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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Crescentino; Crescentius; Crescenzi; Crescimbeni; Crescimir; Crespi

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Crescentino - Crespi.

jedoch so ungünstig auf seine Stimme wirkte, daß er 1812 seine Entlassung nehmen mußte. Von 1813 bis 1825 lebte er zurückgezogen in Bologna, ward dann von Franz I. zum Gesangsdirektor am Musikkollegium zu Neapel ernannt und starb hier 24. April 1846. Die Schönheit und Biegsamkeit seiner Mezzosopranstimme sowie der Ausdruck in seinem Vortrag sollen unvergleichlich gewesen sein. Die Zeitgenossen berichten mit Entzücken von der Wirkung, die er unter anderm in Zingarellis Oper "Romeo und Julia" hervorbrachte, namentlich mit der Arie "Ombra adorata, aspetta", durch die er bei einer Aufführung dieser Oper in den Tuilerien 1806 Napoleon und seinen ganzen Hof zu Thränen rührte. Auch als Komponist hat sich C. ausgezeichnet, sowohl durch seine zahlreichen Arien mit Klavierbegleitung als auch durch seine "Raccolta di esercizj per il canto" (Par. 1811 u. öfter), ein vielgebrauchtes Solfeggienwerk.

Crescentino (spr. kresch-), Stadt in der ital. Provinz Novara, Kreis Vercelli, am Po, früher befestigt und im 16. und 17. Jahrh. von den Franzosen und Spaniern oft belagert und wiederholt genommen, hat (1881) 2415 Einw.

Crescentius, Johannes (auch Nomentanus genannt), röm. Patrizier aus der reichbegüterten Familie der Crescentier, vermutlich Sohn eines ältern C., Sohns der Theodora, hatte während der Regierung des Papstes Johann XV. 985-995 die ganze Gewalt in Rom in seiner Hand und wurde von der Kaiserin Theophano 989 als Patricias anerkannt. Als Otto III. 996 nach Rom kam, huldigte ihm zwar C., erklärte sich aber nach Abzug des Kaisers wieder zum Patricius und Konsul, vertrieb 997 den von Otto eingesetzten Papst Gregor V. und ließ einen neuen Papst, Johann XVI., wählen, wurde aber von Otto in der Engelsburg eingeschlossen. Dieselbe wurde nach hartnäckiger Verteidigung erobert, C. gefangen und 26. April 998 getötet. Seine Leiche ward an den Galgen geknüpft. Sein Sohn Johannes C. herrschte 1012 vorübergehend wieder über Rom und das Papsttum.

Crescenzi, 1) Peter (Petrus de Crescentiis), Begründer der Agronomie in Europa, geb. 1230 zu Bologna, war Advokat und Beisitzer des Podestà in seiner Vaterstadt. Durch Unruhen genötigt, sie zu verlassen, durchreiste er Italien, kehrte nach 30 Jahren nach Bologna zurück und ward hier zum Senator erwählt. Er starb 1310. Seine vielfachen Erfahrungen über den Landbau legte er in seiner Schrift "Opus ruralium commodorum libri XII" nieder, die eins der ersten gedruckten Werke ist (Augsb. 1458; ital., Flor. 1478, von Sansovino, das. 1605, Bologna 1784; deutsch, Straßb. 1494, neue Aufl. 1602; die schönste der ältesten Ausgaben ist die von Lorrain 1474; die letzte ist die von Geßner in den "Scriptores rei rusticae", Leipz. 1735, 2 Bde.). C. folgte in der Anlage seines Werks vorzüglich dem Columella; seine Grundsätze sind auf Erfahrungen gestützt und erheben sich weit über ihre Zeit.

2) Giovanni Battista C., Marquis della Torre, Gelehrter, Maler und Beschützer der Künste, dessen Haus zu Rom einer Akademie glich, geboren um 1595 zu Rom, erhielt von Paul V. die Oberaufsicht über die Paulinische Kapelle und andre in Rom auszuführende Kunstwerke, dann 1617 in Spanien von Philipp III. die Ausführung des Panthéons im Eskorial übertragen und ward dafür von Philipp IV. zum Marquis erhoben. C. starb in Madrid 1660 oder 1665.

