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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Czoernig; Czórtkow; Czuczor; Czyhlarz; D

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Czoernig - D.

ausführen konnte. Hier gab C. seine "Memoiren über Bems Feldzug in Siebenbürgen in den Jahren 1848 und 1849" (Hamb. 1850) heraus.

Czoernig (spr. tschör-), Karl von, Freiherr von Czernhausen, Staatsmann und Statistiker, geb. 5. Mai 1804 zu Tschernhausen in Böhmen, studierte zu Prag und Wien und kam, 1828 im Staatsdienst angestellt, nach Triest und Mailand, wo er 1834 zum Präsidialsekretär ernannt wurde. Im J. 1841 als Direktor der administrativen Statistik nach Wien berufen, organisierte er hier die Statistische Anstalt und gab die regelmäßig erscheinenden "Tafeln der Statistik der österreichischen Monarchie" (Wien 1841 ff.) heraus. Er ward 1846 zum Hofrat bei dem Generalrechnungsdirektorium ernannt und unter Beibehaltung des Statistischen Büreaus in das Handelsministerium berufen. An der Neugestaltung Österreichs nahm C. thätigen Anteil durch die ihm übertragene Organisierung mehrerer Zentralstellen, wie der Zentralseebehörde zu Triest (1850-52), der Zentralkommission für Erhaltung der Baudenkmäler (1853-63), welche durch ihre Leistungen sich allgemeine Anerkennung erwarb, endlich der statistischen Zentralkommission (1863-65). Im J. 1850 ward er Sektionschef im Handelsministerium und erhielt die Oberleitung der öffentlichen Bauten (1852), dann des Staatseisenbahnwesens (1853-59), in welcher Stellung er unter anderm das Eisenbahnkonzessionsgesetz bearbeitete. Im J. 1852 wurde er in den Freiherrenstand erhoben und 1859 zum Wirklichen Geheimen Rat ernannt. 1866 trat C. in Ruhestand und lebt seitdem in Görz. Seine umfassendste Arbeit ist die große ethnographische Karte der österreichischen Monarchie, aus 9 Blättern bestehend und von 3 Bänden Text (Wien 1855-57) begleitet. Von seinen Schriften verdienen hervorgehoben zu werden: "Österreichs Neugestaltung von 1848 bis 1858" (Wien 1859, 2 Bde.); "Das österreichische Budget für 1862, verglichen mit jenen der vorzüglichern andern Staaten" (das. 1862, 2 Bde.); "Statistisches Handbuch für die österreichische Monarchie" (4. Aufl., das. 1861); "Darstellung der Einrichtungen über Budget, Staatsrechnung und Kontrolle in Österreich, Preußen, Sachsen, Bayern etc." (das. 1866); "Das Land Görz und Gradiska" (das. 1873); "Görz, Österreichs Nizza" (das. 1874); "Die alten Völker Oberitaliens" (das. 1885); "Die ethnologischen Verhältnisse des österreichischen Küstenlandes" (Triest 1885).

Czórtkow (spr. tsch-), Stadt in Galizien, am Sereth, südöstlich von Lemberg und an der Eisenbahn Stanislau-Hussiatyn, Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts, mit zwei Schlössern, einem Dominikanerkloster, Bierbrauerei, Öl- und Likörfabrikation und (1880) 3524 Einw.

