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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Conches - Condé.

Conches (C. en Ouche, spr. kongsch ăn-uhsch), Stadt im franz. Departement Eure, Arrondissement Evreux, am Rouloir und an der Westbahn, hat eine Kirche aus dem 15. Jahrh., mit hübschem Turm und Glasmalereien, Ruinen eines alten Wartturms und einer Abtei, Eisenwerke und (1876) 2042 Einw.

Conchinīn, s. Chinidin.

Conchos (Rio de los C., spr. kontsch-), Fluß im nördlichen Mexiko, entspringt auf der Sierra Madre, durchfließt den fruchtbaren Teil des Staats Chihuahua und mündet nach 480 km langem Lauf unweit Presidio del Norte in den Rio Grande. Genannt wird der Fluß nach den Conchosindianern.

Concierge (franz., spr. kongssjärsch), jetzt s. v. w. Portier; früher Schloßvogt, Gefängniswärter etc.

Conciergerie (franz.), s. v. w. Haus- oder Schloßvogtei (Wohnung eines Concierge); insbesondere das aus dem Mittelalter stammende, jetzt für Untersuchungsgefangene bestimmte Gefängnis in Paris, das ehedem als königliche Burgvogtei und Fronfeste, nachmals als Parlamentsgefängnis diente und besonders in der ersten französischen Revolution als "Vorhalle der Guillotine" eine Rolle spielte. Dasselbe liegt in der Nähe des Justizpalastes am Quai de l'Horloge und ist kenntlich durch zwei alte, starke, fast fensterlose Türme, Reste der ältesten Königsresidenz von Paris, welche zur C. gehören. Der Burghof mit umlaufenden Gängen rührt aus dem 13. Jahrh. her; den Unterbau bildet eine Reihe gewölbter, dunkler Räume. Hierher wurden während der Schreckenszeit allabendlich die zum Tod Verurteilten gebracht, um tags darauf das Schafott zu besteigen; noch jetzt zeigt man den Kerker, in welchem kurz nacheinander Danton, Hébert, Chaumette und Robespierre ihre letzte Nacht zubrachten. Unfern davon war die Zelle, welche Marie Antoinette vor ihrer Verurteilung bewohnte; dieselbe wurde 1816 in eine Sühnkapelle umgewandelt, die jedoch im Mai 1871 während des Kommuneaufstandes zerstört wurde. Der westliche Teil der C. ist ganz neu und mit luftigen Zellen versehen; in demselben befindet sich auch der Kassationshof.

Conciliabŭlum (lat.), Sammelplatz, Versammlungsort; auch eine heimliche, unrechtmäßige Versammlung, namentlich kirchliche.

Concilium (lat.), Versammlung, s. Konzil.

Concīno Concīni (spr. -tschi-), Marschall, s. Ancre.

Concio (Contio, lat.), Volksversammlung.

Concīsus (lat.), auf Rezepten: zerschnitten, von Wurzeln, Stengeln etc., oft in Verbindung mit Contusus, zerstoßen. S. Konzis.

Conclamātum est (lat.), sprichwörtliche Redensart, s. Konklamation.

Concludéndo (lat.), schließlich.

Conclusio (lat., "Verschließung"), in der Rhetorik Schluß einer Rede, auch geschickter Schlußfall der Perioden; Schlußfolgerung; Beschlußfassung. C. causae (Aktenschluß), im frühern Prozeßverfahren die ausdrückliche Erklärung des Richters, daß das Streitverhältnis festgestellt und weiteres thatsächliches Vorbringen seitens der Parteien ausgeschlossen sei. - C. libelli, im frühern Prozeßverfahren der Schluß der Klage im Zivilprozeß, enthaltend die Schlußfolgerung aus dem Klagegrund und der Geschichtserzählung, also das eigentliche Gesuch des Klägers.

Conclūsum (lat.), Beschluß; C. imperii, im alten Deutschen Reich s. v. w. Reichstagsbeschluß.

