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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Corona veneris; Coronado; Coronatenschichten; Coronel; Coronella; Coronelli; Coroner

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Coronado - Coroner.

selten verliehene militärische Ehrenzeichen für den Führer, der eine eingeschlossene Stadt oder einen umzingelten Heerhaufen befreit hatte; sie wurde aus Gras, welches man dem betreffenden Ort entnahm, geflochten, daher sie auch C. graminea (Graskrone) hieß. Die C. muralis (Mauerkrone, Fig. 2), gewöhnlich von Gold, mit zinnenartigen Verzierungen, war für den bestimmt, welcher im Sturm zuerst die Mauern einer Stadt erstieg. Die C. navalis, auch classica oder rostrata (Schiffskrone, Fig. 3) genannt, war aus Schiffsschnabelfiguren zusammengesetzt, ebenfalls von Gold und ward dem Feldherrn zuteil, der zuerst an Bord eines feindlichen Schiffs sprang. Die C. vallaris oder castrensis (Lagerkrone, Fig. 4), einen Ring von Schanzpfählen darstellend, auch von Gold, erhielt der, welcher zuerst in den feindlichen Lagerwall eindrang. Die C. triumphalis (Fig. 5), einen Lorbeerkranz, trug der triumphierende Imperator; die C. ovalis, von Myrtenzweigen, wurde beim kleinen Triumph (s. Ovation) vom Feldherrn getragen. Die C. civica (Bürgerkrone, Fig. 6), aus Eichenlaub, erhielt derjenige, welcher in einer Schlacht einem Bürger das Leben gerettet hatte; daher trug sie die Aufschrift "Ob civem servatum". Sie gewährte besondere Ehrenrechte und dem Empfänger wie seinem Vater und Großvater Freiheit von Abgaben. Augustus hatte eine C. civica auf dem Giebel seines Hauses, die ihm vom Senat überreicht war. Auch außerdem wurden tapfere Waffenthaten durch goldene Kränze geehrt, womit gewöhnlich die Erlaubnis verbunden war, dergleichen Ehrenzeichen lebenslänglich und besonders bei feierlichen Gelegenheiten zu tragen. Die Corollae waren Kränze, welche verdienten Schauspielern erteilt wurden; anfangs wand man dieselben aus Blumen und befestigte sie mit Bändern am Haupt, in der Folge aus vergoldetem Kupferblech, Crassus zuerst aus Gold und Silber. Der Freude gewidmet waren die C. convivalis (Schmauskranz), aus Zweigen und Blumen, später künstlich aus Gold gefertigt und bei Gastmählern getragen, die C. natalicia (Geburtstagskranz) u. a.

In übertragenem Sinn bedeutet C. einen umgebenden Kreis von Zuhörern etc.; den bei der Tonsur stehen bleibenden Kranz von Haaren; ferner s. v. w. Heiligenschein, die Umzingelung eines belagerten Orts. Endlich heißt C. auch die äußerste atmosphärische Hülle der Sonne, wie sie bei Sonnenfinsternissen hervortritt (s. Sonne).

^[Abb.: Fig. 1. Corona obsidionalis (Belagerungskranz).

Fig. 2. Corona muralis (Mauerkrone).

Fig. 3. Corona navalis (Schiffskrone).

Fig. 4. Corona vallaris (Lagerkrone).

Fig. 5. Corona triumphalis. (Lorbeerkranz).

Fig. 6. Corona civica (Bürgerkrone).]

Coronado, Carolina, span. Dichterin, geb. 1823 zu Almendralejo (Provinz Badajoz), erregte schon im 14. Jahr durch eine Ode: "A la palma", bedeutendes Aufsehen und kam 1848 nach Madrid, wo sie sich mit dem Sekretär der nordamerikanischen Gesandtschaft, Horatius Perry, vermählte. Ihre Werke bestehen in lyrischen Poesien, die sich durch Wohllaut und Gemütstiefe auszeichnen, und von denen bereits 1843 eine Sammlung im Druck erschien; ferner in dramatischen Arbeiten, von denen die Komödie "El cuadro de la esperanza" und das historische Drama "Alfonso IV de Aragon" Auszeichnung verdienen. Auch veröffentlichte sie Romane und Novellen, wie: "Paquita", "La luz del Tajo", "Adoracion" (zusammen 1851), "Jarilla" (7. Aufl., Madr. 1874), "Sigea" (das. 1854), "La rueda de desgracia" (das. 1874) u. a., sowie eine Reiseschilderung: "Del Tajo al Rheno".

Coronatenschichten, s. Juraformation.

Corona veneris (lat., "Venuskrone"), ein sekundärer syphilitischer Ausschlag auf der Stirnhaut. Vgl. Syphilis.

Coronel, Hafenstadt in der Provinz Concepcion (Chile), an der Araucobai, mit Kohlengruben (Ausfuhr jährlich 115,000 Ton.) und (1875) 5658 Einw. C. ist Sitz eines deutschen Konsuls; 1883 verkehrten hier 409 Seeschiffe, davon 46 deutsche.

Coronella, s. Nattern.

Coronelli, Marco Vincentio, ital. Geschichtschreiber und Geograph, geb. 1650 zu Venedig, wurde 1702 Minoritengeneral, folgte dann einem Ruf nach Frankreich, wo er für Ludwig XIV. große Himmels- und Erdgloben verfertigte (jetzt auf der Nationalbibliothek), und starb 1718 als Professor der Geographie in Venedig. Er war Stifter der Akademie der Argonauten daselbst und hinterließ an 400 Karten (mit erklärendem Text). Von seinen sonstigen Werken sind zu erwähnen: "Storia veneta dall'anno 421 al 1504" (3 Bde.); "Roma antica e moderna" (1716) und das encyklopädische Werk "Bibliotheca universalis sacro-profana" (28 Bde., wovon jedoch nur 7 Bände im Buchhandel erschienen).

Coroner (engl.), in England und in Nordamerika der Beamte, welcher unter Zuziehung einer Jury die Ursache plötzlicher Todesfälle zu untersuchen, beim Verdacht der Tötung das gerichtliche Verfahren gegen den Schuldigen einzuleiten und bei Selbstmorden

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]