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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Con gravità; Con grazia; Congreve

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Con gravità - Congreve.

len die Schiffahrt verhindern, hatte Stanley unter den größten Schwierigkeiten innerhalb dieser Zeit Straßen erbauen lassen, auf welchen indes das zu verschiedenen Zwecken, namentlich für die zur Schifffahrt auf dem obern Congo bestimmten Dampfer, nötige Material durch Menschenkräfte bewegt werden mußte. Von Léopoldville machten Stanley und seine Beamten verschiedene Fahrten den Strom aufwärts bis über den Äquator hinaus, auch in die Nebenflüsse hinein. So fuhr Stanley 1882 den Kwa und Mfini aufwärts bis zum Leopoldsee; mit den Häuptlingen wurden Verträge abgeschlossen und Stationen angelegt, so daß die Gesellschaft, welche inzwischen ihren Namen in den der Association Internationale du Congo umgewandelt hatte, Anfang 1885 bereits 27 Stationen zwischen der Mündung des Congostroms und den Stanleyfällen besaß. Diese waren am Unterlauf: Banana, Ponta da Lenha, Boma, Ikungula, Vivi, M'pozo; am Mittellauf: Isangila, Bansa Manteka, Nvunda, Südmanjanga, Nordmanjanga, Lutete, Jabukas, Léopoldville, Kinschassa, Kimpoko, Mswata, Kwamündung, Bolobo, Lukolela und Ngombe; am Oberlauf: Aequatorville, Uranga, Liboko, Upoto, Aruwimi und Fallstation auf der Insel Wana Rusani. Zu gleicher Zeit wurde Grant Elliott in das Gebiet des Kuilu entsandt, um dasselbe gegen die Franzosen zu sichern. Dort waren Ende 1884 nicht weniger als 16 Stationen errichtet: Grantville, Rudolfsstadt, Alexandraville, Massabe, Nyanga, Mayumba, Sette Cama, Stanley Niadi, Franktown, Sengi, Stéphanieville, Strauchville, Philippeville, Mboko, Mukumbi und Arthurville. Diese Stationen sind indes, mit Ausnahme von Mukumbi, durch Vertrag sämtlich an Frankreich abgetreten worden.

Das Menschenmaterial, welches Stanley zur Verfügung stand, setzte sich in der Hauptsache aus Sansibarleuten, zum kleinern Teil auch aus Kru-Negern und einheimischen Arbeitern zusammen. Die Zahl der Europäer im Dienste der Gesellschaft betrug Anfang 1885: 171, davon 49 Engländer, 46 Belgier, 37 Schweden, 20 Deutsche, 6 Franzosen.

Der C. ist infolge der Beschlüsse des belgischen Gesetzgebenden Körpers vom 28. und 30. April 1885 unter die Souveränität Leopolds II., Königs der Belgier, auf Grundlage der Personalunion gestellt. Nach § 3 der Congoakte (s. Congokonferenz) ist der Staat für beständig neutral erklärt worden. Die Proklamation geschah in Banana 13. Juli 1885. Die Zentralregierung mit drei Departements (Auswärtiges und Justiz, Finanzen, Inneres) hat ihren Sitz in Brüssel, die Regierung am Congo besteht aus einem Generaladministrator, einem Stellvertreter desselben und 78 auf verschiedene Punkte verteilten weißen Agenten, denen eine bewaffnete Macht von 2000 Schwarzen und 4 größere und 2 kleinere Dampfer zur Verfügung stehen. Das jährliche Budget setzt sich aus einer Dotation des Königs der Belgier im Betrag von 1 Mill. Frank und Lokaleinnahmen von gleichem Wert zusammen. Der Handel ist frei; die Abgaben dürfen nicht das Maß dessen überschreiten, was für die Verwaltung und die nötigsten Einrichtungen unerläßlich ist.

