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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Coelesyrĭa; Cölestius; Colet; Colette; Colĕus; Colfax; Cölibāt

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Cölestius - Cölibat.

Cölestius (Cälestius), früher Advokat, lernte in Rom den Pelagius kennen und ward gleich ihm Gegner der Lehre Augustins von der gänzlichen Verderbnis der menschlichen Natur und deshalb 412 aus einer Synode zu Karthago exkommuniziert. S. Pelagianer.

Coelesyrĭa, Land, s. Kölesyrien.

Colet (spr. kŏlä), Madame, eigentlich Louise Revoil, franz. Dichterin, geb. 1810 zu Marseille, trat schon früh mit dichterischen Versuchen hervor und erhielt für einige ihrer Gedichte von der Akademie den ersten Preis. Seitdem entwickelte sie in Romanen, Reiseschilderungen, Dramen, lyrischen Sammlungen u. a. eine erstaunliche Fruchtbarkeit. Ihre Lyrik ist nicht ohne Grazie, die Verse fließen leicht und ungezwungen; bisweilen stören aber allzu männliche Accente und eine gewisse Affektation heroischer Gefühle. Hierher gehören: "Les fleurs du midi" (1836), "Penserosa" (1840), "Le poème de la femme" (1853), "Ce qu'on rêve en aimant" (1854) u. a. Zu einem ihrer Lustspiele hat Goethe den Stoff geben müssen: "La jeunesse de Goethe" (1839). Von Romanen sind zu erwähnen: "Deux mois d'émotion" (1843); "Folles et saintes" (1844); "Hélène" (1854); "Lui, roman contemporain" (1859) u. a. Ihre Reiseeindrücke und ethnographischen Studien hat sie niedergelegt in: "Promenade en Hollande" (1859); "Deux mois dans les Pyrénées" (1866); "Naples sous Garibaldi" (1861); "L'Italie des Italiens" (1862-64, 4 Bde.). Außerdem veröffentlichte sie: "Les derniers abbés, mœurs religieuses d'Italie" (1868); "Les dévotes du grand monde; types du second empire" (1873) und "Lettres de Béranger et détails sur sa vie" (1857). Sie starb 8. März 1876 in Paris.

Colette (spr. -lett), Heilige, geb. 1380 zu Corbie im Departement Somme, verwandte ihr Erbteil zu frommen Zwecken und begab sich zu den Beghinen, dann zu den Franziskanerinnen, endlich zu den Urbanistinnen, veranlaßte eine Spaltung zwischen diesen und den armen Klarissinnen oder Colettinnen, welche dauerte, bis 1517 alle Zweige des Ordens unter dem Namen der Observantinerinnen vereinigt wurden. C. starb 1446 in Gent, wurde aber erst 3. März 1807 heilig gesprochen.

Colĕus Lour. et Benth., Gattung aus der Familie der Labiaten, aromatische Kräuter oder Halbsträucher mit großen, gegenständigen Blättern und kleinen, unscheinbaren Blüten; etwa 50 Arten in Ostindien, auf den Malaiischen Inseln und in Afrika. C. amboinicus Lour. (C. aromaticus Benth.) ist ein Halbstrauch aus den Molukken und in Kochinchina, mit sechs- bis zehnblütigen, Ähren bildenden Blütenquirlen von starkem, gewürzhaftem, etwas zitronenartigem Geruch und erhitzendem Geschmack, wird, wie C. barbatus Benth., ein Halbstrauch in Ägypten und Arabien, medizinisch benutzt. Mehrere Arten, wie C. Blumei Benth., C. Mackragi Benth., C. Verschaffelti Lem., aus Ostindien und Java, werden als buntblätterige Zierpflanzen kultiviert. Durch vielfache Kreuzungen hat man eine außerordentliche Mannigfaltigkeit der Blattzeichnungen erhalten, doch erreichen diese neuern Sorten die größte Schönheit des Farbenkolorits nur bei Kultur unter Glas. Im Hochsommer werden sie viel zu Teppichbeeten benutzt.

