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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Clemens

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Clemens.

der Hohenstaufen zu stürzen, belehnte er 1266 Karl von Anjou mit Sizilien, unterstützte ihn gegen Manfred und Konradin und ließ die Hinrichtung des letztern ungehindert geschehen. Er starb 29. Nov. 1268.

6) C. V., geboren als der Sohn eines Edelmanns zu Villandraud (Gironde), hieß eigentlich Bertrand de Goth und gelangte, schon unter Bonifacius VIII. Bischof zu Comminges und seit 1299 Erzbischof von Bordeaux, 5. Juni 1305 durch den Einfluß des Königs Philipp des Schönen von Frankreich zur päpstlichen Würde, wofür er nach einem geheimen Vertrag seine Residenz nach Avignon verlegen mußte (1309), womit das sogen. babylonische Exil der Päpste begann. Er nahm fast ausschließlich Franzosen in sein Kardinalkollegium auf, verwilligte dem König den Zehnten von allen geistlichen Einkünften auf mehrere Jahre und widerrief die beiden vom Papst Bonifacius VIII. erlassenen Bullen: "Clericis laicos" und "Unam sanctam", nach welchen Frankreich nebst allen andern Königreichen dem Stuhl zu Rom unterworfen sein sollte. Dagegen vereitelte er Philipps Plan, nach Ermordung Albrechts I. (1308) die römische Kaiserwürde seinem Bruder Karl von Valois zuzuwenden indem er im geheimen die Erwählung Heinrichs von Luxemburg unterstützte. In dem nach Karls II. Tod erfolgten Erbstreit über die Krone Neapels trat C. erfolgreich auf die Seite des Herzogs Robert von Kalabrien. Auf dem Konzil zu Vienne 1311 hob er dem Verlangen König Philipps IV. gemäß, dessen Anklagen gegen den Orden er in frühern Bullen bestätigt hatte, den Templerorden auf. C. starb 20. April 1314 zu Roquemaure in Languedoc. Simonie, Habsucht und Unzucht herrschten an seinem Hof. Die von ihm gegebenen, auf die Reform des Klerus bezüglichen "Clementinae constitutiones" wurden erst von seinem Nachfolger Johann XXII. bestätigt. Vgl. "Regestum Clementis Papae V. etc." (Rom 1885 ff.); Rabanis, Clément V et Philippe le Bel (Par. 1858); Wenck, C. V. und Heinrich VII. (Halle 1881).

7) C. VI., ein Franzose aus dem Limousin, Namens Peter Roger, Benediktiner, Abt zu Fécamp in der Normandie, Bischof von Arras, Erzbischof von Rouen und Kardinal, bestieg 7. Mai 1342 zu Avignon den pästlichen ^[richtig: päpstlichen] Stuhl. Der Streit seiner Vorgänger mit Kaiser Ludwig dem Bayern wurde auch von ihm mit Erbitterung fortgesetzt; er sprach den Bann über Ludwig aus und brachte es durch Bestechung der Kurfürsten dahin, daß Ludwig 11. Juli 1346 zu Rhense abgesetzt und des Papstes ehemaliger Zögling, Karl von Mähren, als Kaiser Karl IV. zum römischen König erwählt wurde. C. feierte 1350 das erste Jubeljahr (s. d.) und übertraf im Nepotismus seine sämtlichen Vorgänger. Von der Königin von Neapel als Gräfin von Provence erkaufte er 1348 für 80,000 Goldgulden die Stadt und das Gebiet von Avignon. Er starb 6. Dez. 1352.

8) C. (VII.), vorher Robert, Graf von Genf, Bischof von Cambrai, wurde 1378 zum schismatischen Gegenpapst Urbans VI. gewählt; durch schamlose Gelderpressung berüchtigt. Mit ihm begann das große Schisma in der römischen Kirche; er starb 1394 in Avignon.

9) C. (VIII.), vorher Ägidius Nuñoz, Kanonikus zu Barcelona, wurde 1424 nach Benedikts XIII. Tod von drei Kardinälen zum Papst gewählt, mußte aber 1429 auf dem Konzil zu Tortosa entsagen.

