Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Dachdeckung

401

Dachdeckung.

Stifte am Abrutschen oder Aufklappen verhindert, oder sie werden so über rinnenförmige Sparren gelegt, daß ein Zwischenraum zum Abfluß des Wassers bleibt, und mittels federnder Querbänder und Bolzen auf den Sparren festgehalten. Die Metalldächer erhalten Neigungen von 10° und darüber und erfordern, wenn sie mit glatten Metallblechen gedeckt werden, eine Verschalung, während sie bei Anwendung von gewellten oder gerippten Metallblechen auch durch mehr oder minder starke Pfetten unterstützt werden können. Das Kupferdach ist zwar das haltbarste, aber auch das teuerste, das Zinkdach aus glattem oder Wellblech zur Zeit wohl das verbreitetste Metalldach. Außer denselben ist zu erwähnen die D. mit Schwarz- und Weißblech, mit Blei und mit verzinktem Eisenblech. Die Eindeckung mit Zinkblech erfolgt nach verschiedenen Systemen. Beim Falzsystem werden die rechtwinkeligen Bleche in der Länge oder Quere oder in der Länge und Quere durch Falze verbunden. Beim Leistensystem erhalten die Tafeln in der Fallrichtung keine feste Längenverbindung, sondern werden an den Seiten meist nur aufgekantet und über zwischengelegten Holzleisten durch Blechstreifen verbunden. Bei der Rautendeckung für steilere Dächer werden quadratische Bleche an allen vier Seiten durch einfache wulstförmige Falze verbunden. Bei dem Rinnensystem (namentlich für Balkone) vermeidet man alle überstehenden Leisten, Falze oder sonstigen Erhöhungen und erhält eine vollkommen glatte Fläche. Um aber an Mansardendächern die unschönen großen, glatten Flächen zu vermeiden, wird die Schuppendeckung angewandt und aus schuppenartig gepreßten Zinkblechen oder aus rautenförmig zugeschnittenen und bisweilen ebenfalls gepreßten Blechen mit Falzen hergestellt. Statt der Zinkbleche kommen in neuerer Zeit auch verzinkte Eisenbleche zur Verwendung, welche kleinere oder größere Platten bilden und an den Seitenkanten mit sich überdeckenden Wülsten versehen werden. Die Zinkwellbleche erfordern bei einer Überdeckung von etwa 10 cm eine Unterstützung nur in der Mitte und an den Enden durch hölzerne oder eiserne Latten, an welche sie mit Zinkhaften befestigt werden. Statt der Zinkwellbleche werden in neuerer Zeit der noch größern Tragfähigkeit wegen verzinkte Eisenwellbleche zur D. verwendet, welche auf hölzerne oder eiserne Pfetten gelegt und mit denselben vernietet oder verschraubt werden. Hierher gehört die in Fig. 5 a bis 5 d dargestellte D. mit dem sogen. Blechschiefer.

Die zur weichen Deckung gehörigen Holzdächer bestehen entweder aus 40-100 cm langen, 7-13 cm breiten, 1-1,5 cm starken Schindeln aus Tannen-, Fichten- oder Eichenholz, welche auf eine Lattung, oder aus gespündeten oder mit Leisten auf den Fugen versehenen Brettern, welche normal auf die Dachpfetten genagelt werden. Die Stroh- und Rohrdächer erhalten eine Neigung von über 50° und werden bez. aus Bündeln (Schauben) von Stroh und Rohr hergestellt, welche man in doppelten Lagen von 30-40 cm Dicke mittels Strohbändern auf Dachlatten befestigt (Fig. 6). Da Holz-, Stroh- und Rohrdächer sehr feuergefährlich sind, so hat man sie in vielen Staaten verboten, wo sie entweder durch Dächer aus Strohlehmschindeln, Dachpappe oder besonders durch die sogen. Estrichdächer ersetzt werden. Die Strohlehm- oder Streichschindeln sind aus Querstöcken, Stroh und Lehm auf Streichtischen bereitete Tafeln von 7-10 cm Dicke, welche im Verband mittels Bindeweiden auf Latten befestigt (Fig. 7) und in den Fugen mit Lehm verstrichen werden. Die Deckung mit Dach- oder Steinpappe (s. Dachpappe) erfordert eine Dachneigung von 10-15° und bedarf einer Schalung, worauf die Pappe in Rollen mit Überdeckung aufgezogen und an den Fugen mit Teer und Steinkohlenpech gedichtet wird. Nach der Deckung bestreicht man das Dach mit einer Mischung aus Teer und gelöschtem Kalkpulver und bestreut die ganze Fläche mit scharfem, gesiebtem Flußsand oder mit Steinkohlenasche, was alle zwei Jahre wiederholt werden muß. Zu den Estrichdächern, welche die aus einzelnen Stücken zusammengesetzte D. durch eine über die ganze Dachfläche ausgebreitete Masse ersetzen, gehören: die Asphaltbedachung, das nach seinem Erfinder benannte Dornsche Dach, die Lehm-, Holzkohlen- u. Steinkohlenaschen-Mastixdächer und das in neuerer Zeit sich verbreitende Holzzementdach. Die Asphaltdeckung besteht aus einer mit Steinkohlenteer gestrichenen, mit Packleinwand überzogenen Schalung, worüber eine ca. 15 mm starke Decke von zusammengeschmolzenem Mineralteer u. Asphalt ausgebreitet, mit Sand bestreut und zum Schutz gegen die Sonne mit dünnem Kalkmörtel gleichmäßig überzogen wird. Die Hauptüberzugsmasse der Dornschen D. besteht aus einer Mischung von Lehmbrei mit ausgelaugter Gerberlohe, welche über einer engen Lattung (Fig. 8) mit der Maurerkelle aufgetragen, mit

^[Abb.: Fig. 5 a. Einzelner Blechschiefer.]

^[Abb.: Fig. 5 b. Zusammenfügung der Blechschiefer.]

^[Abb.: Fig. 5 c. Befestigung der Blechschiefer.]

^[Abb.: Fig. 5 d. Stück der Firsteindeckung.]

^[Abb.: Fig. 5 a-5 d. Metallbedachung mit Blechschiefer.]

^[Abb.: Fig. 6. Strohdach.]

^[Abb.: Fig. 7. Dach mit Streichschindeln.]

^[Abb.: Fig. 8. Dornsches Dach.]