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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Clermont; Clermont-Tonnerre

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Clermont - Clermont-Tonnerre.

Clermont (spr. klärmóng, lat. Clarus mons oder Clarimontium), Name mehrerer Städte in Frankreich. 1) (C. en Beauvaisis oder C. de l'Oise) Arrondissementshauptstadt im Departement Oise, nahe der Brèche, an der Nordbahn gelegen, hat eine Kirche und ein Stadthaus aus dem 14. Jahrh., ein großes Gefängnis für Frauen, das an den noch stehenden Donjon des alten Schlosses (aus dem 11. Jahrh.) angebaut ist, ein großes Krankenhaus (mit Filialen, zusammen für 1200 Kranke), ein Collège, eine Bibliothek von 15,000 Bänden und (1881) 5628 Einw., welche Baumwollstoffe und Wirkwaren fabrizieren sowie Mastvieh- und Pferdehandel treiben. C., Geburtsort Philipps des Schönen, war seit 1054 Sitz der Grafen von C., fiel aber 1218 an die französische Krone. Ludwig IX. übertrug die Grafschaft C. seinem Sohn Robert; später kam sie an das Haus Condé.

2) (C.-Ferrand) Hauptstadt des franz. Departements Puy de Dôme, 407 m ü. M., auf einem 50 m hohen Hügel inmitten einer weiten und fruchtbaren, rings von Gebirgszügen umkränzten und vom Puy de Dôme beherrschten Ebene, an der Paris-Lyoner Bahn gelegen, ist aus der festen, dunkelfarbigen Lava von Volvic altertümlich gebaut, hat meist enge, krumme und abschüssige Straßen, aber mehrere große Plätze, darunter die Place de Jaude mit der Statue von Desaix (1848). Unter den Gebäuden sind die 1248 begonnene Kathedrale im gotischen Stil, welche erst in den letzten Jahren durch Ausbau der Westfassade und der zwei 80 m hohen Türme vollendet wurde (alte Glasmalereien), sowie die schöne, 1834 restaurierte Kirche Notre Dame du Port (aus dem 11. Jahrh., im romanischen Stil), das Präfekturgebäude (ehemaliges Kloster von 1250) und das neue Fakultätsgebäude namhaft zu machen. Die Einwohner, deren Zahl (1881) 38,103 beträgt, erzeugen besonders Teigwaren, kandierte Früchte, Aprikosenmus, Kaffeesurrogate, dann Kerzen, chemische Produkte, Hanfleinwand, Seilerwaren, Spitzen, Maschinen etc. und treiben bedeutenden Handel mit Getreide, Wein, Hanf, Obst, Vieh, Butter und Käse, Häuten und Leder. C. besitzt mehrere Mineralquellen mit Badeetablissements, darunter den stark inkrustierenden Eisensäuerling St.-Alyre (18° C.), welcher sich selbst zwei Brücken gewölbt hat. Die Stadt ist Sitz des Generalkommandos des 13. Armeekorps, des Präfekten, eines Bischofs und eines Handelsgerichts und besitzt Fakultäten für Naturwissenschaften und Litteratur, eine medizinische Schule, ein Lyceum, eine Normalschule für Lehrer und Lehrerinnen, eine Gewerbe-, eine Bau- und andre Fachschulen, ein theologisches Seminar, eine Bibliothek (40,000 Bände), ein Kunst-, ein Altertums- und ein naturhistorisches Museum, einen botanischen Garten, eine wissenschaftliche Akademie etc. C. ist Geburtsort Gregors von Tours und Pascals. - C. war eine alte Stadt im Lande der Arverner, die den Namen Nemossus (Nemetum, d. h. Heiligtum) führte; die Römer nannten sie Augustonemetum. Sie hatte ein Schloß, Clarus mons, woraus der heutige Name entstand. 253 bekehrte St. Austramonius die Einwohner der Stadt zum Christentum und wurde der erste Inhaber des hier errichteten Bistums. Die Blüte der Stadt bestand bis in das 8. Jahrh., wo sie 761 von den Franken unter Pippin gänzlich zerstört wurde. 976 erlitt sie dasselbe Schicksal durch die Normannen. Im Mittelalter wurden hier sieben Kirchenversammlungen gehalten, worunter die merkwürdigste die von 1095, das große Konzil von C., ist, dem Papst Urban II. selbst beiwohnte, und auf welchem der erste Kreuzzug beschlossen wurde. Während der Kämpfe der Grafen gegen heimische und fremde Feinde (Engländer) flohen viele Bewohner des offenen Landes nach C.; später wurde C. Hauptstadt der Auvergne. Als König Philipp August 1212 dem Grafen Guido die Grafschaft genommen hatte, kam die Stadt in die Hände des Bischofs. Katharina von Medicis nahm sie als Gräfin von Auvergne wieder an sich. Ludwig XIII. verband 1633 C. mit Montferrand und nannte die Stadt C.-Ferrand. Vgl. Tardieu, Histoire de la ville de C. (1873, 2 Bde.).

