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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Colchester; Colchicin; Colchicum; Colcotar Vitrioli

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Colchester - Colcotar vitrioli.

156,270 Einw., die, im Land zerstreut, hauptsächlich vom Landbau und der Viehzucht leben. Hauptstadt ist San Fernando (s. d.).

Colchester (spr. kolltschestr, Colonia Camulodunum der Römer), alte Stadt in der engl. Grafschaft Essex, auf einer Anhöhe am schiffbaren Colne, 12 km oberhalb dessen Mündung bei Brightlingsea, und Schiffen von 120 Ton. zugänglich, hat einen gewaltigen Schloßturm aus der Zeit Wilhelms des Eroberers (jetzt Altertumsmuseum), die Ruine der St. Botolphepropstei aus dem 12. Jahrh. nebst großen Resten seiner alten Stadtmauern. Aus neuerer Zeit stammen das Rathaus, die Kornbörse und die ausgedehnten Kasernen. C. hat (1881) 28,395 Einw. Früher Sitz der Wollindustrie und dann der Seidenweberei, ist C. jetzt namentlich seiner Austernzucht wegen bekannt. Zum Hafen gehörten 1884: 224 Seeschiffe von 6539 Ton. und 353 Fischerboote. - C. gilt für das alte Camulodunum, eine Stadt der Trinobanter im römischen Britannien, das Kaiser Claudius zur Kolonie erhob. Britische Schriftsteller bezeichnen es auch, wahrscheinlich mit Unrecht, als Geburtsort des Kaisers Konstantin. Zahlreiche römische Altertümer, die hier gefunden sind, zeugen von der einstigen Blüte, die der Ort später nicht behaupten konnte. Eine Anzahl Vlämen, durch den Herzog Alba aus ihrem Vaterland vertrieben, verpflanzte 1571 ihre Industrie hierher. Im J. 1648 ward es als Zufluchtsort der Königlichen belagert und durch Aushungern von den Parlamentstruppen genommen. Vgl. Cromwell, History and description of the ancient town and borough of C. (Lond. 1825, 2 Bde.).

Colchester (spr. kolltschestr), 1) Charles Abbot, Lord, geb. 14. Okt. 1757 zu Abingdon, studierte unter anderm in Genf, wo er zu Johann v. Müller in nähere Beziehung trat, saß seit 1795 im Parlament, wurde 1801 unter Addington Obersekretär für Irland und 1802 Sprecher des Unterhauses, welches Amt er 15 Jahre bekleidete. Als er 1817 aus Gesundheitsrücksichten zurücktrat, wurde er Peer mit dem Titel Baron C.; er starb 8. Mai 1829. Vgl. "Diary and correspondence of Lord C." (hrsg. von seinem Sohn, Lond. 1861, 3 Bde.).

2) Charles Abbot, zweiter Lord, geb. 12. März 1798, stieg im Seedienst bis zum Vizeadmiral, war im Ministerium Lord Derbys 1852 Vizepräsident des Handelsamts und Generalzahlmeister, von 1858 bis 1859 Generalpostmeister, in welcher Stellung er sich durch Abschluß von Postkonventionen mit dem Ausland verdient machte; starb 18. Okt. 1867.

Colchicin C17H19NO5 ^[C_{17}H_{19}NO_{5}], Alkaloid, welches sich in der Herbstzeitlose, Colchicum autumnale, besonders in deren Samen und Knollen, findet, wird erhalten, indem man den Samen mit Alkohol und etwas Schwefelsäure auszieht, den Auszug mit etwas Kalk versetzt, filtriert, verdampft, den Rückstand mit kohlensaurem Kali fällt, den Niederschlag trocknet und mit Alkohol auszieht. Das nach dem Verdampfen der alkoholischen Lösung zurückbleibende C. ist gelblichweiß, amorph, geruchlos, schmeckt stark bitter, löst sich in Wasser und Alkohol, nicht in Äther, schmilzt bei 140°, ist nicht flüchtig, reagiert schwach alkalisch, und seine Salze sind nicht in fester Form zu erhalten. Es ist stark giftig.

