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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Clemens August; Clemens Joseph; Clemens Romanus; Clemens von Alexandria; Clemens Wenceslaus

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Clemens von Alexandria - Clemens Wenceslaus.

und am "Vater der Ströme". Als die Eisenbahnen dem Mississippi Konkurrenz machten und der Lotsendienst an Bedeutung und Einträglichkeit verlor, verließ E. diesen Beruf und folgte seinem zum Vizegouverneur von Nevada ernannten Bruder als dessen Sekretär in den fernen Westen, vertauschte aber diese Stelle bald mit der eines Gold- und Silbergräbers. Da er dabei kein Glück hatte, wurde er Redakteur eines Blattes in Virginia City, und seine humoristischen Skizzen machten seinen dort angenommenen Namen Mark Twain (eine Erinnerung an den Mississippi, wo die Lotsen beim Niederlassen des Senkbleies mark twain anstatt mark two riefen) bald im ganzen Westen bekannt. 1864 finden wir ihn in einer ähnlichen Stellung in San Francisco und einige Jahre später als Korrespondenten einer Zeitung auf den Sandwichinseln. Es folgten zweimalige längere Reisen nach Europa, welche in "The innocents abroad" und in "A tramp abroad" mit unwiderstehlicher Komik beschrieben sind. Der Inhalt des erstern Werks beschäftigt sich mehr mit dem südlichen Europa und Palästina, der des zweiten mit Süddeutschland, der Schweiz und Oberitalien. C. hat gegenwärtig seinen Wohnsitz in Hartford (Connecticut) aufgeschlagen. In seinen Schriften spiegelt sich der reiche Inhalt seines Wanderlebens. Er ist ein Meister des harmlosen Humors, den er in Amerika auf eine höhere Stufe gehoben hat, als er vordem einnahm. Derselbe beruht auf feiner Beobachtung der Eigenschaften des menschlichen Herzens und dichterischer Empfindung für die Erscheinungen der Natur. Bei allen Ausschreitungen seines häufig clownhaft sich gebärdenden, witzigen Geistes ist er doch selten seicht und eines tiefern Sinnes entbehrend. Sein idealstes Wesen hat C. in der kindlich schlichten Erzählung "The prince and the pauper" offenbart. Außer dieser größern historischen Erzählung hat er zusammen mit Dudley Warner den Roman "The gilded age" geschrieben; im übrigen kehrt er immer wieder zur humoristischen Skizze zurück, von welcher Gattung bereits mehrere Sammlungen erschienen sind, eine neuere Sammlung mit dem Titel: "The stolen white elefant" (Lond. 1882). Noch ist "Roughing it" (Hartford 1872) zu erwähnen, worin er, dem Gebiet Bret Hartes näher tretend, das Leben und Treiben bei den nordamerikanischen Gold- und Silbergräbern beschreibt. In deutscher Übersetzung von M. Busch erschienen: "Die Abenteuer Tom Sawyers" und "Das vergoldete Zeitalter" (Leipz. 1876) und "Skizzen" (das. 1877).

Clemens von Alexandria (Titus Flavius), hervorragender Kirchenvater, ein vielgereister heidnischer Philosoph, trat erst im reifern Alter zum Christentum über und ward später durch Vermittelung seines Lehrers Pantänus Presbyter und Lehrer an der Katechetenschule in Alexandria, nach dem Tod jenes Vorsteher derselben und als solcher Lehrer des Origenes. Während der Christenverfolgungen von 202 flüchtete er nach Palästina und starb um 220. Wir besitzen von ihm noch drei zusammenhängende Werke, welche eine philosophisch freie Auffassung des Christentums bekunden: "Exhortatio ad gentes", eine Ermahnungsrede an die Hellenen, das Christentum anzunehmen; "Paedagogus", eine christliche Moral, und "Stromata", in 8 Büchern, vermischte Abhandlungen über Gegenstände des Glaubens. Neue Ausgaben seiner Werke besorgten Klotz (Leipz. 1831-34, 4 Bde.) und Dindorf (Oxford 1868, 4 Bde.). Vgl. Merk, C. von Alexandria in seiner Abhängigkeit von der griechischen Philosophie (Leipz. 1879).