Czuczor (spr. zutzor), Georg, ungar. Dichter und Gelehrter, geb. 17. Dez. 1800 zu Andód im Komitat Neutra, trat 1824 in den Benediktinerorden, war 1825-35 Lehrer an den Gymnasien zu Raab und Komorn und lenkte als solcher durch seine Heldengedichte: "Die Augsburger Schlacht" (1824) und "Der Reichstag zu Arad" (Pest 1828) die Aufmerksamkeit auf sich. Später folgten: "Botond" (Pest 1831) und "Johann Hunyady" (2. Aufl., das. 1833). Im J. 1835 zum Sekretär der ungarischen Akademie erwählt, zog er nach Pest, wo 1836 seine "Poetischen Werke", von Toldy gesammelt, erschienen. Der erotische Inhalt derselben wie überhaupt Czuczors freies Leben bewirkten seine Zurückberufung ins Kloster und ein Verbot seiner Schriften. Erst 1842 erlangte er die Lehr- und Schreibfreiheit wieder. Er veröffentlichte eine vortreffliche Übersetzung des Cornelius Nepos (2. Aufl., Pest 1843) und ein "Leben Washingtons" (das. 1845) und ward 1844 von der Akademie mit Ausarbeitung des großen akademischen Wörterbuchs betraut, eine Aufgabe, der er jedoch wegen mangelnder wissenschaftlich-linguistischer Schulung nicht gewachsen war, so daß die von ihm verfaßten Teile des groß angelegten Werkes mit ihrer phantastischen Etymologie durchaus unbrauchbar sind. Wegen eines im "Kossuth Hirlapja" abgedruckten Gedichts: "Riadó" ("Weckruf"), wurde C. im Januar 1849 von Windischgrätz zu sechsjährigem Festungsarrest in Eisen verurteilt, dann bei der Einnahme Ofens durch die Ungarn befreit und, nachdem er sich freiwillig wieder gestellt und einige Zeit auf der Festung Kufstein gesessen hatte, 1850 amnestiert. Er starb 9. Sept. 1866 in Pest, bis zu seinem Tod mit dem großen Wörterbuch der Akademie beschäftigt, das 1874 durch Fogarassy beendigt wurde. Außer den oben genannten Dichtungen hat C. Volkslieder, Balladen, Legenden und Elegien verfaßt. Seine gesammelten Gedichte erschienen in 3 Bänden (Pest 1858).

Czyhlarz (spr. zychlarsch), Karl, Ritter von, Rechtslehrer, geb. 17. Aug. 1833 zu Lobositz in Böhmen, studierte zu Prag Rechtswissenschaft und begab sich nach einer kurzen Praxis als Advokaturkonzipient nach Berlin, um sich für die Dozentur des römischen Rechts auszubilden, wurde sodann Studienpräfekt am Theresianum in Wien, 1863 außerordentlicher und 1869 ordentlicher Professor des römischen Rechts in Prag. Er schrieb: "Das römische Dotalrecht" (Gießen 1870); "Zur Lehre von der Resolutivbedingung" (Prag 1871); "Grundriß der Institutionen" (das. 1879); "Zur Geschichte des ehelichen Güterrechts im böhmisch-mährischen Landrecht" (Leipz. 1883). Dem böhmischen Landtag gehört C. als verfassungstreuer Abgeordneter seit 1866 an. Im J. 1879 wurde er in den erblichen Ritterstand erhoben.

D.

D (de), d, lat. D, d, der weiche oder tönende dentale Verschlußlaut. Er entsteht nach der gewöhnlichsten Aussprache dadurch, daß eine aus den Lungen emporgetriebene Luftsäule die Stimmbänder in schwingende Bewegung versetzt, aber im Mund einem durch Kontakt des vordern Teils der Zunge mit dem Gaumen bewirkten Verschluß begegnet, aus dem sie durch plötzliches Öffnen dieses Verschlusses hervorplatzt. Neben dem tönenden d gibt es jedoch auch ein tonloses, das z. B. in Mittel- und Süddeutschland und am Rhein herrscht und sich vom t nur durch die geringere Intensität der Artikulation unterscheidet. Daher kommt auch die häufige Verwechselung von d und t besonders in der mitteldeutschen Aussprache. Im Auslaut wird das deutsche d überall wie t gesprochen, z. B. in und (spr. unt). Ein andrer Unterschied gründet sich auf die Artikulationsstelle; der Physiolog Brücke unterscheidet hiernach vier Arten des d

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]