10) C. VII., vorher Giulio de' Medici, unehelicher Sohn des 1478 ermordeten Giuliano I. de' Medici, Erzbischof von Florenz, ward. 1513 Kardinal, später auch Kanzler der römischen Kirche und 19. Nov. 1523 Papst. Vor allem auf Vermehrung seiner politischen Macht bedacht, schloß er 1526 nach dem Frieden von Madrid gegen Karl V. mit Mailand, Venedig und Florenz die Heilige Ligue, in welche er auch Franz I. von Frankreich aufnahm. Karl V. ließ jedoch mit Beihilfe des Kardinals Colonna seine Truppen in Rom einrücken und nötigte C. zu einem Vergleich, in welchem dieser seine Truppen von dem verbündeten Heer abzurufen und an der Familie Colonna keine Rache zu nehmen versprach. Da aber C. den Vergleich brach, so belagerte der Connetable von Bourbon Rom; er selbst fiel, Rom wurde 6. Mai 1527 erobert, der Papst in die Engelsburg eingeschlossen und, da er das versprochene Lösegeld nicht bezahlen konnte, fast sechs Monate lang gefangen gehalten, bis es ihm glückte, verkleidet zu entkommen. Da der weitere Krieg zwischen Karl V. und Franz I. erfolglos blieb, schloß C. mit dem Kaiser 29. Juni 1529 den Frieden von Barcelona, in welchem er dessen Machtstellung in Italien anerkannte, wogegen der Kaiser die Medici in Florenz herzustellen und die Ketzerei in Deutschland auszurotten versprach. Darauf krönte C. Karl V. im Februar 1530 zu Bologna. Da der Papst im Frieden auch versprochen hatte, die Ehe des englischen Königs Heinrich VIII. mit Katharina von Aragonien nicht zu lösen, und 1534 dem König mit dem Bann drohte, falls er eigenmächtig die Ehe aufhebe, so riß sich dieser vom römischen Stuhle los. C. starb 25. Sept. 1534.

11) C. VIII., vorher Hippolyt Aldobrandini, geb. 1536 zu Fano aus einem florentinischen Geschlecht, ward 1585 Kardinal und 30. Jan. 1592 Papst. Nach Alfons' II., Herzogs von Ferrara, Tod wußte er Ferrara als erledigtes Lehen für den römischen Stuhl zu gewinnen. Mit der Republik Venedig, die er von dem päpstlichen Stuhl abhängig zu machen suchte, hatte er mehrere Streitigkeiten; ebenso zerfiel er mit den Jesuiten, weil er 1595 Heinrich IV. von Frankreich vom Bann lossprach, die Kanonisation Loyolas ablehnte und in der Streitsache de auxiliis gratiae den Dominikanern sich zuneigte. Er starb 3. März 1605. C. begünstigte die Wissenschaften, erhob Baronius, Bellarmin u. a. zu Kardinälen und veranstaltete eine neue Ausgabe der "Vulgata", die nach ihm "Clementina" genannt wird.

12) C. IX., vorher Julius Rospigliosi, geb. 1600 zu Pistoja, ward päpstlicher Nunzius in Spanien, Kardinal, Staatssekretär und 20. Juni 1667 Papst. Er unterstützte die Republik Venedig in ihren Unternehmungen gegen die Türken und half 1668 den Frieden Ludwigs XIV. von Frankreich mit Spanien vermitteln, damit auch dieser eine Flotte gegen die Türken aussenden könne. Den jansenistischen Streit schlichtete er 1668 durch den Clementinischen Frieden (Pax Clementina). Er starb 9. Dez. 1669.

13) C. X., vorher Kardinal Emilio Altieri, geb. 1590 aus einer römischen Patrizierfamilie, ward 29. April 1670, schon 80 Jahre alt, Papst und überließ daher die Regierung ganz dem Kardinal Paluzzi; er starb 22. Juli 1676.

14) C. XI., vorher Giovanni Francesco Albani, geb. 23. Juli 1649 zu Pesaro, studierte in Rom besonders die alten Sprachen und die Rechtsgelehrsamkeit, ward unter Innocenz XI. Sekretär der geheimen Breven, 1690 Kardinaldiakon und 23. Nov. 1700 Papst. Gleich zu Anfang seiner Regierung hob er die Quartierfreiheit der Gesandten zu Rom auf, weshalb ihm Ludwig XIV. von Frankreich die Grafschaft Avignon entzog. Da er im spanischen Erbfolgekrieg Frankreich begünstigte, ließ Joseph I. 1706 Parma,

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]