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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Colĭco; Coligny

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Colico - Coligny.

die Synode von Gangra 355 einen jeden für anathematisiert erklärte, der an dem Gottesdienst eines verehelichten Priesters teilzunehmen sich weigere. Nichtsdestoweniger wirkte das Vorbild des Mönchsstandes, hinter welchem die Priesterschaft nicht allzuweit zurückbleiben durfte, entscheidend zu gunsten des Cölibats, und es wurde namentlich in der orientalischen Kirche bald vorwaltende Observanz, daß wenigstens die Bischöfe, wenn sie verheiratet waren, aus dem ehelichen Verhältnis heraustraten. Noch strengere Ansichten machten sich im Abendland auf der Synode von Elvira 305 geltend, indem hier von den verheirateten Klerikern der drei höhern Grade die Enthaltung von dem ehelichen Umgang gefordert wurde, und drangen seit 385 durch den römischen Bischof Siricius, der die Ehe der Priester obscoenae cupiditates nannte, im Abendland durch. Ihm schlossen sich die folgenden Bischöfe (Innocenz I. 404 und 405, Leo I. 446 und 458) an, und auf zahlreichen Synoden wurden Verordnungen erlassen, welche die unbedingte Enthaltsamkeit vom ehelichen Leben Priestern, Diakonen und Subdiakonen vorschrieben und Verheiratete nur nach abgelegtem Gelübde der Keuschheit zu diesen Graden zu ordinieren erlaubten. Die weltliche Gesetzgebung bestätigte diese Bestimmungen mit dem Zusatz, daß Ehen der Kleriker der höhern Weihen nach ihrer Ordination als nichtig und die aus solchen entsprossenen Kinder als unehelich zu betrachten seien. Ebenso war auch im Morgenland die Gesetzgebung Justinians der Priesterehe durchaus ungünstig. Im geistlichen Amt zu heiraten, war vom Subdiakon aufwärts untersagt; schon Verheiratete wurden jedoch bis zur Weihe des Presbyters zugelassen, und erst die Ordination zum Bischof war durch Ehelosigkeit bedingt. Bei diesen Satzungen, welche das trullanische Konzil 692 bestätigte, blieb das griechische Kirchenrecht stehen.

In der lateinischen Kirche dagegen wurden die alten Verordnungen wider die Priesterehe zwar immer aufs neue und besonders seit dem Pontifikat Leos IX. (1048-54) sehr nachdrücklich wiederholt; aber thatsächlich drangen die Cölibatsgesetze so wenig durch, daß es in allen Ländern und selbst unter den Augen des Papstes viele verheiratete Priester gab. Erst Gregor VII. hat das im Zusammenhang mit seinem Prinzip der Lostrennung der Kirche von jeder weltlichen Macht sowie zur Verhütung der Vererbung der Kirchenämter vom Vater auf den Sohn 1074 auf einer Synode zu Rom erlassene Dekret, daß jeder beweibte Priester, der das Sakrament verwalte, ebenso wie der Laie, welcher aus der Hand eines solchen das Sakrament empfange, mit dem Bann bestraft werden solle, ungeachtet des heftigsten Widerstandes, besonders auf seiten des niedern Klerus, in Vollzug gesetzt. Calixtus II. (1119 und 1123) und Innocenz II. (1139) erklärten sämtliche Priesterehen überhaupt für ungültig. Das spätere kanonische Recht hat diese Bestimmungen zu wiederholten Malen bestätigt, und der von einem Kardinal auf dem Konstanzer Konzil gemachte Vorschlag der Wiedereinführung der Priesterehe sowie die selbst von katholischen Fürsten ausgehenden Bemühungen, das Konzil zu Trient zur Aufhebung des Cölibats zu bewegen, hatten nur die Bestätigung der ältern Bestimmungen zur Folge. Die jetzt bestehende Disziplin hinsichtlich des Cölibats in der römisch-katholischen Kirche ist mithin im wesentlichen folgende: Eine verheiratete Person kann nicht ordiniert werden, denn die Ehe ist unauflöslich und doch mit einem höhern geistlichen Grad unvereinbar. Eine Ausnahme tritt nur dann ein, wenn sich die Frau bereit erklärt, ins Kloster zu gehen. Schließt ein höherer Kleriker dennoch eine Ehe, so ist dieselbe gesetzlich nichtig. Den Geistlichen trifft zugleich die Exkommunikation und Suspension. Wenn ein Kleriker niedern Grades (minoris ordinis) heiratet, so ist die von ihm geschlossene Ehe zwar gültig, aber Funktion und Pfründe (officium et beneficium) sollen ihm entzogen werden. Dabei darf jedoch nicht verschwiegen werden, daß die Klagen über Ausschweifungen der Kleriker im geheimen oder mit den Haushälterinnen so alt und so neu sind, als das C. überhaupt gesetzlich besteht. Mußte doch im Mittelalter auf Drängen der Gemeinden den Geistlichen das Konkubinat gestattet werden, damit nicht ehrbare Frauen und Töchter verführt würden, und Bischöfe begünstigten dasselbe wegen der darauf ruhenden Steuern. In neuerer Zeit wurden Anträge auf Aufhebung des Cölibats wiederholt von verschiedenen Seiten, unter andern von den Kammern in Baden, Hessen, Bayern, Sachsen und andern Ländern, gestellt, blieben aber ohne Wirkung. Selbst der Wunsch, daß Priester in den Laienstand zurücktreten dürften, fand kein Gehör. Gregor XVI. erklärte sich in einem Umlaufschreiben vom 15. Aug. 1832 und in einem Erlaß an die oberrheinische Kirchenprovinz vom 4. Okt. 1833 aufs entschiedenste gegen alle derartigen Bestrebungen. In Frankreich traten zur Zeit der Revolution vereidigte Priester in den Ehestand, aber das Konkordat von 1801 drang auf das C.