Colfax (spr. kohlfäcks), Schuyler, Vizepräsident der Vereinigten Staaten von Nordamerika, geb. 23. März 1823 zu New York, trat seiner Armut wegen schon mit dem zehnten Lebensjahr, um seinen Lebensunterhalt zu erwerben, in ein Handlungshaus. Drei Jahre später zog er mit seiner Mutter nach dem Staat Indiana und erreichte mit der Zeit die einträgliche Stellung eines Deputy County Auditor in St. Joseph County. 1845 gründete er eine Zeitung, durch welche er bald großen Einfluß ausübte. 1848 wählte ihn die Whigpartei wegen seiner hervorragenden politischen Befähigung zum Delegierten für die in Philadelphia zusammentretende Nationalkonvention, in welcher er das ehrenvolle Amt eines Sekretärs erhielt. 1854 ward er als Vertreter der republikanischen Partei in den Kongreß gewählt. Schon zu Anfang seiner parlamentarischen Laufbahn hatte er sich durch eifrige Thätigkeit für Befreiung der Neger einen Namen gemacht. 1861 ward er Vorsitzender der Kommission für Verkehrswesen und beschäftigte sich lebhaft mit dem Bau von Eisenbahnverbindungen nach Westen, welcher in der Pacificbahn verwirklicht wurde. Am 7. Dez. 1863 zum Sprecher des Repräsentantenhauses gewählt, machte er sich in dieser Stellung durch seine Mäßigung und Festigkeit so angesehen und beliebt, daß er zu dem wichtigen Posten eines Vizepräsidenten erhoben ward, welchen er 4. März 1869 antrat. Bei der Präsidentenwahl 1872 wegen Beteiligung an der Korruption seiner Partei nicht wieder gewählt, übergab er 4. März 1873 sein Amt seinem Nachfolger Wilson und widmete sich seitdem industriellen Unternehmungen. Er starb im Januar 1885 in Minnesota.

Cölibāt (lat.), im allgemeinen der ehelose Stand, im besondern die Verpflichtung zur Ehelosigkeit, die für den römisch-katholischen Klerus besteht. Das Judentum enthält nur die Vorschrift, daß der Priester keine Entweihte oder Geschiedene, ein Hoherpriester keine Witwe heiraten durfte, alle aber zur Vorbereitung auf heilige Handlungen des geschlechtlichen Umganges sich enthalten mußten. Im Neuen Testament gehen zwei Richtungen nebeneinander her. Christus selbst sieht zwar eine urälteste und heilige Gottesordnung in der Ehe (Matth. 19, 4 ff.); wie dieselbe sich aber trotzdem mit seiner eignen Aufgabe und Stellung nicht vertrug, so kennt er unter seinen Nachfolgern, im Gegensatz zu den Eunuchen der Natur und der Verstümmelung, auch Eunuchen des sittlichen Willens (Matth. 19, 12), und in dieser Spur gehen in der That die Offenbarung des Johannes (14, 4) und mit besonderer Entschiedenheit Paulus (1. Kor. 7. 1.7.28-38) einher, welcher ausdrücklich erklärte, daß das Nichtheiraten unter bestimmten Umständen, "um der gegenwärtigen Not willen", besser sei. Die andern Apostel dagegen, Petrus voran, waren beweibt (Matth. 8, 14; 1. Kor. 9, 5), und die Pastoralbriefe fordern gerade auch vom Bischof, daß er als Familienvater ein Vorbild für die Herde (1. Tim. 3, 4 ff.; Tit. 1, 6) und "Eines Weibes Mann sei" (1. Tim. 3, 2; Tit. 3, 6). Nachdem seit dem 2. Jahrh. die sich der Vollkommenheit Befleißigenden freiwillige Gelübde der Ehelosigkeit abgelegt, stellte sich auch mit wachsender Bestimmtheit die Vorstellung ein, daß denen, welche als Priester täglich die heiligen Mysterien handhaben, die Ehe eigentlich nicht anstehe. Seit Anfang des 4. Jahrh. ergehen an mehreren Orten der Kirche schon Gesetze in dieser Richtung, und der auf dem ökumenischen Konzil zu Nicäa (325) von einer asketischen Partei gemachte Versuch, den verheirateten Klerikern bis zum Subdiakon die eheliche Beiwohnung nach erlangter Weihe zu verbieten, scheiterte nur an der Beredsamkeit des Paphnutius, der, obwohl selbst strenger Asket, die Heiligkeit des ehelichen Lebens mit solchem Erfolg verteidigte, daß nur den unverheiratet in den Klerus eintretenden Geistlichen der drei obern Grade nach Erlangung derselben die Eingehung der Ehe untersagt wurde. Hierzu stimmt es, wenn noch

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]