Seit dem Erscheinen der ersten europäischen Kaufleute am untern Congo, wo 1855 bei Banana ein Pariser Haus die erste Faktorei gründete (daher heißt die Spitze der Landzunge Pointe française), hat der europäische Handel bereits einen solchen Aufschwung genommen, daß gegenwärtig 17 Dampfer beschäftigt sind, die zahlreichen Faktoreien und Stationen miteinander in Verbindung zu setzen. Von den fünf hier etablierten Häusern ist die Nieuwe Afrikaansche Handels-Wennootschap zu Rotterdam weitaus das bedeutendste. Die Gesellschaft wurde 1880 mit einem Kapital von 3 Mill. Mk. gegründet, sie besitzt gegenwärtig zwischen Banana, ihrem Hauptsitz, und Noki 35 Faktoreien (mit Einschluß derjenigen in den benachbarten Gebieten 80) und beschäftigt an 150 weiße Agenten. Sie besitzt auf dem Congo 6 kleine Dampfer und läßt zwischen Rotterdam und dem Congo jährlich 5 Dampfer und 15 Segelschiffe mit einem Gesamtgehalt von 15,000 Ton. laufen. Die Gesellschaft brachte 1883 nach Rotterdam. 9414 T. im Wert von 6,4 Mill. Mk. (Palmkerne, Erdnüsse, Palmöl, Kaffee, in kleinern Quantitäten Sesam, Kautschuk, Farbhölzer, Kopal, Wachs, Elfenbein, Felle u. a.). Die British Congo Company zu Manchester (ursprünglich von Engländern und Portugiesen zu Lissabon als Central African Trade Company gegründet) hat ein Kapital von 2 Mill. Mk. und besitzt 11 Faktoreien. Außer diesen beiden großen Gesellschaften bestehen hier noch eine englische, eine französische und eine portugiesische. Den Verkehr zwischen Europa und der Congomündung vermitteln zwei englische Dampferlinien (eine von Hamburg ausgehend), eine deutsche (von Hamburg) und eine portugiesische. Die Flagge des neuen Congostaats ist blau mit goldenem Stern in der Mitte (s. Tafel "Flaggen I"). Das Wappen ist das persönliche des Königs der Belgier mit dem brabantischen Löwen und goldenem Stern im blauen Feld, mit der Devise: "Travail et progrès". Vgl. Wauters, Le Congo au point de vue économique (Brüss. 1885); "Aktenstücke, betreffend die Congofrage" (offiziell, Hamb. 1885); Stanley, Der Congo und die Gründung des Congostaats (deutsch, Leipz. 1885).

Con gravità (ital.), musikal. Vortragsbezeichnung: mit Würde, mit Ernst und Nachdruck. Vgl. Grave.

Con grazia (ital.), mit Anmut.

Congreve (spr. -grihw), 1) William, engl. Dichter, Sprößling eines alten Geschlechts in Staffordshire, geb. 5. April 1669 oder 1670 (vielleicht noch später) zu Bardsey unweit Leeds, besuchte zuerst die Schule zu Kilkenny und darauf die Universität zu Dublin, kam 1688 nach London und widmete sich der Rechtsgelehrsamkeit, wandte sich aber daneben mit Eifer der Dichtkunst zu. Schon in seinem 17. Jahr schrieb er unter dem Namen "Cleophil" den Roman "Incognita, or love and duty reconciled". Sein erstes Lustspiel: "The old bachelor" (1693), erwarb ihm die Gunst des Lords Halifax und infolge derselben mehrere einträgliche Stellen. Es folgten: "The double dealer" (1694); "Love for love" (1695) und das Trauerspiel "The mourning bride" (1697). Die kalte Aufnahme, die sein Schauspiel "The way of the world" (1700) fand, verleidete ihm aber die Bühne, so daß er nur noch eine Maske: "The judgment of Paris" (1701), und eine Oper: "Semele", schrieb, außerdem "Miscellaneous poems" (1710) herausgab. Seine letzten Lebensjahre wurden ihm durch den Kampf des Bischofs Collier gegen das Schauspiel und durch Krankheit, besonders Erblindung, verbittert. Er starb 19. Jan. 1729 in London. Gesammelt erschienen seine Werke London 1710, 1753 u. öfter; am besten ist die Ausgabe von Leigh Hunt (das. 1849). Ein wohlgeschürzter Knoten, feine Charakterzeichnung und ein witziger Dialog zeichnen seine Lustspiele aus; seine Trauerspiele aber verfehlen den tragischen Eindruck. Unter seinen Gedichten sind wenige von Wert. Sein Hauptverdienst besteht darin, daß er der damaligen Sucht der Dichter, pindarische Oden zu schrei-^[folgende Seite]

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