In der griechischen Kirche gelten noch die alten Gesetze. Die Geistlichen der höhern Grade dürfen nach erhaltener Weihe nicht heiraten. Da aber bereits Verheiratete ordiniert werden können, so ist es Observanz geworden, daß jeder angehende Geistliche kurz vor dem Empfang der Weihe zur Ehe schreitet. Die zweite Ehe und die mit einer Witwe schließen vom geistlichen Amt aus. Die Bischöfe müssen stets ehelos gewesen sein und werden daher regelmäßig aus dem Mönchsstand gewählt.

Die evangelische Kirche hat nach ihrem Grundprinzip der Freiheit sogleich von Anfang an ihre Geistlichen von der Verpflichtung zum C. befreit. Schon ehe Luther in der Schrift "Ermahnung an kaiserliche Majestät und den christlichen Adel deutscher Nation von des christlichen Standes Verbesserung" 1520 sich ausführlich über die Zulässigkeit der Priesterehe ausgesprochen hatte, setzten sich einige seiner Anhänger unter den Geistlichen über das Cölibatsgesetz hinweg, und Luther selbst machte 1525 von der evangelischen Freiheit Gebrauch. Die symbolischen Bücher und die Kirchenordnungen bestätigen allgemein die Zulässigkeit der Priesterehe. Vgl. Ant. und Aug. Theiner, Die Einführung der erzwungenen Ehelosigkeit bei den christlichen Geistlichen (2. Ausg., Altenb. 1845, 2 Bde.); v. Holtzendorff, Der Priestercölibat (Berl. 1875); v. Schulte, Der Cölibatszwang und dessen Aufhebung (Bonn 1876); Laurin, Der C. der Geistlichen nach kanonischem Recht (Wien 1880); Lea, Historical sketch of sacerdotal celibacy (2. Aufl., Boston 1884).

Colĭco, Flecken in der ital. Provinz Como, am Nordostrand des Comersees, mit (1881) 828 Einw.; wichtig als Ausgangspunkt der Alpenstraßen über den Splügen und das Stilfser Joch, an welche sich hier die Dampferlinie über den Comersee nach Como anschließt.

Coligny (spr. kollinjí), 1) Gaspard von Châtillon, Graf von, Admiral von Frankreich, geb. 16. Febr. 1517 zu Châtillon sur Loing als Sprößling eines alten, angesehenen Geschlechts, Sohn des Marschalls

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