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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Cobequid Hills - Cocceji.

außerordentlicher Botschafter nach Paris ging. Seit 1805 lebte er in Wien, wo er 30. Aug. 1810 als der letzte seines Stammes starb. Vgl. v. Vivenot, Die Politik des österreichischen Vizestaatskanzlers Grafen Phil. v. C. unter Kaiser Franz II. (Wien 1874); Arneth, Graf Philipp C. u. seine Memoiren (das. 1885).

2) Johann Ludwig Joseph, Graf von, österreich. Staatsmann, Sohn des österreichischen Ministers Joh. Karl Philipp von C. (geb. 1712, gest. 1770), Vetter des vorigen, geb. 21. Nov. 1753 zu Brüssel, ging 1774 als Gesandter nach Kopenhagen, fungierte 1775-78 als solcher in Berlin und 1779 bis 1797 als Botschafter am russischen Hof. Da er sich bei der Kaiserin Katharina namentlich durch seine geselligen Talente in Gunst setzte, so gelang es ihm, alle Versuche Preußens, das Bündnis Rußlands und Österreichs zu trennen, zu vereiteln. 1797 unterhandelte er zu Udine mit Bonaparte, unterzeichnete 17. Okt. den Frieden von Campo Formio, wohnte dem Kongreß zu Rastatt bei und trat 1798 in seine frühere Stellung in Petersburg zurück. 1801 schloß er mit Joseph Bonaparte den Lüneviller Frieden und leitete als Staatskanzler die auswärtigen Angelegenheiten Österreichs, bis ihn die Ereignisse von 1805 veranlaßten, seine Stelle niederzulegen. Dennoch blieb er nicht ganz ohne Einfluß und war noch in seinen letzten Augenblicken bemüht, den Krieg von 1809 abzuwenden. Er starb 22. Febr. 1809 in Wien. C. bewies sich in seiner staatsmännischen Thätigkeit als entschiedenen Verfechter der alten Regierungsweise und unermüdlichen Bekämpfer der aus der französischen Revolution hervorgegangen politischen Ideen und Institutionen. Vgl. Fournier, Gentz und C. (Wien 1880).

Cobequid Hills, ein Höhenzug in der britisch-nordamerikan. Provinz Neuschottland, erstreckt sich vom Kap Chignecto an der Fundybai bis zum Gut of Canso, 280 km weit, dicht bewaldet, bis 335 m hoch und reich an Steinkohlen und Eisen.

Cobet, Carel Gabriel, holländ. Hellenist, geboren um 1813 zu Paris, studierte 1831-36 in Leiden, verblieb daselbst, bis er 1840 auf Staatskosten eine längere wissenschaftliche Reise antrat, und erhielt 1847 an der Universität Leiden eine Professur. Einer der bedeutendsten Kritiker auf dem Gebiet der griechischen Litteratur, hat er sich besonders um die Feststellung des attischen Dialekts verdient gemacht. Seine kritischen Hauptwerke, welche die verschiedensten Gebiete der griechischen Litteratur behandeln, sind: "Variae lectiones" (Leiden 1854, 2. Aufl. 1873); "Novae lectiones" (das. 1858); "Miscellanea critica" (besonders zu Homer und Demosthenes, das. 1876), und "Collectanea critica" (das. 1878). Dazu kommen: "Observationes criticae in Platonis comici reliquias" (Amsterd. 1840) und "Observationes criticae et palaeographicae ad Dionysii Halicarnassensis antiquitates romanas" (Leiden 1877). Herausgegeben hat er: Diogenes Laertius (Par., Didot 1850); "Hyperidis orationes duae" (Leiden 1853-58, 2. Aufl. 1877); Xenophons "Anabasis" (das. 1859, 3. Aufl. 1881) und "Hellenika" (Amsterd. 1862, 2. Aufl. 1880); Lysias (das. 1863); von den Lateinern den Cornelius Nepos (Leiden 1881). Sonst sind zu nennen: "Prosopographia Xenophontea" (Leiden 1836); "Oratio de arte interpretandi grammatices et critices fundamentis innexa" (das. 1847); "Praefatio lectionum de historia vetere" (das. 1853). Auch ist C. Mitherausgeber der "Mnemosyne".

