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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Cornelia; Cornelisz, Cornelis; Cornelius

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Cornelia - Cornelius.

günstig zu gestalten schien, starb er 1. Okt. 1684. Wie sehr C. auch unter dem Einfluß seines Zeitalters steht, und wieviel er auch dem italienischen und spanischen Theater verdankt, sein Bestreben geht dahin, die Bühne von fremdem Einfluß zu befreien und sie national zu machen, und in gewissem Sinn hat er sein Ideal erreicht. Er sprach zuerst wieder von Ehre, Ruhm, von Pflichtgefühl und Vaterlandsliebe. Seine Natur neigte zur Klarheit und logischen Schärfe und strebte nach Regelmäßigkeit; der höchste Richter ist ihm Aristoteles. Daher auch seine Vorliebe für den kraftvollen, pathetischen Stil, für das Einfache und Erhabene. In seiner glänzenden Dialektik liegt aber auch seine Schwäche; seine Helden räsonieren oft und sprechen in Sentenzen, die Liebe seiner Heldinnen ist wortreich und spitzfindig und kommt aus dem Kopf, statt aus dem Herzen; die Liebe weicht der Pflicht, die Leidenschaft der Vernunft; statt der Thaten bietet er langatmige Plaidoyers. Kurz, seine Figuren haben etwas Starres, es fehlt ihnen psychologische Entwickelung, und am schwächsten ist die Anlage der Stücke. Seine spätern Dramen leiden immer mehr unter den Fehlern seiner Manier; sie sind übertrieben, ohne Schwung, schwülstig, dunkel und nachlässig im Stil; trotzdem haben sie den Ruhm des "großen C." nicht zu verdunkeln vermocht. C. hat außerdem lyrische Gedichte, Epigramme, Sonette, Madrigale, Oden, Episteln (an den König), metrische Übersetzungen etc. geschrieben und die eigentümliche Theorie des französischen klassischen Theaters durch seine "Examens" und "Discours du poème dramatique, de la tragédie, des trois unités" begründet. Von allen Ausgaben seiner Werke ist die wichtigste die von C. selbst durchgesehene von 1682. Von Voltaires Ausgabe (1764), der mit großer Willkür verfuhr, ist nur der Kommentar wertvoll; die vollständigste und beste ist die von Marty-Laveaux (1862-68, 12 Bde.), welche alle Varianten nebst Anmerkungen, eine Biographie und ein Lexikon enthält. 1834 wurde dem Dichter zu Rouen eine Bildsäule errichtet. Vgl. Guizot, C. et son temps (7. Aufl., Par. 1880); Taschereau, Histoire de la vie et des ouvrages de P. C. 3. Aufl., das. 1869); Saint-René Taillandier, C. et ses contemporains (das. 1864); Picot, Bibliographie Cornélienne (das. 1875); Levallois, C. inconnu (das. 1876).

2) Thomas, dramat. Dichter, Bruder des vorigen, geb. 20. Aug. 1625 zu Rouen, genoß dieselbe Erziehung wie sein Bruder, wurde Advokat, trat dann zuerst auf mit einem Lustspiel: "Les engagements du hasard" (1647), und brachte nach und nach an 40 Stücke (Komödien, Tragödien und Opern) zur Aufführung, welche die Fehler seines Bruders in verstärktem Maß aufweisen, ohne die Kraft und Erhabenheit desselben zu erreichen. Eine gewisse Regelmäßigkeit und nüchterne Eleganz wird ihnen nachgerühmt. Seine erste Tragödie: "Timocrate" (1656), fand eine äußerst beifällige Aufnahme und erlebte 80 Vorstellungen; "Ariane" (1672) wurde von Voltaire für seine beste Tragödie erklärt. Außer einer Ovid-Übersetzung und einigen prosaischen Schriften hat er sich auch als Sprachforscher Verdienste erworben; er schrieb: "Observations sur les remarques de Vaugelas" (Par. 1687, 2 Bde.); "Dictionnaire des arts et des sciences" (das. 1694, 1720, 2 Bde.) und "Dictionnaire universel géographique et historique" (das. 1807, 3 Bde.). Die vollständigste Ausgabe seines "Théâtre" ist die von 1722 (5 Bde.). Nachdem C. 1685 an Stelle seines Bruders in die Akademie aufgenommen und 1701 Mitglied der Akademie der Inschriften geworden war, starb er 8. Dez. 1709 in ziemlich ärmlichen Verhältnissen.

