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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Colletta; Colli; Colliberts; Collier

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Colletta - Collier.

wodurch Schweden die Selbständigkeit Norwegens und dessen Konstitution anerkannte. 1822 übernahm er das Departement des Finanz-, Handels- und Zollwesens, ward aber wegen des damals auf der norwegischen Regierung lastenden schwedischen Einflusses unpopulär, selbst wegen Verletzung des Staatsgrundgesetzes beim Reichsgericht angeklagt, aber freigesprochen. Als Vorsitzender im Staatsrat seit 1829 gewann er die verlorne Popularität wieder. Als er aber den Beschluß des Königs vom 2. Juli 1836, betreffend die Auflösung des Storthings, letzterm unter der Hand mitteilte, so daß die Versammlung das Budget noch schleunigst votieren und so die Absicht des Hofes vereiteln konnte, sah er sich genötigt, seinen Abschied zu nehmen, und widmete sich fortan den Wissenschaften und dem Landbau. Allgemein hochgeachtet, starb er 3. Jan. 1851.

2) Peter Jonas C., Neffe des vorigen, geb. 12. Sept. 1813 zu Drammen, gest. 18. Dez. 1851 als Professor der Rechte in Christiania, hat sich durch "Foreläsninger over Personretten" (Christiania 1845) in seinem Vaterland den Ruf eines tüchtigen Juristen erworben, gab auch ästhetisch-kritische Schriften und Gedichte heraus. - Seine Gattin Jakobine Camilla, geborne Wergeland, geb. 23. Jan. 1813 zu Christianssand als Schwester des Dichters Henrik Wergeland, seit 1841 mit C. vermählt, hat sich als Romanschriftstellerin und Vorkämpferin der Frauenemanzipation im Norden einen geachteten Namen erworben. Wir nennen von ihren Werken: "Amtmandens Döttre" (Christiania 1855, 2 Bde.; deutsch, Leipz. 1864), eine lebensvolle Sittenschilderung aus der höhern Gesellschaft; "Fortaellinger" (Christiania 1861) und "I de lange Naetter" (das. 1863), eine Schilderung ihrer Kindheit; "Sidste Blade" (1868-1872, 3 Bde.) und "Erindringer og Bekjendelser" (1874); "Fra de Stummes Lejr" (1877); "Et lyst Billede i en nörk Ramme" (1878); "Mod Strömen" (1880) etc. - Ihr Sohn Robert, geb. 1842 zu Christiania, lieferte wertvolle Beiträge zur Zoologie Norwegens, so: "Kristiania omegns Fauna" (1864); "Norges Fugle" (1868); "Remarks on the ornithology of the northern Norway" (1872); "Norges Fiske" (1874); "Bemärkninger om Norges Pattedyr" (1876) u. a.

Colletta, Pietro, neapolitan. Kriegsminister, geb. 23. Jan. 1775 zu Neapel, trat 21 Jahre alt, in das Artilleriekorps, ward wegen seiner politischen Thätigkeit während der französischen Invasion 1798 nach Rückkehr der Bourbonen eingekerkert, fand jedoch bald wieder eine Anstellung als Zivilingenieur. Als Joseph Bonaparte 1806 König von Neapel wurde, trat C. in die Armee zurück und zeichnete sich bei der Belagerung von Gaeta, der Okkupation von Kalabrien und der Einnahme von Capri so aus, daß ihn Joachim Murat 1808 zum Intendanten Kalabriens und 1812 zum General und Direktor des Brücken- und Straßenbauwesens ernannte. 1815 unterhandelte er für denselben mit den Österreichern zu Casalanza. Nach der Restauration der Bourbonen beargwöhnt, blieb er gleichwohl als unentbehrlich im Dienst und bekleidete nacheinander mehrere hohe militärische Stellungen. Nach Ausbruch der Revolution von 1820 stellte er als Generalkommandant in Sizilien die Ordnung wieder her. Die österreichische Intervention rief ihn nach Neapel zurück, und nachdem er, als die Sache der Konstitution bereits verloren war, noch zum Kriegsminister ernannt worden war, brachte man ihn als Staatsgefangenen auf das Kastell Sant' Elmo und verbannte ihn dann nach Brünn in Mähren. Später durfte er sich in Florenz niederlassen, wo er in Zurückgezogenheit lebte und 11. Nov. 1831 starb. Er schrieb das zu großer Berühmtheit gelangte Geschichtswerk "Storia del reame di Napoli dal 1734 sino al 1825" (Capolago 1834 u. öfter, 2 Bde.; deutsch, Grimma 1849-50, 8 Bde.), zu welchem Ulloa "Annotamenti" (Neap. 1878) herausgab. Seine kleinen Schriften erschienen Neapel 1861, 2 Bde.

