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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Crelinger; Crell; Crelle; Crema

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Crelinger - Crema.

und ohne sanktionierte Geltung darstellen, fanden nur in engern Kreisen Anklang. Mit Jost begründete er eine Zeitschrift in hebräischer Sprache: "Zion" (Frankf. 1841-42), für die ungarischen und polnischen Juden. Er starb 5. Aug. 1842.

2) Theodor, Dichter und publizistischer Schriftsteller, Sohn des vorigen, geb. 17. April 1818 zu Mainz, ward Lehrer am israelitischen Philanthropin zu Frankfurt a. M. und einer der Hauptgründer des Frankfurter jüdischen Reformvereins, trat aber 1854 zum Christentum über und wurde 1859 zum Lehrer an der höhern Bürgerschule zu Frankfurt, 1863 zum Professor der Geschichte und Litteratur am Gymnasium daselbst ernannt. Litterarisch machte er sich bekannt durch seine "Dichtungen" (Frankf. 1839), "Gedichte" (das. 1848, 2. Aufl. 1851) und durch die Herausgabe des "Briefwechsels zwischen Goethe und Marianne v. Willemer" (2. Aufl., Stuttg. 1878). Mit O. Jäger besorgte er die neue Ausgabe von Schlossers "Weltgeschichte" (1870 ff.). Er starb 6. Dez. 1877. - Sein Sohn Wilhelm C., geb. 4. Juni 1851 zu Frankfurt a. M., seit 1883 Professor der deutschen Litteratur an der Universität Krakau, schrieb: "Versuch einer Geschichte des Volksschauspiels von Dr. Faust" (Halle 1878); "Zur Entstehungsgeschichte des neuern deutschen Lustspiels" (das. 1879) und "Bühnengeschichte des Goetheschen Faust" (Frankf. 1881).

Crelinger, Auguste, verwitwete Stich, geborne Düring, berühmte Schauspielerin, geb. 7. Okt. 1795 zu Berlin, debütierte 1812 in Ifflands "Hagestolzen" als Margarete und heiratete 1817 den Schauspieler Stich, nach dessen Tod (1824) sie sich mit dem Sohn des Bankiers C. in Berlin verband. Ihre Lieblingsrollen in ihrer besten Zeit waren hochtragischer Natur, wie Sappho, Phädra, Gräfin Orsina, Gräfin Terzky, Maria Stuart, Adelheid in "Götz von Berlichingen", Lady Macbeth und vor allen Iphigenia; doch war sie auch im Schau- und Lustspiel ausgezeichnet. Eine schöne Gestalt, ein klangvolles Organ, ausdrucksvolle Mimik und echt künstlerisches Studium waren die vornehmsten Eigenschaften dieser geradezu vollendeten Schauspielerin. Nachdem sie 1862 ihr 50jähriges Jubiläum an der Berliner Hofbühne gefeiert, zog sie sich von derselben zurück und starb 11. April 1865. - Ihre Töchter debütierten 1834 auf dem Königsstädtischen Theater in Berlin und gehörten dann gleichzeitig bis 1842 dem Hoftheater an. Bertha Stich, geb. 4. Okt. 1818, kam 1842 nach Hamburg, wo sie die Bühne verließ, als sie sich mit Dr. Miehe verheiratete, und starb dort 18. Okt. 1876; die zweite Tochter, Klara Stich, geb. 24. Jan. 1820, kehrte nach einjährigem Engagement in Schwerin 1843 an das Berliner Hoftheater zurück, verheiratete sich 1848 mit dem Schauspieler Franz Hoppé (gest. 1849) und 1860 mit dem Hofschauspieler Liedtke und starb 10. Okt. 1862. Sie zeichnete sich besonders in naiv-sentimentalen Rollen aus.

