, Lady Maade, stand als Oberst eines Kürassierregiments in Ungarn, ging 1824 in einer diplomatischen Sendung nach Petersburg, ward 1830 Generalmajor und Hofkriegsrat und mehrfach in diplomatischen Missionen, auch an den preußischen Hof, verwendet, wobei er eifrig für die Metternichsche Reaktionspolitik thätig war. 1835 ward er Kaiser Ferdinands Generaladjutant, 1836 Geheimrat und Chef der Militärsektion im höchsten Staatsrat und 1837 Feldmarschallleutnant. Da er stets in unmittelbarer Umgebung des Kaisers war, so hatte er großen Einfluß, welchen er zur Unterdrückung aller liberalen, besonders konstitutionellen, Bestrebungen und zur Geltendmachung der aristokratischen Prärogativen zu benutzen suchte. Er starb 29. Jan. 1840. Sein Sohn Heinrich Jaroslaw, Graf von C.-Martinitz, geb. 15. Juni 1826 zu St. Georgen in Ungarn, studierte die Rechte und begann nach den Märzbewegungen von 1848 unter dem Grafen Stadion seine amtliche Laufbahn. Er ward 1853 Statthaltereirat in Ofen, im Februar 1856 Hofrat und im Mai d. J. Landespräsident zu Krakau, schied aber 1859 aus dem Staatsdienst aus und ward 1860 in den "verstärkten Reichsrat" berufen, in welchem er zu den eifrigsten Vertretern des Prinzips der "historisch-politischen Individualitäten" zählte. Als Führer der tschechischen Adelspartei, die sich in dem politischen Tagesblatt "Das Vaterland" (1. Sept. 1860) ihr eignes Organ schuf, wirkte er namentlich für das Zustandekommen des sogen. Oktoberdiploms, trat aber 1861 infolge des Februarpatents zur Opposition über und zwar zur föderalistischen Partei. Ihm wird auch die aristokratisch-föderalistische Flugschrift "Sustine et abstine" ("Ertrage und enthalte dich") zugeschrieben. 1861 zum Präsidenten des Böhmischen Museums erwählt, schied er 1862 aus dem Reichsrat und beschränkte sich auf die Thätigkeit im böhmischen Landtag. Sein jüngerer Bruder, Richard, Graf C.-Martinitz, geb. 12. März 1832, welcher bis 1865 in der Armee diente, ist der Führer der tschechischen Feudalen im österreichischen Abgeordnetenhaus.

Die zweite Linie, C.-Gallas, stammt ab von Johann Christoph von C., Bruder des obgenannten Ferdinand Joseph. Johann Christophs Sohn Christian Philipp erbte 1757 die reichen Besitzungen seines Oheims, des Grafen Gallas, und nahm daher den Namen C.-Gallas an. Sein Sohn ist der durch Kunstsinn und Wohlthätigkeit bekannte Graf Christian Christoph (geb. 1770, gest. 1838), dessen einziger Sohn Graf Eduard von C.-Gallas, geb. 14. März 1805 zu Prag. Er wurde 1839 Oberst, 1846 Generalmajor, zeichnete sich als solcher 1848 an der Spitze einer Brigade bei Santa Lucia, Goito, Vicenza und bei Custozza aus, auch im Feldzug 1849 gegen Piemont und ward darauf im April zum Feldmarschallleutnant und zum Kommandanten des bei Orsova operierenden Armeekorps ernannt, das er 23. Juni nach Siebenbürgen führte. Er besetzte Kronstadt, schlug die Ungarn bei Illyefalva, besetzte Vásárhely und hielt von da aus das Szeklerland im Zaum. 1850 erhielt er das Kommando über das 1. Armeekorps in Böhmen. Dieses befehligte er auch im italienischen Krieg von 1859 in den Schlachten bei Magenta und Solferino, beidemal Mac Mahon gegenüber. Er ward

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