Clemens August, Kurfürst von Köln, Sohn Maximilian Emanuels, Kurfürsten von Bayern, geb. 16. Aug. 1700 zu Brüssel, wo sein Vater damals als Gouverneur der Niederlande residierte, machte in Rom unter Leitung des Papstes Clemens XI. seine Studien und ward 1719 Bischof von Paderborn und von Münster, 1723 als Nachfolger seines Oheims Joseph Clemens Kurfürst von Köln, 1724 noch Bischof von Hildesheim und Osnabrück und zehn Jahre später Großmeister des Deutschen Ordens. Nachdem er erst 1725 zum Priester geweiht worden, übernahm er die Regierung seiner geistlichen Fürstentümer. Gleich seinem Bruder Karl Albert schloß er sich ganz an Frankreich an, mit dem er 1734 und 1740 enge Bündnisse einging. Die Waffenerfolge der Verbündeten im österreichischen Erbfolgekrieg zwangen ihn aber 1743, sich von Kaiser Karl VII., seinem Bruder, und Frankreich loszusagen. Während des Siebenjährigen Kriegs ward sein Stift von französischen Truppen besetzt. Er war einer der reichsten geistlichen Fürsten seiner Zeit und befriedigte seine Prachtliebe durch zahlreiche stattliche Bauten von Residenz- und Jagdschlössern. Die Regierung überließ er bei seiner Liebe zur Jagd und zum Reisen meist seinen Ministern. Er starb 6. Febr. 1761 in Ehrenbreitstein. Vgl. Mering, C. August (Köln 1851).

Clemens Joseph, Kurfürst von Köln, s. Joseph Clemens.

Clemens Romanus, s. Clemens (Päpste) 1).

Clemens Wenceslaus, letzter Kurfürst von Trier, geb. 28. Sept. 1739, Sohn Friedrich Augusts III., Königs von Polen und Kurfürsten von Sachsen, trat 1760 zu Wien in österreichischen Kriegsdienst, nahm als Feldmarschallleutnant an der Schlacht bei Torgau (3. Nov. 1760) teil, entschied sich aber körperlicher Gebrechen wegen für den geistlichen Stand und ward 1763 Bischof von Freising und von Regensburg, gab jedoch 1768 diese Bistümer ab, um Erzbischof und Kurfürst von Trier und Bischof von Augsburg zu werden; auch erhielt er später die gefürstete Propstei Ellwangen. Den Aufklärungsideen nicht abgeneigt, förderte er in Trier besonders das Schulwesen und suchte durch ein Toleranzedikt (1783) sowie durch mancherlei gemeinnützige Anstalten Bildung und Wohlstand zu heben. Seine Haltung in kirchlichen Dingen war eine schwankende; er behielt die Jesuiten auch nach Aufhebung des Ordens im Land, protestierte gegen Josephs II., seines Vetters, radikale Reformen in Religionssachen, schützte aber Hontheim (s. d.) und stellte die Emser Punktationen 1786 mit auf; auch verbot er die Prozessionen und hob viele Feiertage auf. Obwohl für seine Person einfach und anspruchslos, hielt er doch einen prächtigen Hofhalt und erbaute in Koblenz, wohin er 1786 seine Residenz von Ehrenbreitstein verlegte, ein schönes, kostspieliges Schloß. Besonders die Musik wurde an seinem Hof gepflegt. Erschreckt durch den Ausbruch der französischen Revolution, stellte er alle Reformen ein und führte ein strengeres Regiment. Den Emigranten und den flüchtigen Mitgliedern des ihm verwandten französischen Hofes bot er eine Zufluchtsstätte, und Koblenz ward der Mittelpunkt der französischen Royalisten. Er ward vom Sieg der Revolution auch zumeist betroffen: im Lüneviller Frieden verlor er den linksrheinischen, größten Teil des Kurstaats, 1803 auch den Rest sowie Augsburg und Ellwangen. Mit einer Pension von 100,000 Gulden zog er sich nach Augsburg zurück und starb 27. Juli 1812 zu Oberstdorf im Algäu. Vgl. Dominicus, Koblenz unter dem letzten Kurfürsten von Trier (Kobl. 1869).

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