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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Conti - Contre-coup.

Yon und C., jüngerer Bruder des vorigen, geb. 30. April 1664, begleitete denselben nach Ungarn, ward mit ihm derselben Ursache wegen aus Paris verbannt, ging nach Chantilly zu seinem Oheim, dem großen Condé, und erwarb sich darauf unter dem Marschall von Luxembourg in den niederländischen Feldzügen, namentlich bei Steenkerke, Fleurus und Neerwinden, solchen Ruhm, daß er nach Sobieskis Tod (27. Juni 1697) von einem Teil der polnischen Magnaten zum König von Polen gewählt wurde. Als er aber nach Polen kam, fand er den Thron schon durch August II. von Sachsen eingenommen. Am Hof mißliebig geworden, erhielt er das Gouvernement Languedoc. 1703 befehligte er noch einmal in Italien, ohne aber etwas auszurichten; starb 22. Febr. 1709.

6) Louis François, Prinz von, Enkel des vorigen, geb. 13. Aug. 1717, diente zuerst unter dem Marschall Belle-Isle gegen die Bayern, besetzte 1744 mit 20,000 Franzosen Piemont und gewann die Schlacht von Coni, machte 1745 den Feldzug in Deutschland und 1746 den in Flandern mit, wo er Mons und Charleroi eroberte, und ward 1749 Großprior des Malteserordens in Frankreich. Er stand in der Folge in Opposition gegen den Hof und starb 2. Aug. 1776 tief verschuldet.

7) Louis François José, Prinz von, einziger Sohn des vorigen, geb. 1. Sept. 1734, bis zum Tod seines Vaters Graf de la Marche, kämpfte 1757 in Deutschland, zog sich dann in das Privatleben zurück und unterstützte die Parlamente gegen die Regierung. Während der Revolution vor das Revolutionstribunal gezogen, aber freigesprochen, wurde er erst nach dem 18. Fructidor 1797 verbannt. Er starb 1814 in Barcelona als der letzte Sproß des Hauses C., dessen Besitzungen an das Haus Condé fielen.

8) Amélie Gabrielle Stephanie Louise, Prinzessin von, Schriftstellerin, natürliche, später legitimierte Tochter von C. 6), geb. 30. Juni 1756, wurde kurz vor ihrer Anerkennung von ihren Verwandten an einen gemeinen Menschen in einer kleinen Provinzialstadt verheiratet, von dem sie die unwürdigste Behandlung erdulden mußte, bis die Ehe endlich aufgelöst wurde. Sie erzählt ihre Schicksale in ihren "Mémoires historiques" (Par. 1798, 2 Bde.; deutsch, Lübeck 1809, 2 Bde.), welche Goethe den Stoff zu der "Natürlichen Tochter" gaben. Vgl. Barthélemy, La princesse de C. d'après sa correspondance inédite (Par. 1875).

Conti, Augusto, ital. Philosoph, geb. 1822 zu Villa di San Piero bei San Miniato im Toscanischen, studierte die Rechtswissenschaft in Siena, Pisa und Lucca und lebte dann mehrere Jahre als Advokat in Florenz. Nachdem er am Feldzug von 1848 teilgenommen, ließ er sich in San Miniato nieder, wo er als Advokat und daneben als Lehrer der Philosophie thätig war, bis ihm 1855 die Professur der Philosophie am Lyceum zu Lucca übertragen ward. 1863 wurde er Professor der Geschichte der Philosophie zu Pisa; seit 1867 lehrt er am Instituto di studii superiori zu Florenz. Seine Philosophie ist ein vermittelnder Eklektizismus, der auf die Ausgleichung von Denken und Empfinden, Vernunft und Glauben abzweckt. Von seinen Werken sind hervorzuheben: "Evidenza, amore e fede, o i criteri della filosofia" (Flor. 1862, 2 Bde.; 3. Aufl., Prato 1872); "Storia della filosofia" (Flor. 1864, 2 Bde.; 3. Aufl. 1882; franz. von E. Naville, Par. 1865); "Dio e il male" (Prato 1865); "Giovanni Dupré, studio sull' arte" (Pisa 1865); "Filosofia elementare" (mit Sartini, Flor. 1869; 9. Aufl. 1879); "Dio come ordinatore del mondo" (das. 1871); "Il bello nel vero" (das. 1872, 2 Bde.); "Il buono nel vero" (das. 1873, 2 Bde.); "Cose di storia e d'arte" (das. 1874); "Il vero nell' ordine" (das. 1876, 2 Bde.); "L'armonia delle cose" (das. 1878, 2 Bde.); "Esame della filosofia epicurea" (mit G. Rossi, das. 1878). Auch einige dramatische Stücke ("Catone in Utica" etc.) hat C. geschrieben.

