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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Colērus; Colesberg; Cölestīn; Cölestiner; Cölestiner-Eremiten; Cölestīnus

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Colerus - Cölestinus.

ganzen aber fehlt es ihnen an Handlung und Leidenschaft. Originell und groß ist C. aber, wenn er sich ganz den wilden Eingebungen seiner Phantasie hingibt und den Aberglauben alter Zeiten, Zauberbilder und geheimnisvolle Märchen aus einer andern Welt in melodischen Versen an uns vorüberziehen läßt. Hierher gehören: die wild-erhabene Rhapsodie "Fire, famine and slaughter", das düster-schöne, durch Lord Byron veranlaßte, unvollendete Gedicht "Christabel" (1818 geschrieben; deutsch von Krantz, Danzig 1839) und "The ancient mariner" (deutsch von Freiligrath; von Höfer, Berl. 1844), zu dem eine Erzählung des Weltumseglers Shelvock den Stoff lieferte. Coleridges Dichtungen erschienen gesammelt 1834 in 4 Bänden (wiederholt 1880). Seine prosaischen Schriften sind: "The Friend" (eine Sammlung von Essays in zwei Serien, Lond. 1812 und 1850); "The statesman's manual, a lay sermon" (1816); "A second lay sermon" (1817; mit ersterm zusammen, 3. Aufl. 1852); "Aids to reflection" (1825; 5. Aufl. 1843, 2 Bde.); "On the constitution of the church and state" (1830, 4. Aufl. 1852). Nach seinem Tod erschienen: "Litterary remains" (1836-1839, 4 Bde.; neue Ausg. 1863); "Confessions of an inquiring spirit" (1849) und "Theory of life" (hrsg. von Watson, 1849); auch sein "Table-talk" ("Tischgespräche", neue Ausg. 1884) und ein Teil seiner Korrespondenz wurden gesammelt. Eine Ausgabe der "Complete works" in 7 Bänden besorgte Shedd (New York 1884). Eine Art Selbstbiographie ist die "Biographia litteraria" (Lond. 1817, 2 Bde.; neue Ausg. 1866); die "Memoirs of T. C." gab Gillman (das. 1838, 2 Bde.) heraus. Vgl. Calvert, C., Shelley, Goethe (Boston 1880); Traill, C. (Lond. 1884).

2) Hartley, engl. Dichter, Sohn des vorigen, geb. 19. Sept. 1796 zu Clevedon bei Bristol, erhielt seine Bildung in Oxford und erregte schon als Kind durch seine dichterischen Anlagen die größten Erwartungen, die aber später nicht ganz erfüllt wurden. Einiges in seinen "Poems" (Lond. 1833) schließt sich an die besten Erzeugnisse der englischen Dichtkunst an. Er schrieb außerdem: "Biographia borealis" (eine Sammlung nordischer Biographien, Lond. 1833) und "The Worthies of Yorkshire and Lancashire" (1836; neue Ausg. 1852, 3 Bde.). Eine Ausgabe seiner "Essays and marginalia" (1851, 2 Bde.) sowie seiner "Poems" (1852, 2 Bde.) wurde von seinem Bruder Derwent C. veranstaltet. C. starb 6. Jan. 1849 zu Rydal in Westmoreland. - Seine nicht minder begabte Schwester Sara C., geb. 22. Dez. 1802 zu Greta Hall bei Keswick, seit 1829 mit ihrem Vetter Henry Nelson C. verheiratet, besaß eine gründliche Kenntnis der griechischen und lateinischen sowie der neuern Sprachen und hat sich durch die Herausgabe der Gedichte ihres Vaters (1847) wie früher durch Übersetzungen, z. B. "An account of the Abipones, an equestrian people of Paraguay" (a. d. Lat. des M. Dobrizhofer, 1822, 3 Bde.) und "Memoirs of the Chevalier Bayard" (a. d. Franz. des 16. Jahrh., 1825), verdient gemacht. Auch schrieb sie: "Pretty lessons for good children" (6. Aufl. 1874) und "Phantasmion", eine reizende Feengeschichte (1837, neue Ausg. 1874). Sie starb 1852. Vgl. ihre "Memoirs and letters" (4. Aufl. 1874).

Colērus, Johann, s. Coler.

Colesberg, Hauptort des gleichnamigen Distrikts in der Kapkolonie, südlich vom Oranjefluß, durch Eisenbahn mit Port Elizabeth verbunden, mit (1875) 1312 Einw. Ausfuhr von Produkten der Viehzucht.