Crell, Nikolaus, kursächs. Kanzler, geboren um 1551 zu Leipzig, studierte, auf der Fürstenschule zu Grimma vorgebildet, seit 1571 in Leipzig die Rechte und wurde 1580 zu Dresden Hofrat und Sekretär des Kurprinzen Christian, der ihn nach seinem Regierungsantritt 1586 zum Geheimrat und 1589 zum Kanzler erhob. Vom Adel und der Kurfürstin Sophie schon als Emporkömmling gehaßt, zog er sich durch seinen Widerstand gegen die immer gehässiger werdende lutherische Orthodoxie und Besetzung der vornehmsten geistlichen Ämter mit Kryptocalvinisten, durch Einführung eines neuen Katechismus, durch Veranstaltung einer Bibelausgabe mit Glossen, der sogen. Crellschen, etc. auch den Haß des fanatisierten Volkes zu. Als daher 1591 nach Christians Tod Herzog Friedrich Wilhelm von Weimar, ein eifriger Lutheraner die vormundschaftliche Regierung übernahm, ward C. durch die feindliche Verbindung der Stände und der durch seine Herrschsucht verletzten kurfürstlichen Räte gestürzt und nach dem Königstein gebracht. C. saß vier Jahre gefangen, ehe man sich über die Formalien des über ihn zu verhängenden peinlichen Prozesses einigen konnte; erst im August 1595 brachte man eine Anklageschrift von 7 Artikeln gegen ihn zu stande, die aber auf 4 zusammenschwanden, als der Herzog Friedrich Wilhelm auch Beweise forderte. Trotz der Aufmerksamkeit seiner Wächter war es dem Gefangenen gelungen, seinen Freunden eine Instruktion zukommen zu lassen, nach welcher seine Gattin beim Reichskammergericht in Speier eine Beschwerde wegen verzögerten Rechtsganges einreichte, worauf diese Behörde wiederholte Mandate zu Crells gunsten erließ. Allein die sächsische Regierung bestritt die Kompetenz des Reichsgerichts, sie erreichte ein kaiserliches Reskript vom 2. Mai 1601, durch welches der Prozeß den kursächsischen Gerichten überwiesen wurde, und trug unter dem Vorwand, nicht Kläger und Richter in einer Person sein zu wollen, das Urteil der böhmischen Appellationskammer zu Prag auf. Auf deren Spruch fällte der Administrator das Todesurteil über C., und 9. Okt. 1601 wurde dieses zu Dresden vollstreckt. Vgl. Richard, Der kurfürstlich sächsische Kanzler Nikolaus C. (Dresd. 1859, 2 Bde.); Brandes, Der Kanzler C. (Leipz. 1873).

Crelle, August Leopold, Mathematiker und Baumeister, geb. 11. März 1780 zu Eichwerder bei Wriezen, bildete sich fast einzig durch Selbststudium, bekleidete bei dem preußischen Staatsbauwesen zuerst mehrere untergeordnete Stellungen und ward später Geheimer Oberbaurat und Mitglied der Oberbaudirektion. Die meisten von 1816 bis 1820 im preußischen Staat ausgeführten Kunststraßen wurden unter seiner Leitung, die Berlin-Potsdamer Eisenbahn nach seinem Entwurf gebaut. Seit 1824 vom preußischen Unterrichtsministerium ausschließlich mit mathematischen Arbeiten beschäftigt, trat er 1849 aus dem Staatsdienst und starb 6. Okt. 1855 in Berlin. Er schrieb: "Versuch über die Rechnung mit veränderlichen Größen" (Götting. 1811); "Sammlung mathematischer Aufsätze und Bemerkungen" (Berl. 1820-1822, 2 Bde.); "Versuch einer allgemeinen Theorie der analytischen Fakultäten" (das. 1823); "Lehrbuch der Arithmetik und Algebra" (das. 1825); "Handbuch des Feldmessens und Nivellierens" (das. 1826); "Lehrbuch der Elemente der Geometrie" (das. 1826-27, 2 Bde.); "Rechentafeln" (das. 1822) etc. Auch gab er das "Journal für reine und angewandte Mathematik" (Berl. 1826-55, 50 Bde.) und das "Journal der Baukunst" (das. 1828-51, 30 Bde.) heraus.

Crema, Kreishauptstadt in der ital. Provinz Cremona, am Serio und an der Eisenbahn von Treviglio nach Cremona, in trefflich kultivierter Gegend; hat eine Kathedrale (1341 vollendet), Reste eines alten Kastells, ein Gymnasium, eine technische Schule, ein Seminar, 2 Theater und (1881) 8251 Einw., welche Flachs-, Reis- und Seidenkultur, Flachsspinnerei und Glockengießerei sowie lebhaften Marktverkehr betreiben. 1 km außerhalb der Stadt liegt die schöne Rundkirche Santa Maria della Croce (1500 vollendet). C. ist Bischofsitz. - C. soll um 570 von Flüchtlingen gegründet sein, die der Grausamkeit des Langobardenkönigs Alboin auswichen. Friedrich I. zerstörte 1160 nach siebenmonatlicher Belagerung die Stadt als

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