Contich (Contigh), Flecken in der belg. Provinz und Arrondissement Antwerpen, an der Eisenbahn von Antwerpen nach Brüssel, mit (1884) 3981 Einw., die Flachsspinnerei, Hut- und Lederfabrikation treiben. Die Umgegend ist bekannt durch vorzügliche Musterwirtschaften.

Continuo, s. Basso continuo.

Conto (ital.), s. Konto.

Conto, Berg in der ital. Provinz Sondrio, bei Chiavenna (s. d.).

Conto (de Reis), in Portugal und Brasilien ein Betrag von 1 Mill. Reis oder 1000 Milreis, etwa 4666 2/3 Mk. Ein Conto de Contos dagegen bedeutet eine Billion Reis, also 4666 2/3 Mill. Mk.

Contorni (ital.), die Umgebungen.

Contorniati, s. Kontorniaten.

Contouche (franz., spr. kongtuhsch), ein nur bis zu den Knieen reichender, taillenloser und mantelartiger Überwurf der Frauen, welcher in Frankreich unter dem Herzog Philipp von Orléans (1715-23) aufkam. Er war mit Ärmeln versehen und vorn über der Brust zum Binden. Vgl. Kontusch.

Contra (lat. u. ital.), gegen, entgegengesetzt, gegenüber, in Zusammensetzung sehr häufig; vgl. Kontra-...

Contradictio (lat.), Widerspruch. In der Logik zerfällt die C. in C. explicita, offenbarer, mit Worten ausgesprochener Widerspruch zweier Sätze, und C. implicita, versteckter Widerspruch zweier Sätze. C. in adjecto, d. h. Widerspruch im Beiwort, findet statt, wenn dieses eine Beschaffenheit ausdrückt, welche mit dem Gegenstand des Hauptwortes im Widerspruch steht.

Contr'alto (ital., auch Contratenor), in der Musik Benennung der Altstimme als der gegen den Tenor zunächst gesetzten höhern Gegenstimme.

Contra principia negantem disputari non potest (lat., "Mit dem, welcher die Grundsätze leugnet, kann man nicht streiten"), logische Regel, welche besagen soll, daß man sich bei einem Streit, besonders über wissenschaftliche Gegenstände, erst über die Grundsätze, die zur Basis dienen sollen, verständigen müsse.

Contrarium (lat.), das Gegenteil; Mehrzahl: Contraria, Entgegengesetztes. Contraria contrariis curantur, Entgegengesetztes wird mit Entgegengesetztem geheilt, der von den Homöopathen den Ärzten zugeschriebene Grundsatz.

Contra sextum (nämlich praeceptum, lat.), Vergehen wider das sechste Gebot.

Contratenor (lat.), s. v. w. Contr'alto (s. d.).

Contre (franz., spr. kongtr, "gegen") wird, wie das lateinische Contra, häufig in Zusammensetzungen gebraucht; vgl. Konter... und Kontre...

Contre-billet (franz., spr. kongtr-bijä, Contre-lettre), Gegenschein, wodurch ein früher ausgestellter Schein für ungültig erklärt wird; auch s. v. w. Kontermarke.

Contre-coeur (franz., spr. kongtr-kör), Hinterwand eines Kamins; Brand-, Feuermauer einer Schmiede etc.; à c. mit Unlust, widerwillig, ungern.

Contre-coup (franz., spr. kongtr-ku), Gegen-, Rückstoß; Querstrich, ein Unternehmen, wodurch etwas durchkreuzt, vereitelt werden soll.

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]