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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Coemeterium; Comersee; Comes; Comfort; Comfortable; Comines

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Comersee - Comines.

nach seinem Leben und seiner pädagogischen Bedeutung (2. Aufl., Leipz. 1872); Beeger und Zoubek, J. A. C. nach seinem Leben und seinen Schriften (das. 1883); v. Criegern, J. A. C. als Theolog (das. 1881).

Comersee (Lago di Como, bei den Alten Lacus Larius, auch jetzt von den Italienern Lario genannt), ital. See in der Lombardei, erstreckt sich vom Fuß der Adula- und Bernina-Alpen über 37 km weit nach S. und hat eine Breite von 2-5 km. Schon in der Mitte, bei der Landzunge von Bellaggio, spaltet er sich in zwei Arme: in einen südwestlichen, der bei der Stadt Como endigt, und einen südöstlichen, der nach der an seinem Ufer gelegenen Stadt Lago di Lecco genannt wird, und an dessen Ende die Adda, welche an der Nordspitze aus dem Val Tellina, durch die Mera verstärkt, in den See tritt, denselben wieder verläßt. Der C. liegt bei mittlerm Wasserstand 202 m über dem Mittelmeer (etwas höher als der Lago Maggiore) und bedeckt einen Raum von etwa 156 qkm. Seine Tiefe ist sehr beträchtlich, am bedeutendsten bei Bellaggio, wo sie über 600 m beträgt. Durch den Schutt, welchen die Adda mit sich führt, wird der Umfang und die Tiefe des Sees allmählich vermindert, schneller, als dies bei den andern lombardischen Seen beobachtet wird. Die Ufer sind von hohen Bergen umgeben, die im N. die Höhe von 2000-2600 m erreichen, im S. dagegen bis zu 600 m absinken, und deren Abfall meist hart an den See herantritt und nur einen schmalen Uferrand übrigläßt. Im übrigen sind diese mannigfach gestalteten Ufer des Sees mit allem Glanz südlicher Vegetation, mit tiefem Grün, Wasserfällen, dunkeln Kastanienwäldern, geschmückt und mit hell leuchtenden Dörfern, weit blinkenden Kirchen und Kapellen und reizenden Villen wie übersäet, so daß sie mit Recht zu den schönsten Landschaften Europas gezählt werden. Die größte Schönheit häuft sich um die Halbinsel von Bellaggio, deren äußerste Spitze laubholzgekrönt 160 m über den See emporragt. Zahlreiche von herrlichen Gärten umgebene, mit Kunstwerken geschmückte Villen erheben sich an seinen Ufern, namentlich am Arm von Como: Villa Melzi bei Bellaggio, Villa Carlotta gegenüber, Villa d'Este bei Como u. a. Der See ist sehr fischreich, besonders an Forellen, Aalen etc., und wird von vielen Wasservögeln besucht. Sein klares Wasser, in welchem man häufig bis auf den Grund hinabsieht, schwillt zur Zeit der Schneeschmelze bis zu 5 m über den gewöhnlichen Stand an, am meisten in dem südwestlichen Arm, der keinen Abfluß hat, indem der Tirano (Nordwind), der die Nacht hindurch weht, das Wasser darin anhäuft, bis der Breva (Südwestwind) das Gleichgewicht der Wassermasse wiederherstellt. Außerdem zeigt der See noch plötzliche Schwankungen des Spiegels, ähnlich den "Seiches" beim Genfer See. Im Seearm von Como liegt nur die einzige kleine Insel San Giovanni, am westlichen Strand bei Lenno, auf welcher einst ein berühmtes festes Schloß stand. Den See befahren regelmäßig Dampfboote in der Richtung von Como nach Colico am Nordende, wo die Alpenstraßen über den Splügen und das Stilfser Joch enden. Vgl. Leonhardi, Der C. und seine Umgebungen (Leipz. 1862).