Colchicum L. (Zeitlose, Lichtblume), Gattung aus der Familie der Liliaceen, Kräuter mit dicker, von trocknen, braunen Hülsen umgebener, meist tief im Boden steckender Knolle, grundständigen, linealischen Blättern, welche meist erst im Frühjahr nach der in den Herbst fallenden Blütezeit erscheinen, meist einzeln (oder zu zwei oder drei) stehenden Blüten mit trichterförmigem Perigon, sehr langer, enger, größtenteils im Boden steckender Röhre und oblonger oder kugeliger, aufgeblasener, vielsamiger Kapsel. 29 Arten, meist im Orient und in den Mittelmeerländern. C. autumnale L. (Herbstzeitlose, s. Tafel "Giftpflanzen I") findet sich überall in Deutschland, in Mittel- und Südeuropa, auch in den süd- und ostkaukasischen Ländern Imeretien und Mingrelien, dem alten Kolchis, in Nordafrika auf feuchten Wiesen als letzte Zierde des Herbstes. Der Stengel erhebt sich aus braunen Hüllen, welche gleichzeitig im Herbst eine eiförmige Knolle einschließen, auf der im Sommer der fruchttragende, im Herbst abgestorbene Stengel gestanden hat. Als entwickelte Seitenknospe desselben erhebt sich der kurze, jetzt blühende Stengel, und etwas über dem untersten Blattwinkel desselben ist bereits das Knöspchen zur nächstjährigen Blüte angelegt. Von dem im Herbst verblühenden Stengel verlängern sich im folgenden Frühjahr die beiden obern Stengelglieder und schieben die Blätter und Fruchtstengel über den Boden hervor. Im Sommer verdickt sich dann das unterste Stengelglied, während gleichzeitig die im vorigen Herbst vorhanden gewesene Knolle abstirbt. Die Frucht reift, und der fruchttragende Stengel stirbt wieder ab, während nun die dritte Generation, jenes erwähnte Knöspchen, zur Blüte gelangt. Die Entwickelung ist also zweijährig, und da man im Frühjahr die Fruchtkapseln, im Herbste die Blüten auf den Wiesen sieht, so nannte man die Pflanze filius ante patrem, weil man glaubte, daß sie die Früchte vor der Blüte entwickele. Die Blüte ist hell lila-rosenfarben. Die frische Knolle, im Spätsommer gesammelt, riecht widrig rettichartig, schmeckt süßlich, dann scharf bitter und kratzend, nach dem Trocknen nur noch bitter; sie enthält als wesentlichen Bestandteil Colchicin in geringer (0,066 Proz.), nach den Jahreszeiten wechselnder Menge. Die offiziellen Samen sind feingrubig punktiert, braun, durch Ausschwitzung von Zucker etwas schmierig, geruchlos, schmecken sehr bitter und enthalten neben 6 Proz. Fett und Gallussäure 0,2-0,3 Proz. Colchicin. Schon Dioskorides warnte vor der giftigen Wurzel der Zeitlose, und durch das ganze Mittelalter waren ihre gefährlichen Wirkungen wohlbekannt; aber erst Störck zog sie 1763 in arzneiliche Anwendung. Als Radix (Tuber) Colchici war sie lange offizinell und auch unter den Namen Wiesensafran-, wilde Safran-, Herbstrosen-, nackte Jungfer-, Hahnenklötenwurzel bekannt. Der Same und daraus bereitete Präparate werden gegen Gicht und Rheumatismus angewandt; große Dosen wirken, wie auch die Wurzeln und Blüten, stark giftig. Die Kühe, welche Kraut und Blüten fressen, geben blutige Milch. Bisweilen hat man Colchicumsamen betrügerisch als Hopfensurrogat in der Bierbrauerei angewandt. Als Zierpflanzen kultiviert man auch Spielarten mit weißgelben, rötlichbunten, rosenroten und lilafarbenen Blüten sowie mit weiß gestreiften Blättern auf Rasenplätzen und als Einfassung am Rand kleiner Strauchgruppen. Hierzu eignet sich auch C. variegatum L., in Portugal, Sizilien, auf Kreta und in Kleinasien einheimisch, mit wellenförmigen, lanzettförmigen Blättern und buntwürfelig gefleckten Blüten, die auch im Herbst erscheinen, die angebliche Stammpflanze der bei den Alten und im Mittelalter sehr geschätzten platten, herzförmigen, von allen Hüllen befreiten, als Hermodatteln (Hermodakteln) bekannten Knollen.

Colcotar Vitrioli, s. v. w. Caput mortuum.

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]