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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Crichton; Crichtonit; Cricket; Cricklade; Crida; Crieff; Crillon

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Crichton - Crillon.

Crichton (spr. krik'tn oder kreit'n), James, der "Bewundernswürdige" genannt, engl. Gelehrter, geb. 1560 in Schottland, ward zugleich mit dem Prinzen Jakob von Buchanan erzogen und sprach und schrieb in seinem 20. Jahr 20 Sprachen, spielte mehrere musikalische Instrumente und zeichnete sich daneben in allen ritterlichen Künsten aus. In Paris forderte er zu Disputationen über beliebige Wissenschaften und in beliebigen Sprachen auf und trug in solchen Disputationen in Navarra, Rom, Venedig, Padua den Sieg davon. Zu Mantua tötete er den gefürchtetsten Raufer seiner Zeit im Zweikampf, wofür ihn der Herzog zum Erzieher seines Sohns Vincenzo von Gonzaga ernannte, von dem er jedoch im Juli 1583 meuchlerisch ermordet wurde.

Crichtonit, s. Titaneisenerz.

Cricket, engl. Nationalballspiel, von zwei Parteien zu je 11 Mann, also von 22 Personen, gespielt. Der Ball aus Baumwolle, vollkommen rund und etwa 200 g schwer, ist gewöhnlich mit rotem Maroquinleder fest umzogen. Das Ballholz (bat) ist ein Schläger zum Schleudern des Balles. In einer Entfernung von 22 Schritt werden auf dem Spielplatz die beiden Wickets eingeschlagen, d. h. je drei etwas über 2 Fuß lange Stöcke, welche so dicht bei einander stehen, daß der Ball nicht vollkommen hindurch kann. Auf diesen drei Stäben liegen wieder zwei kurze Stöckchen, sogen. Bails, lose auf und zwar so, daß sie sich beide auf dem mittelsten Wicketstab begegnen, und vor jedem Wicket steht auf einem 3 Fuß 5 Zoll im Quadrat großen Raum, dem sogen. Popping crease, ein Spieler, der Batter, welcher beim Schlagen diesen Raum nicht überschreiten darf. Die eine Partei sucht nun mit ihrem Ball das Wicket zu berühren, damit eins der Bails oder auch beide heruntergeworfen werden; gelingt dies nicht, und schlägt der vor dem Wicket stehende Spieler der Gegenpartei den Ball hinweg, so sucht dieser, ehe der Ball von der ringsumher stehenden feindlichen Partei wieder zurückgeworfen oder ins Spiel gebracht wird, möglichst oft zu dem 22 Schritt davon stehenden andern Wicket und zurückzulaufen; nach der Anzahl dieser Läufe oder Runs wird das Spiel berechnet. Die größte Geschicklichkeit besteht daher auf seiten des Schlägers darin, den nach dem Wicket zu geschleuderten Ball schnell und weit beiseite zu schlagen, um in der Zwischenzeit die größtmögliche Anzahl von Läufen zu erhalten, für den Werfer hingegen in der Kunst, den Ball so geschickt und schnell zu schleudern, daß er womöglich den Schläger umläuft und die Bails niederwirft. Außer diesem Doppelspiel, welches das gewöhnlichere ist, gibt es auch noch das einfachere Wicketspiel. Es gibt eine sehr große Anzahl der genauesten Regeln zu diesem Spiel, welches in ganz England mit großer Leidenschaft gespielt wird. Vgl. Pycroft, The Cricketfield (7. Aufl., Lond. 1882); Routledge, Handbook of C. (neue Ausg. 1883).

Cricklade (spr. -lehd), altes Städtchen im nördlichen Wiltshire (England), an der Themse, mit 5563 Einw.

Crida (lat.), s. Krida.

Crieff (spr. krihf), Stadt in Perthshire (Schottland), malerisch am Earn und dem Fuß der Grampians gelegen, hat eine Wasserheilanstalt, Leinen- und Wollwarenfabriken und (1881) 4469 Einw.