Comes (lat., "Begleiter") wurde bei den Römern in der Zeit der Republik und in der Kaiserzeit der ersten Jahrhunderte vorzugsweise zur Bezeichnung derjenigen gebraucht, welche die Statthalter in den Provinzen als Freunde und als Gehilfen in den Verwaltungsgeschäften zu begleiten pflegten. Sie machen zusammen den Comitatus oder die Cohors aus (letzteres öfters mit dem Zusatz comitum oder amicorum) und heißen auch Contubernales und, sofern sie als Beisitzer bei den Gerichten dienen, Assessores, zuweilen auch Cohors praetoria, wiewohl dies eigentlich die nähere Umgebung des Oberfeldherrn im Krieg ist; auch die Diener (apparitores, als Schreiber, Liktoren, Herolde, Dolmetschen, Ärzte u. dgl.) werden zu dieser Gemeinschaft gerechnet. Seit Konstantin d. Gr. (4. Jahrh. n. Chr.) war C. der Amtstitel einer großen Anzahl hoher Staatsbeamten (z. B. C. sacrarum largitionum, Reichsschatzmeister; C. rerum privatarum, Schatzmeister des Fürsten; C. domesticorum equitum und peditum, die Anführer der Leibwache zu Pferde und zu Fuß), wurde aber auch als bloßer Titel zur Auszeichnung verliehen, so namentlich mehrfach den Anführern der in den einzelnen Provinzen stehenden Truppenkörper, die sonst Duces (Herzöge) hießen, welch letzterer Titel also niedriger war als der des C. Im Mittelalter wurde C. die lateinische Bezeichnung für Graf (s. d.).

Comes (lat., "Begleiter"), in der Musik die Beantwortung des Fugenthemas; vgl. Fuge.

Coemeterium (lat., griech. koimeterion, "Schlaf-, Ruhestätte"), im Altertum allgemeine Bezeichnung für Begräbnisstätte, Friedhof; später vorzugsweise angewendet auf die ältesten christlichen Begräbnisstätten in den Katakomben Roms etc. Davon das französische Cimetière.

Comfort (engl., spr. kommfort), s. Komfort.

Comfortable (engl., spr. kómmfortebl), in Wien Benennung der Einspänner.

Comines (Commines, spr. -min, vläm. Comen), Stadt auf der Grenze von Belgien und Frankreich, Knotenpunkt an der Eisenbahn Courtrai-Hazebrouck, wird durch die Lys in zwei Teile geteilt, deren einer am linken Flußufer, mit (1884) 4381 Einw., zu Belgien (Provinz Westflandern, Arrondissement Ypern), der gegenüberliegende, mit (1876) 6355 Einw., seit dem Frieden von Rastatt (1714) zu Frankreich (Departement Nord, Arrondissement Lille) gehört. Letzterer hat einen Bellried aus dem 14. Jahrh., schöne Schloßruinen (La Breche), Leinen-, Woll- und Baumwollindustrie und bildete mit dem belgischen Teil bis zum Anfang des 17. Jahrh. eine starke Festung. Die Stadt ist Geburtsort des französischen Geschichtschreibers Philippe de Comines.

Comines (spr. -min, Cominäus), Philippe de la Elite de, Sieur d'Argenton, franz. Staatsmann und Geschichtschreiber, geb. 1445 aus adligem Geschlecht auf dem Schloß C. in Flandern, kam jung an den Hof Philipps des Gütigen von Burgund, ward der Vertraute Karls des Kühnen und leistete diesem wesentliche Dienste, ward B. Vermittler des Friedens, als Karl den König Ludwig XI. von Frankreich in Péronne gefangen genommen hatte. 1472 trat er in den Dienst Ludwigs XI. von Frankreich über, der ihm seine volle Gunst und ein bei ihm sehr seltenes Vertrauen schenkte, ihn für den Verlust seiner von Karl dem Kühnen eingezogenen Güter aufs glänzendste entschädigte, ihm die Herrschaft Talmont und andre Besitzungen nebst reichem Gehalt gab, ihn zum Seneschall von Poitou erhob und zu den wichtigsten Staatsgeschäften gebrauchte. C. gewann dadurch eine so angesehene Stellung, daß er eine Verwandte des Königshauses heiraten durfte. Als Karl VIII. den Thron bestieg, wurde C. wegen verräterischen Einverständnisses mit dem Herzog von Orléans 1486 verhaftet, im Schloß Loches in Berry 8 Monate in einem eisernen Käfig, dann noch 3 Jahre in Paris gefangen gehalten und endlich mit Verlust eines Teils seiner Güter auf 10 Jahre vom Hofe verbannt.

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]