3) (C. de Lodève oder de l'Hérault) Stadt im franz. Departement Hérault, Arrondissement Lodève, an der Südbahn, hat eine Kirche (St.-Paul) mit hohem Turm, ein Collège, ein Handelsgericht und (1876) 5685 Einw., welche besonders Tuch (für die Armee und für den Orient) und Leder fabrizieren, auch Handel mit Vieh, Getreide u. a. treiben.

4) (C. en Argonne) Stadt im franz. Departement Maas, Arrondissement Verdun, in bergiger Gegend, unweit der Aire und an der Ostbahn, hat Fayence-, Glas-, Papier-, Eisenwarenfabrikation und (1876) 1350 Einw. C. war vormals die feste Hauptstadt der alten Grafschaft Clermontais, welche 1564 der Bischof von Verdun an Karl II. von Lothringen, dieser aber 1641 an Ludwig XIII. abtrat. Ludwig XIV. ließ die Festungswerke schleifen und verlieh die Grafschaft dem Prinzen Condé.

Clermont-Tonnerre (spr. klärmóng-tonar), 1) Stanislas, Graf von, geb. 1747, Sprößling eines alten Adelsgeschlechts, dessen Stammsitz Clermont in der Gegend von Grenoble liegt, und das noch in mehreren Linien blüht, war vor der Revolution Oberst, trat 1789 als Abgeordneter des Adels in die Versammlung der Reichsstände, stimmte zwar für die Vereinigung der drei Stände, für Abschaffung der Privilegien und für eine Konstitution, aber auch für Bildung zweier Kammern, für das königliche Veto und andre Prärogativen der konstitutionellen Krone. Um dem Jakobinerklub die Wage zu halten, gründete er mit Malouet u. a. den Klub der Freunde der Monarchie (Club des amis de la monarchie), der sich aber, von Barnave als eine Gesellschaft von Verschwornen dargestellt, auflösen mußte. Auch das "Journal des impartiaux", das er mit Fontanes herausgab, wurde nach zwei Monaten unterdrückt und C. in seinem Hotel von dem Pöbel bedroht. Während der Vorgänge vom 10. Aug. 1792 überfiel ihn ein Volkshaufe in seinem Hotel und schleppte ihn vor die Sektion. Hier als schuldlos entlassen, ward er im Haus der Gräfin Brissac, in das er geflohen, vom wütenden Pöbel ermordet. Eine Sammlung seiner politischen Schriften ("Opinions") erschien 1791 in 4 Bänden.

2) Aimé Marie Gaspard, Marquis von, franz. Minister, geb. 27. Nov. 1779 zu Paris, trat in die französische Armee, machte die Feldzüge in Italien, Deutschland und Spanien mit und ward 1808 Adjutant des Königs von Neapel, in dessen Gunst und Dienst er fortan blieb. Nach 1814 trat er mit dem Rang eines Obersten in die französische Armee zurück, ward Maréchal de Camp und nach der zweiten Rückkehr des Königs Pair von Frankreich und Kommandeur der Gardekavallerie. Er stand auf seiten der gemäßigt konservativen Partei und ward 1820 unter Villèle Marineminister und Generalleutnant. 1823 vertauschte er das Ministerium der Marine mit dem des Kriegs und betrieb mit Energie die Reorganisation des Heerwesens. Nach der Juli-^[folgende Seite]

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