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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Cloisonné; Clölia; Clonakílty; Clones; Clonmél; Clontárf; Cloots; Clos Vougeot; Closen; Closener; Cloß

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Cloisonné - Clos Vougeot.

Cloisonné (franz., spr. kloas-), s. Emailmalerei.

Clölia, eine röm. Jungfrau, welche, nach der römischen Sage mit andern Jungfrauen dem König Porsena als Geisel übergeben, an der Spitze von jenen den Tiberstrom durchschwamm und glücklich zu den Ihrigen entkam. Von den Römern dem Porsena zurückgeschickt, wurde sie von diesem freigegeben und erhielt überdies die Erlaubnis, einen Teil der Geiseln mit sich zu nehmen, worauf sie die der Mißhandlung am meisten ausgesetzten Minderjährigen erwählte. In Rom wurde C. durch eine Reiterstatue (auf der Via sacra) geehrt.

Clonakílty, Stadt in der irischen Grafschaft Cork, an der gleichnamigen Bai, südwestlich von Bandon, größtenteils seit 1790 erbaut, mit (1881) 3676 Einw., war früher ein wichtiger Sitz der Leinwandfabrikation und treibt jetzt vorzugsweise Küstenhandel und Fischerei. Der Hafen ist durch eine Barre mit nur 3,6 m Wasser geschlossen.

Clones (spr. klohns), Stadt in der irischen Grafschaft Monaghan, am Inny, mit Klosterruinen aus dem 5. Jahrh. und (1881) 2216 Einw.

Clonmél, Hauptstadt des South Riding der irischen Grafschaft Tipperary, am schiffbaren Suir, über den drei Brücken führen, ist in einem reizenden Thal gelegen und schön gebaut, hat einen Gerichtshof, eine Kunstschule, ein Hospital und Irrenhaus und (1881) 9325 Einw., welche wichtigen Handel mit Landesprodukten treiben. Die Festungswerke wurden 1650 von Cromwell geschleift. Die Stadt ist Geburtsort des Dichters Lawrence Sterne.

Clontárf, Vorstadt von Dublin, nordöstlich davon am Meer gelegen, mit altem Schloß und (1881) 4210 Einw. Hier erfocht Brian Boroimhe 1014 seinen letzten Sieg über die Dänen.

Cloots, Jean Baptiste du Val de Grâce, Baron von, gewöhnlich Anacharsis C. genannt, einer der seltsamsten Schwärmer während der französischen Revolution, geb. 24. Juni 1755 auf Schloß Gnadenthal bei Kleve, wurde vom elften Jahr an zu Paris erzogen. Durch das eifrige Studium der Alten begeisterte er sich für die altgriechische Demokratie so, daß er unter dem Namen Anacharsis Europa bereiste, um für Herstellung derselben zu wirken; die Vereinigung aller Völker zu einer Familie war sein Ideal. Die französische Revolution schien ihm die Verwirklichung desselben zu verheißen; er erschien 19. Juni 1790 an der Spitze eines bunt gekleideten Haufens, der die Abgeordneten der verschiedenen Völker des Erdkreises vorstellte, vor der Nationalversammlung, überreichte ihr eine Dankadresse für die Erhebung gegen die Tyrannen und bat um Aufnahme aller in Paris befindlichen Fremden in die französische Gemeinschaft. Seitdem nannte er sich den Redner des Menschengeschlechts (orateur du genre humain). Er betrieb vor allem die Verbreitung der Revolution in den Nachbarlanden und steuerte 1792 zur allgemeinen Bewaffnung Frankreichs 12,000 Frank bei. 1793 von dem Oisedepartement in den Konvent gewählt, beantragte er als Feind des Königtums und des Christentums (er bezeichnete sich als persönlichen Feind Jesu) eine radikale Reform in Politik und Religion. Für den Tod Ludwigs XVI. stimmte er im Namen des Menschengeschlechts. Als ein Adliger und Reicher wurde er endlich aus dem Klub der Jakobiner ausgeschlossen, in den Fall Héberts verwickelt, 15. März 1794 verhaftet und 24. März hingerichtet. Er hinterließ eine Menge Schriften, darunter: "Certitude des preuves du Mohammédisme" (Lond. 1780); "L'orateur du genre humain, ou dépêches du prussiens Cloots au prussien Herzberg" (1791), und "Base constitutionnelle de la république du genre humain" (1793). Vgl. G. Avenel, Anacharsis C., orateur du genre humain (Par. 1865, 2 Bde.).