Crescimbeni (spr. kresch-), Giovanni Maria de, ital. Litterator und Dichter, geb. 9. Okt. 1663 zu Macerata in der Mark Ancona, machte, nachdem er seine erste Erziehung in seiner Vaterstadt erhalten, seine Studien bei den Jesuiten und schrieb in noch sehr jugendlichem Alter die Tragödie "Darius" und eine Übersetzung der zwei ersten Bücher der "Pharsalia" des Lucan in Oktaven, wurde im 15. Jahr Mitglied der Accademia de' Disposti und im 16. Doktor der Rechte. 1680 ging er nach Rom, wo er sich anfangs mit juristischen, später vorzugsweise mit litterarischen Studien beschäftigte und, um den verderbten Geschmack zur Einfachheit und Natur zurückzuführen, die Accademia degli Arcadi gründete, welche 1690 eröffnet und deren Präsident er wurde. Später trat er in den geistlichen Stand, erhielt 1705 ein Kanonikat und wurde 1715 Erzpriester. Kurz vor seinem Tode trat er in den Jesuitenorden; er starb 8. März 1728. Seine Poesien ("Rime", Rom 1695 u. 1723) sind jetzt vergessen. Von seinen übrigen, sehr zahlreichen Werken ist das wichtigste seine "Istoria della volgar poesia" (Rom 1730-31, 6 Bde.), ein zwar schlecht geordnetes und unkritisches, aber wegen des darin verarbeiteten Materials noch heute nicht entbehrliches Werk.

Crescimir I. und II., Könige der Kroaten im 10. und 11. Jahrh., bemächtigten sich des ganzen dalmatischen Küstenstrichs, beherrschten mit ihrer Flotte das Adriatische Meer, erwarben die Schutzherrschaft über griechische Städte und gewöhnten ihre Unterthanen an Ackerbau, Gewerbfleiß und Handel.

Crespi, 1) Giovanni Battista, gewöhnlich nach seinem Geburtsort il Cerano genannt, ital. Maler, geb. 1557, studierte in Rom und Venedig neben der Malerei auch Baukunst und Plastik und war in der schönen Litteratur und in ritterlichen Künsten wohlgeübt, weshalb er am mailändischen Hof und an der Akademie eine bedeutende Rolle spielte. Crespis Malerei ist immer frei, geistreich, jedoch bisweilen manieriert. Ein ganz besonderes Talent besaß er in naturgetreuer Darstellung von Tieren, die er häufig in Kabinettsstücken anbrachte. Er starb 1633 in Mailand.

2) Daniele, Sohn und Schüler des vorigen, geb. 1592 zu Burto-Assizio im Mailändischen, starb 1630 an der Pest. Seine Farbengebung ist der der Carracci ähnlich und das Kolorit, sowohl in Öl als auf Kalk, äußerst kräftig. Ansprechend ist insbesondere der Ausdruck des Seelenvollen in den Gesichtern seiner Heiligen. In der Passionskirche zu Mailand, wo auch seine große Kreuzabnahme ist, hat er viele im besten Tizianischen Geschmack ausgeführte Bildnisse hinterlassen. Seine letzten Gemälde, aus dem Leben des heil. Bruno in der Kartause zu Mailand, sind auch seine besten.

3) Giuseppe Maria, ital. Maler und Radierer, von seinen Mitschülern wegen seines eleganten Auftretens lo Spagnuolo genannt, geb. 1665 zu Bologna, war Schüler Canutis und Cignanis, bildete sich dann durch das Studium der Carracci, der berühmtesten Venezianer, Correggios, Baroccios sowie der Natur, indem er mittels einer Camera obscura nicht nur die Leute auf der Straße beobachtete, sondern namentlich auch die verschiedenen Spiele und Widerscheine des Lichts aufzufassen suchte. Seine Bilder sind voll solcher und andrer Seltsamkeiten. So räumte er in heroischen und heiligen Bildern nicht selten Zerrbildern eine Stelle ein, und auch in Schatten und Gewandung verfiel er oft in das Manierierte. Sonst zeichnen sich seine Gemälde aus durch Leichtigkeit der Komposition, Kraft des Ausdrucks und Lebendigkeit der Bewegung. In der Dresdener Galerie sind von ihm die sieben Sakramente, in der

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