Cobham (spr. kobbhäm), Dorf in der engl. Grafschaft Kent, 5 km von Gravesend, mit 900 Einw. und einem von Inigo Jones erbauten Schloß des Grafen Darnley, welches eine wertvolle Gemäldesammlung enthält und von einem großen Park umgeben ist.

Cobido, arab. Längenmaß, = 0,482 m.

Cobija (Puerto la Mar), Hafenort im Departement Antofagasta der südamerikan. Republik Chile, an seichter Bai, mit starker Brandung, unter 22° 34' südl. Br. Die Gegend ist kahl, und selbst Trinkwasser mangelt, so daß der Ort trotz seiner Privilegien als Freihafen nur 2000 Einw. hat.

Cobitis, Schmerle.

Cobla (provençal., "Verknüpfung"), in der Lyrik der Provençalen s. v. w. Strophe.

Cobourg, Stadt in der Provinz Ontario (Kanada), am Eriesee, mit gutem. Hafen, lebhaftem Handel und (1880) 4,957 Einw. C. ist Sitz der philosophischen und theologischen Fakultäten der Viktoria-Universität. Einfuhr 1882-83: 258,100 Doll., Ausfuhr 424,937 Doll.

Cobra ("Kupfer"), brasil. Münze, = 2 Vintems à 20 Reis (s. d.).

Cobra di Capello (port.), s. v. w. Brillenschlange.

Coburgia Belladonna, s. Amaryllis.

Coca, s. Erythroxylon.

Coca, Dorf in der span. Provinz Segovia, am Zusammenfluß des Eresma und Voltoya, mit (1878) 818 Einw. und einem alten maurischen Schloß, in welchem Prinz Wilhelm von Oranien 28 Jahre lang gefangen saß.

Cocagna (ital., spr. -kannja), früher Lustbarkeit der Neapolitaner, auf des Königs Kosten an den vier letzten Sonntagen des Karnevals veranstaltet, wobei ein pyramidenförmiges Gerüst mit allerlei Eßwaren, dessen Seiten durch Fett schlüpfrig gemacht waren, erklettert werden mußte, um die Speisen als Beute und Preis zu erlangen. Das Fest ist vielleicht auf die in der römischen Kaiserzeit üblichen Fruchtverteilungen an das Volk (Congiarium) zurückzuführen. Daher französisch Pays de Cocagne, s. v. w. Schlaraffenland.

Cocanada, s. Kakinada.

Cocceji, 1) Heinrich von, deutscher Rechtsgelehrter, geb. 25. März 1644 zu Bremen, studierte in Leiden und in England und wurde 1672 zu Heidelberg, 1688 zu Utrecht Professor der Rechte, 1690 Ordinarius der Juristenfakultät zu Frankfurt a. O. Zum Geheimrat ernannt und 1713 in den Adelstand erhoben, starb er 18. Aug. 1719. Sein Hauptwerk: "Juris publici prudentia" (Frankf. 1695 u. öfter), war lange Zeit das allgemeine Kompendium für die Disziplin des deutschen Staatsrechts. Viel gebraucht war auch seine "Anatomia juris gentium" (Frankf. 1718).

2) Samuel, Freiherr von, deutscher Rechtsgelehrter, jüngster Sohn des vorigen, geb. 20. Okt. 1679 zu Heidelberg, ward 1702 ordentlicher Professor in Frankfurt a. O., 1704 Regierungsrat zu Halberstadt, 1710 Direktor der Regierung daselbst, 1714 Geheimer Justiz- und Oberappellationsrat in Berlin, 1723 Kammergerichtspräsident, 1727 Staats- und Kriegsminister, 1730 Chef aller geistlichen Sachen und Oberkurator aller Universitäten, 1731 Präsident des Oberappellationsgerichts, 1738 Chef der Justiz in allen preußischen Landen, 1747 Großkanzler, 1749 in den Freiherrenstand erhoben. Er starb 4. Okt. 1755. Sein Hauptverdienst war die Verbesserung der Rechtspflege in Preußen. Auf dem Gebiet des materiellen Rechts hat das von ihm verfaßte "Projekt des Corporis juris Fridericiani" (Halle 1749-51, 2 Tle.) keine Gültigkeit erlangt und wurde auch den 1780 von neuem begonnenen Vorarbeiten für das allgemeine preußische Landrecht nicht zu Grunde gelegt. Er schrieb

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