Closen, Karl, Freiherr von, bayr. Staatsmann, geb. 1786 zu Zweibrücken aus einem altadligen Geschlecht, Sohn Ludwig v. Closens (geb. 1755, gest. 1830), der im amerikanischen Freiheitskrieg 1780-83 als Adjutant Rochambeaus unter Washington focht und später in französischen Diensten bis zum Maréchal de Camp vorrückte. C. studierte 1802-1804 zu Wien und Landshut, ward 1814 Kreisrat, machte den Feldzug von 1814 unter Wrede mit, wurde 1817 Regierungsrat im Ministerium des Innern, 1819 Ministerialrat und wohnte als Abgeordneter der adligen Gutsbesitzer allen Landtagen bis 1831 bei. Wegen seiner liberalen Opposition in Ruhestand versetzt, widmete er sich dem Betrieb landwirtschaftlicher Unternehmungen und der Hebung der untern und mittlern Volksklassen. 1831 verweigerte ihm die Regierung den Eintritt in die Kammer, und 1833 wurde sogar eine Kriminaluntersuchung wegen Majestätsbeleidigung gegen ihn eröffnet, welche erst 1839 mit seiner Freisprechung endigte. Wieder in die Kammer der Abgeordneten zugelassen, wirkte er hier 1846-1848 vermittelnd. Im Vorparlament zu Frankfurt zum Mitglied des Fünfzigerausschusses gewählt, wohnte er nur wenigen Sitzungen desselben bei, da er vom König Maximilian II. zum Bundestagsgesandten, dann zum Bevollmächtigten bei der Zentralgewalt ernannt wurde. Nach dem Rücktritt des bayrischen Märzministeriums wurde er zum außerordentlichen Staatsrat ernannt. Er starb 19. Sept. 1856 kinderlos auf seinem Gut Gern. Er schrieb: "Kritische Zusammensetzung der bayrischen Landkulturgesetze" (Münch. 1818); "Die Armee als militärische Bildungsanstalt der Nation" (das. 1850, Zusätze 1851); "Die preußische Landwehr" (das. 1855).

Closener, Fritsche (Friedrich), Straßburger Chronist, lebte in der zweiten Hälfte des 14. Jahrh. und war Präbendar an der St. Katharinenkapelle des Münsters. Seine Chronik ist eine der frühsten in deutscher Sprache geschriebenen und der erste Versuch, die Geschichte einer einzelnen Stadt an die Universalgeschichte anzuknüpfen. Die Geschichte seiner eignen Zeit (bis 1362) ist anschaulich und belehrend, der Ausdruck einfach, das Urteil verständig. Die ganz vergessene und verloren geglaubte Chronik wurde von Strobel zu Paris in der Originalhandschrift wieder aufgefunden und in der Bibliothek des Stuttgarter Litterarischen Vereins (1843, Bd. 1), dann von Hegel in "Chroniken der deutschen Städte" ("Straßburg", Bd. 1, Leipz. 1870) herausgegeben. Vgl. Schneegans, Notice sur C. et Königshoven (Leipz. 1842).

Cloß, Gustav Paul, Maler, geb. 14. Nov. 1840 zu Stuttgart, lernte daselbst bei Funk, ging 1863 nach Italien und ließ sich dann in München nieder, von wo er Reisen durch Deutschland und nach Belgien und Frankreich unternahm. Er starb 14. Aug. 1870 in Prien am Chiemsee. C.' Landschaften erfreuen durch poetische Stimmung und klare Farbe, leiden jedoch an Oberflächlichkeit. Er hat namentlich viel für den Holzschnitt gezeichnet, worin Doré großen Einfluß auf ihn ausübte.

Clos Vougeot (spr. klo wuhscho), berühmte Weinberglage im franz. Departement Côte d'Or, 11 km südlich von Dijon, ca. 60 Hektar umfassend, erzeugt den trefflichsten Burgunderwein, war früher Eigentum der Abtei Cîteaux, dann des Bankiers Tourton, der das Grundstück für ½ Mill. Frank verkaufte.

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]