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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Colombscher Signalapparat; Colon; Colonel; Coloni dominici; Coloni ecclesiarum; Colonia; Colonia Agrippina; Colonial Line; Colonna

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Colombscher Signalapparat - Colonna.

Colombscher Signalapparat für Schiffe besitzt nur ein Signalzeichen, bei Nacht eine Laterne, bei Tag einen dunkeln Gegenstand, der in bestimmten Intervallen verschwinden und wieder erscheinen kann; bei Nebel dient das Nebelhorn oder die Dampfpfeife.

Colon, der Grimmdarm, s. Darm.

Colon, 1) Territorium der Bundesrepublik Venezuela, umfaßt die kleinen Inseln Orchila, Los Roques und Aves im Karibischen Meer und hat ein Areal von 431 qkm (7,8 QM.) mit (1883) 137 Einw. - 2) Stadt, s. Aspinwall.

Colon, Cristoval, s. Kolumbus.

Colonel (franz., spr. -nell), Oberst; C.-Lieutenant, bis zur französischen Revolution Kommandeur eines Regiments, dessen Chef, eine hochgestellte Person, das Regiment nicht selbst führte; Lieutenant-C., Oberstleutnant; C.-Général, ehemals Generaloberst der französischen Infanterie und Kavallerie (Ehrentitel); vgl. Offizier. In deutschen Buchdruckereien heißt C. eine Schrift zwischen Petit und Nonpareille.

Colonia, Departement des südamerikan. Staats Uruguay, am Rio de La Plata, unterhalb des Uruguay, teilweise ein unfruchtbares Hügelland, aber mit ergiebigen Thälern und Niederungen und 5682 qkm groß. Unter den (1884) 26,000 Einw. sind viele in Kolonien angesiedelte Europäer. Ackerbau (40,500 Hektar) und Viehzucht (1,165,000 Schafe, 161,000 Rinder) bilden die Haupterwerbszweige. Die Hauptstadt (C. del Sacramento) liegt am La Plata, 45 km westlich von Montevideo, hat einen guten Hafen, ein Dock für Schiffe von 1000 Ton., verfallene Befestigungen und 1500 Einw. C. wurde 1679 gegründet.

Colonia Agrippina, Stadt in Gallia Belgica, das heutige Köln (s. d.).

Colonial Line, s. Dampfschiffahrt.

Coloni dominici (C. fiscales, lat.), früher diejenigen fronpflichtigen Unterthanen, denen die Bestellung der Kammergüterfelder oblag.

Coloni ecclesiarum (lat.), Bauern, welche zur Bestellung der Kirchenäcker verpflichtet sind.

Colonna, berühmtes röm. Adelsgeschlecht, welches seinen Namen von dem gleichnamigen, an den Albanerbergen gelegenen Ort La C. führt und das ganze Mittelalter hindurch vom 11. bis 16. Jahrh. durch seine zahlreichen Schlösser und großen Besitzungen, unter denen vornehmlich die Stadt Palestrina zu nennen ist, und die große Schar seiner Klienten auf die Angelegenheiten des Kirchenstaats und auf die Papstwahlen einen bedeutenden Einfluß ausgeübt hat. In den Kämpfen zwischen Kaiser und Papst standen die C. meist auf seiten der Ghibellinen. Aus der Familie derselben, welche jetzt noch in vier Linien, Paliano, Stigliano, Sciarra und Romano, blüht, sind außer dem Papst Martin V. (s. d.) viele Kardinäle, Feldherren, Staatsmänner und Gelehrte hervorgegangen. Besonders nennenswert sind: 1) Stefano, röm. Senator, geboren in der zweiten Hälfte des 13. Jahrh., floh vor Papst Bonifacius VIII. nach Frankreich und betrieb 1303 dessen Gefangennahme durch französische Waffen. Vor Ludwig dem Bayern mußte er 1327 als Anhänger des Papstes Johann XXII. in Avignon Zuflucht suchen. Bei den Unruhen des Cola Rienzi stand C. an der Spitze des demselben feindlichen Adels und verlor in diesen Kämpfen das Leben.