Concord (spr. kónn-), 1) Hauptstadt des nordamerikan. Staats New Hampshire, liegt an beiden Ufern des vierfach überbrückten und schiffbaren Merrimak, 90 km nordnordwestlich von Boston, hat ein Kapitol von gehauenem Granit, ein großartiges Gefängnis, ein Irrenhaus, eine Staatsbibliothek, die verschiedensten Fabriken, Steinbrüche und (1880) 13,843 Einw. -

2) Dorf im nordamerikan. Staat Massachusetts, 30 km nordwestlich von Boston, mit (1880) 3922 Einw. Der Ort ist merkwürdig durch den Provinzialkongreß von 1774 sowie dadurch, daß hier 19. April 1775 den Engländern der erste aktive Widerstand geleistet ward, woran ein 1835 errichteter Granitblock erinnert.

Concordantia (mittellat.), s. Konkordanz.

Concordia (lat.), Eintracht, Einklang, Harmonie; Name mehrerer Schriften, worin kirchliche Lehrsätze der protestantischen Kirche, worüber sich streitende Parteien vereinigt hatten, aufgestellt wurden. Am bekanntesten ist die Wittenberger C. von 1536, welche die Abendmahlsstreitigkeiten beilegen sollte. Vgl. Konkordienbuch und Konkordienformel.

Concordia (La C.), 1) Stadt der Argentinischen Republik, Provinz Entre Rios, am schiffbaren Yuquery, nicht weit vom Uruguay und unterhalb der Salto grande genannten Stromschnellen desselben, hat lebhaften Handel und (1882) 10,000 Einw. 1884 betrug die Einfuhr 982,000, die Ausfuhr (Paraguaythee und Pökelfleisch) 2,050,000 Pesos. Eine Eisenbahn verbindet C. mit dem höher am Uruguay gelegenen Caseros (s. d.). -

2) Hafenort im zentralamerikan. Staat San Salvador, an der Südsee, für Schiffe von 3,5 m zugänglich, ist Ausfuhrhafen von San Vincente.

Concordia, bei den Römern die Göttin der Eintracht, welcher mehrmals nach Verfassungskrisen Heiligtümer errichtet wurden. Das berühmteste derselben war der 367 v. Chr. von Camillus am Abhang des Kapitols errichtete Tempel, der später von Tiberius erneuert wurde und in seinem Unterbau noch erhalten ist. Als C. Augusta wurde C. dann zur besondern Schutzgöttin der kaiserlichen Familie, und ihr Kult gehörte während der Kaiserzeit zu den angesehensten. Ihr Symbol war bald Füllhorn, bald Ölzweig.

Concordia parvae res crescunt, discordia maximae dilabuntur, Sprichwort aus Sallust ("Jugurtha", 10): "Durch Eintracht wächst das Kleine, durch Zwietracht zerfällt das Größte".

Concretum (lat.), s. Konkret.

Concursus ad delīctum (lat.), s. Teilnahme am Verbrechen.

Condamíne, La, s. Lacondamine.

Condat (spr. kongda), Stadt, s. Saint-Claude.

Condé (spr. kóngdē), 1) (C. sur l'Escaut) Stadt und Festung dritten Ranges im franz. Departement Nord, Arrondissement Valenciennes, nahe der belgischen Grenze, zur Zeit der Revolution Nord-Libre genannt, am Zusammenstoß der Hayne und Schelde und an der Nordbahn, in sumpfiger Gegend, hat ein Schloß (von 1411, das Stammhaus des Geschlechts der Condé), ein schönes Arsenal, ein Collège und (1876) 3382 Einw., welche Zichorien-, Seife-, Stärkefabrikation, Schiffbau und Handel treiben. Die Franzosen entrissen die Stadt 1676 den Spaniern und behielten sie im Frieden von Nimwegen. -

2) (Vieux-C.) 2 km nördlich von dieser Stadt (C. 1) gelegenes Dorf mit bedeutenden Steinkohlengruben, einiger Industrie und (1876) 3617 Einw. -

3) (C. sur Noireau) Stadt im franz. Departement Calvados, Arrondissement Vire, am Zusammenfluß des Noireau mit der Drouance, in unfruchtbarer Gegend, Station der Westbahn, mit Collège, Handelsgericht, bedeutenden Baumwollspinnereien, Webereien, Färberei, Eisenwerken und (1876) 6835 Einw.

Condé (spr. kóngdē), altes und berühmtes Geschlecht im Hennegau, dessen Stammsitz die Stadt C. (s. oben)

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]