Cornelia, eine der edelsten Römerinnen, Tochter des Scipio Africanus des ältern, Gemahlin des Sempronius Gracchus, Mutter der Gracchen, schlug nach dem Tod ihres Gemahls die Hand des Königs Ptolemäos von Ägypten aus, um sich ganz der Erziehung ihrer Kinder widmen zu können. Als sie einst nach ihrem Schmuck gefragt wurde, sagte sie, auf ihre Kinder zeigend: "Diese sind mein Schmuck". Sie war nicht nur als Mutter der Gracchen, sondern auch wegen ihrer seltenen Bildung berühmt; ihre Briefe wurden wegen der Schönheit der Sprache von den Alten lange Zeit erhalten und allgemein bewundert. Ob die unter ihrem Namen auf uns gekommenen zwei Bruchstücke eines Briefs an ihren jüngern Sohn, in denen sie denselben von seinen Umsturzplänen abmahnt, echt sind, ist zweifelhaft. Das Volk ehrte sie später als die Mutter der Gracchen durch eine eherne Bildsäule. Vgl. Sörgel, C., die Mutter der Gracchen (Erlang. 1868).

Cornelisz, Cornelis, 1) niederländ. Maler, geb. 1562 zu Haarlem, lernte bei Pieter Pietersz, ging mit 17 Jahren nach Frankreich und hielt sich dann in Antwerpen auf, wo er unter Gillis Coignet arbeitete. 1583 kehrte er nach Haarlem zurück und malte dort ein großes Bild mit den Porträten der Vorsteher der Schützengilde. Von jetzt ab entwickelte er, vornehmlich durch die Italiener beeinflußt, eine umfangreiche Thätigkeit in der Behandlung von mythologischen, biblischen und historischen Stoffen. Seine Bilder sind meistens sehr umfangreich und mit vielen Figuren angefüllt, deren Vorzüge mehr in der korrekten Zeichnung als in der Charakteristik der Köpfe liegen. Für den Grafen von Leicester malte er eine große Darstellung der Sündflut. Gemälde von ihm finden sich in Haarlem, Amsterdam, im Haag, in Dresden und Berlin. Er gründete mit Karel van Mander eine Malerakademie in Haarlem und starb daselbst 11. Nov. 1638.

2) Jakob, niederländ. Maler und Zeichner für den Holzschnitt, geboren zu Oostsanen, war um 1500 bis 1530 zu Amsterdam thätig. Er hat zahlreiche religiöse Gemälde in dem strengen Stil der ältern holländischen Schule geschaffen, und dieselbe Trockenheit und Nüchternheit gibt sich auch in den nach seinen Zeichnungen ausgeführten Holzschnitten kund, obwohl er auf die Bildung seiner Architekturen der italienischen Renaissance Einfluß gestattet hat. Seine Hauptwerke sind: eine Donatorenfamilie von 1506, ein Flügelaltar mit der Madonna, vier Heiligen und dem Stifterpaar (Berliner Museum), Christus als Gärtner von 1507 (Kassel), eine Herodias von 1524 (im Haag), Saul bei der Hexe von Endor von 1526 (Amsterdam) und der Hieronymusaltar von 1511 (Wien, Belvedere). Nach unrichtiger Lesung seines Monogramms auf Holzschnitten wurde C. früher fälschlich Johann Walter van Assen genannt.

Cornelius, Geschlechtsname mehrerer weitverzweigter alter römischer, teils patrizischer, teils plebejischer Familien. Die hervorragendsten Cornelier s. unter den Namen: Cinna, Dolabella, Gallus, Lentulus, Scipio, Sulla und Tacitus.

Cornelius, Heiliger und Papst, ward, weil er dem Mars nicht opfern wollte, 252 enthauptet. Sein Gedächtnistag ist der 16. September.

Cornelius, 1) Peter, Ritter von, Historienmaler und Gründer einer Malerschule, geb. 23. Sept. 1783 zu Düsseldorf als Sohn des dortigen Galerieinspektors und Malers Aloys C., welcher frühzeitig den Knaben auf das Gebiet der Kunst lenkte. Nach dem

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]