2) Sciarra, Bruder des vorigen, Befehlshaber von Palestrina unter Bonifacius VIII., entfloh, von diesem belagert, wurde bei Anzo von Seeräubern ergriffen und an die Ruderbank geschmiedet. In Marseille losgekauft, kehrte er mit seinem Bruder Stefano und dem Franzosen Nogaret 1303 zurück, öffnete sich durch Bestechung die Stadt Anagni und nahm Bonifacius gefangen. 1327 öffnete er Kaiser Ludwig dem Bayern die Thore der Hauptstadt und überreichte letzterm in der Peterskirche 17. Jan. 1328 die Kaiserkrone, weshalb er über der silbernen Säule seines Wappenschildes eine goldene Krone führen durfte. Ein Versuch, Johann XXII. zu entthronen, mißlang; C. starb im Exil.

3) Prospero, päpstlicher Feldherr, geb. 1452, der berühmteste seines Geschlechts, kämpfte eine Zeitlang für Karl VIII. von Frankreich bei dessen Einfall in Italien 1495, trat aber dann zu den Spaniern über und half dem spanischen General Gonsalvo de Cordova die Franzosen aus Italien vertreiben. In den folgenden italienischen Kriegen waren der Sieg bei Vicenza und der Einfall der Schweizer in Piemont sein Werk. 1515 von den Franzosen gefangen, löste er sich mit 350 Pfd. Gold, befehligte dann das gesamte Heer der Verbündeten und entriß den Franzosen Italien. Das neue französische Heer unter Lautrec schlug er bei Bicocca 27. April 1522 und endigte den Feldzug durch die Einnahme von Cremona und Genua. C. starb 30. Dez. 1523. Italien ehrte ihn durch den Beinamen "Paganorum defensor et Italicae gentis pater".

4) Pompeo, Kardinal, Neffe des vorigen, geb. 12. Mai 1479, bemächtigte sich auf das Gerücht vom Tode des Papstes Julius II. durch Überfall des Kapitols und wurde deshalb seiner Würden entsetzt, vom Papst Leo X. aber zum Kardinal ernannt. Hadrians VI. sowie dessen Nachfolgers Clemens VII. Wahl war Colonnas Werk. Er wurde später zum Legaten in Ancona und zum Erzbischof von Monreale, von Karl V. 1530 zum Vizekönig von Neapel ernannt und starb 28. Juni 1532. C. war ein geschmackvoller Dichter; sein Hauptwerk: "De laudibus mulierum", schrieb er zu Ehren der Vittoria C.

5) Vittoria C., Marchesa von Pescara, die berühmteste Dichterin Italiens, Tochter des Fabrizio C., der, anfangs päpstlicher Feldherr gegen die Franzosen, als Connetable von Neapel starb, ihrer Schönheit und ihres Geistes wegen allgemein bewundert, war um 1490 zu Marino geboren und schon seit ihrem vierten Jahr mit Ferrante d'Avalos, Marchese von Pescara, verlobt, mit dem sie dann auch in glücklicher Ehe lebte. Als derselbe 30. Nov. 1525 an den in der Schlacht bei Pavia empfangenen Wunden gestorben war, brachte sie, in der Poesie Trost suchend, sieben Jahre in tiefster Zurückgezogenheit zu Neapel und auf Ischia, sodann in einem Kloster, erst zu Orvieto, dann in Viterbo, zu und ließ sich endlich in Rom nieder, wo sie im Februar 1547 starb. Sie stand mit den berühmtesten Gelehrten Italiens in Verkehr und schloß sich namentlich eng an die hervorragenden Männer an, welche damals, zur Zeit Pauls III., eine gründliche Reform der katholischen Kirche anstrebten, wie Juan Valdez, der Kapuzinergeneral Occhino, die Kardinäle Contarini, Poole, Morone u. a. Das innigste Freundschaftsverhältnis aber verknüpfte sie mit Michelangelo, der sie auch in seinen Gedichten feierte; auch Ariost widmete ihr einige glänzende Stanzen seines "Orlando" (Gesang 37). Die Gedichte, welche den Namen Vittorias unsterblich machen, gehören der auf Pescaras Tod folgenden Zeit an; am höchsten unter ihnen stehen die religiösen Dichtungen ihrer reifern Jahre, in denen sich in wohllautenden Versen tief innerliche Frömmigkeit, frohe Hoffnung und unwandelbare Überzeugung aussprechen. Sie erschienen zuerst in

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]