Colli (ital.), Mehrzahl von Collo, s. Kollo.

Colliberts, Volksstamm, s. Cagots.

Collier (franz., spr. kolieh), Halsband, Halsschmuck.

Collier (spr. kolljer), 1) Arthur, engl. Philosoph, geb. 1680 bei Salisbury in Wiltshire, gest. 1732 als Rektor seines Geburtsorts. Als Philosoph durch seine schon 1703 gefaßte, 1708 in einer ungedruckt gebliebenen Schrift über die vom Geist abhängige Existenz der sichtbaren Welt niedergelegte, aber erst 1713 in der Abhandlung "Clavis universalis" (deutsch von Eschenbach, 1756) veröffentlichte idealistische Ansicht der Vorgänger Berkeleys, ist er über diesem fast vergessen und erst 1837 durch Benson und Parr wieder hervorgezogen worden. Vgl. Benson, Memoirs of the life of A. C. (Lond. 1837).

2) John Payne, engl. Litterarhistoriker und Bibliograph, geb. 11. Jan. 1789 zu London als Sohn eines Buchhändlers, der sich der Schriftsteller zuwandte und unter anderm das "Monthly Register" herausgab, wurde Advokat, wandte sich dann der journalistischen Laufbahn zu und zwar bei dem "Morning Chronicle". Durch seine Heirat (1816) in den Stand gesetzt, seinen litterarischen Neigungen ungestörter zu folgen, begann er das Studium der Dramatiker aus der Zeit der Königin Elisabeth, machte in Beiträgen für das "Edinburgh Magazine" und die "Critical Review" auf die bis dahin vernachlässigten Zeitgenossen und Vorgänger Shakespeares aufmerksam und half in Verbindung mit Lamb, Hazlitt u. a. die dramatischen Werke eines Peele, Greene, Nash, Lodge, Middleton, Marlowe, Webster etc. der Vergessenheit entreißen. In diesem Sinn schrieb er das "Poetical Decamerone" (Edinb. 1820, 2 Bde.), eins seiner frühsten Werke, das eine Reihe von Gesprächen über jene Dichter enthält. In seiner Ausgabe von "Dodsley's old plays" (1825) fügte er sechs bisher unbekannte Dramen hinzu, und in einem Supplementband teilte er fünf weitere, noch unbekannte Dramen aus der Zeit Shakespeares mit. Seine "History of dramatic poetry" (Lond. 1831, 3 Bde.; neue Ausg. 1879, 3 Bde.) erwarb ihm einen ausgebreiteten Ruf. Der Herzog von Devonshire, ein großer Bücherfreund, machte ihn zu seinem Bibliothekar, und viele andre Privatbüchersammlungen standen ihm ausnahmsweise offen. In der des Grafen Ellesmere fand er Aktenstücke, die er in seinen "New facts regarding the life of Shakspeare" (Lond. 1835) veröffentlichte, und denen er "New particulars" (1836) und "Farther particulars" (1839) folgen ließ. Für seine sich hieran anschließende Shakespeare-Ausgabe, die 1842 bis 1844 erschien, hatte er wenigstens 20 Jahre lang gesammelt. Bereits Schatzmeister der Camden Society und Direktor der (alten) Shakespeare-Gesellschaft, wurde C. jetzt auch zum Schriftführer der königlichen Untersuchungskommission über die Verwaltung des Britischen Museums ernannt und erhielt aus der Zivilliste einen jährlichen Ehrensold von 100 Pfd. Sterl. Großes Aufsehen erregten 1852 seine "Notes and emendations to the text of Shakspeare's plays", welche sich auf angeblich aus der ersten Hälfte des 17. Jahrh. stammende Randbemerkungen in einer alten Folioausgabe Shakespeares stützten und eine

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