Crillon (spr. krijóng), 1) Louis des Balbes de Berton de, einer der berühmtesten Helden des 16. Jahrh., "der Mann ohne Furcht", von Heinrich IV. "der Tapfere der Tapfern" genannt, geb. 1541 zu Murs in der Provence, bildete sich zu Avignon, dann unter dem Herzog Franz Guise von Lothringen für den Kriegsdienst aus, ward 1557 Offizier und zeichnete sich bei der Belagerung von Calais sowie bei der Einnahme von Guines durch seltenen Mut aus. Er unterdrückte die Verschwörung von Amboise 1560, focht gegen die Hugenotten und that sich in den Schlachten von Dreux, St.-Denis, Jarnac und Moncontour hervor. Nach dem Frieden von St.-Germain (1570) focht er als Malteserritter gegen die Türken und eröffnete die Seeschlacht von Lepanto. Die Greuel der Pariser Bluthochzeit mißbilligte er laut, zeichnete sich aber 1573 bei der Belagerung von La Rochelle aus. Heinrich III., den er nach Polen begleitet hatte, ernannte ihn zum Gouverneur von Lyon. Im Kriege gegen die Ligue zwang er 1580 La Fère zur Ergebung, ward Chef eines Garderegiments, Beisitzer im königlichen Rat und Generaloberstleutnant der Infanterie und unterwarf 1586 die Provence. Das Ansinnen Heinrichs III., den Herzog von Guise zu ermorden, wies er mit Entrüstung zurück. Später war er die einzige Stütze des schwachen Heinrich III., nach dessen Tod er der Freund und Ratgeber Heinrichs IV. wurde. Im Krieg Heinrichs IV. gegen Spanien zeichnete er sich wieder aus und befehligte 1600 ein Heer in Savoyen. Nach dem Frieden zog er sich nach Avignon zurück und starb 2. Dez. 1615 daselbst. Vgl. Lussan, Vie de C. (Par. 1757 u. 1781); Montrond, Histoire du brave C. (5. Aufl., das. 1874). - Der Name C. ging auf seinen dritten Bruder, Thomas des Balbes de Berton, über, und zu gunsten von dessen Nachkommen in vierter Generation, François Félix, ward die Herrschaft 1725 in ein Herzogtum verwandelt.

2) Louis des Balbes de Berton de Quiers, Herzog von C.-Mahon, geb. 1718, trat 1731 in französische Kriegsdienste, focht 1733 in Italien, 1742 in Deutschland und ward im Siebenjährigen Krieg Generalleutnant. Wegen eines Streits mit dem französischen Ministerium trat er 1762 in spanische Dienste und ward im Krieg mit Portugal Grande der ersten Klasse und General. 1782 eroberte er die Insel Menorca, von deren Hauptstadt er den Titel Herzog von Mahon erhielt. Nach der Belagerung von Gibraltar ward er Generalkapitän von Murcia und Valencia und starb 1796 in Madrid. Seine "Mémoires" (Par. 1791) enthalten viel Treffliches über die Kriegskunst.

3) François Félix Dorothée des Balbes, Herzog von, zweiter Sohn des vorigen, geb. 1748 zu Paris, diente unter seinem Vater im spanischen Heer und machte die Expedition gegen Menorca mit. 1789 war er Deputierter des Adels in der Nationalversammlung und schloß sich den Liberalen an, aus denen der Klub der Feuillants hervorging. 1792-94 war er eingekerkert. 1815 ward er Pair von Frankreich, nannte sich nach einem Gut in der Picardie Herzog von Boufleurs und starb 27. Jan. 1820. Mit seinem Sohn Marie Gérard, Herzog von C., geb. 1782, erlosch im April 1870 das Geschlecht.

4) Louis Antoine François de Paule de C., Herzog von Mahon, dritter Sohn von C. 2), geb. 1775, war mit 18 Jahren Oberst in spanischen Diensten, fiel 1794 mit seinem ganzen Regiment in französische Gefangenschaft, durfte aber nach Spanien zurückkehren. Vom Baseler Frieden 1795 bis zum Frieden von Campo Formio diente er als Freiwilliger unter Moreau, erhielt 1801 das Kommando einer spanischen Division, ward 1803 Gouverneur von Tortosa und 1807 Generalkapitän von Guipuzcoa, Alava und Viscaya. Auf Ferdinands Befehl trat er 1808 in die Dienste Joseph Bonapartes, ward Ge-^[folgende Seite]

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