Cölestīn (Schützit), Mineral aus der Ordnung der Sulfate, findet sich in säulen- und tafelförmigen, rhombischen Kristallen, gewöhnlich zu Drusen vereinigt, auch derb in stängeligen und schaligen Aggregaten, in Platten und Trümern von parallelfaseriger und in Nieren von feinkörniger bis dichter Zusammensetzung. Er ist durchsichtig bis durchscheinend, farblos, wasserhell, meist aber weiß, grau und blau gefärbt, wahrscheinlich durch eine bituminöse Substanz, zuweilen auch rötlich, von Glasglanz in Fettglanz fallend; Härte 3-3,5, spez. Gew. 3,9-4. Er besteht aus schwefelsaurem Strontian SrSO4 ^[SrSO_{4}], findet sich mit Schwefel, Kalkspat, Gips in verschiedenen Kalkformationen, besonders schön und in großer Menge in den Gips- und Schwefellagern der Südküste Siziliens, auf der Strontianinsel im Eriesee in Nordamerika, bei Bristol in England, bei Süntel und Nörten in Hannover, auch auf Erzgängen, so zu Herrengrund in Ungarn, zu Leogang im Salzburgischen, zu Meudon und Bougival, auch im Syenit ausgezeichnet schön und in zweifacher Färbung zu Scharfenberg bei Meißen. Der faserige C. findet sich in den Mergellagern des Muschelkalks bei Dornburg in der Nähe von Jena, zu Schönebruch in Sachsen, zu Bristol, Frankstown in Pennsylvanien etc., der dichte C. am Montmartre bei Paris. C. dient zur Darstellung von Strontiansalzen.

Cölestiner, eine Abteilung der Benediktiner, gestiftet um 1254 von dem Anachoreten Petrus von Murrhone, dem nachmaligen Papst Cölestin V. (s. d.). Die päpstliche Bestätigung mit ansehnlichen Privilegien erfolgte 1264 durch Urban IV. Tochterklöster erstanden bald in Italien, Frankreich, Deutschland und den Niederlanden; heute hat der Orden der C. nur noch in Italien einige Niederlassungen.

Cölestiner-Eremiten, s. Franziskaner.

Cölestīnus, Name von fünf Päpsten:

1) C. I., Heiliger, wurde 422 Papst, führte einen unglücklichen Streit mit den Bischöfen in Afrika, die das Recht der Appellation nach Rom verwarfen, und verdammte den Nestorius als Irrlehrer. C. starb 432. Sein Gedächtnistag ist der 6. April. -

2) C. II., vorher Guido di Castello, ein Toscaner, Papst vom 26. Sept. 1143 bis 8. März 1144, hob auf König Ludwigs VII. von Frankreich Bitte das über dieses Land von seinem Vorgänger ausgesprochene Interdikt wieder auf. -

3) C. III., vorher Kardinal Hyacinth Orsini, aus römischem Adel, ward, 85 Jahre alt, 21. März 1191 Papst. Er mußte am Osterfest 1191 Heinrich VI. krönen und sich überhaupt dem kräftigen Willen des Kaisers beugen. Er starb 8. Jan. 1198. -

4) C. IV., vorher Bischof Gottfried von Sabina, ein Mailänder aus dem Geschlecht der Castiglione, starb nach einem Pontifikat von 16 Tagen 8. Okt. 1241. -

5) C. V., vorher Petrus, geboren um 1215 zu Issernia in Apulien, lebte lange als Einsiedler auf dem Berg Murrona in den Abruzzen, wo er als Heiliger vom Volk verehrt wurde, war Stifter des Cölestinerordens und wurde von den Parteien zu Rom, die an ihm ein Werkzeug zu finden hofften, 5. Juli 1294 zum Papst erhoben. Er stand ganz unter dem Einfluß Karls II. von Anjou, da er in weltlichen Geschäften völlig unerfahren war, und zeigte sich seiner Stellung nicht gewachsen. Er entsagte daher seiner Würde schon 13. Dez. 1294. Sein Nachfolger Bonifacius VIII. wollte den volksbeliebten Heiligen in seiner Gewalt behalten. C. entfloh, ward aber eingeholt und in der Citadelle Fumone streng bewacht, wo er 19. Mai 1296 starb. Unter Clemens V. wurde er heilig gesprochen. C.' Gedächtnistag ist der 19. Mai.

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]