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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Dachel; Dachfenster; Dachgesims; Dachlauch; Dachpappe

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Dachel - Dachpappe.

dem Reibebrett geglättet und mit Sand bestreut wird. Diese Lage wird mehrmals mit Steinkohlenteer gestrichen, mit feinem Sand stark übersiebt und alle etwa entstandenen Risse mit Lehm, Sand und Teer dicht verstrichen. Die Hauptmasse der erwähnten übrigen Estrichdächer ist der aus Lehmpulver, faseriger Lohe und Steinkohlenteer gemengte Lehmmastix, der aus trocknem Lehmpulver, gestampfter Holzkohle und Steinkohlenteer zusammengeschmolzene Holzkohlenmastix und der aus Steinkohlenasche und Steinkohlenteer bereitete Steinkohlenaschenmastix. Die Deckungsarbeit ist derjenigen des Dornschen Daches ähnlich. Über Holzzementdächer s. Holzzement.

Dachel, s. v. w. Luppe.

Dachel (Dakhel, arab. Wad el D.), eine zu Ägypten gehörige Oase der Libyschen Wüste, unter 25° 41' nördl. Br. und 29°-29° 35' östl. L. v. Gr., drei Tagereisen westlich von Chargeh, hat sehr fruchtbaren Boden, zahlreiche warme Quellen (36° C.), die durch Bohrung leicht noch vermehrt werden können, und zählt 15 Ortschaften, bewohnt von 20,000 Fellahs, echten Abkömmlingen der alten Ägypter und von zutraulichem und friedfertigem Charakter (s. Tafel "Afrikanische Völker", Fig. 10). Nomadisierende Araber, deren Hauptbeschäftigung in der Zucht von Kamelen, in der Begleitung der Karawanen und gelegentlich in Räuberei besteht, gibt es hier nicht. Die Sommerhitze ist sehr groß, während der Regenzeit die Temperatur wechselnd. Im Mai und Juni weht aus SW. der äußerst heftige Chamsin. Die Kulturerzeugnisse sind Datteln, die in zahllosen winzigen, sorgsam angebauten Gärtchen gezogen werden, welche von stachligen Gehegen oder Lehmmauern umgeben sind, ferner Suntakazien (Acacia nilotica) an den Wassergräben zwischen den Getreidefeldern, vereinzelt auch Oliven, Feigen und Weintrauben, in Menge Apfelsinen und Zitronen, seltener wieder Bananen, Granaten, Aprikosen, Maulbeeren, dann (als Hauptnahrungsmittel neben den Datteln) Weizen, Reis und Durra, ferner Klee, in geringerer Menge Linsen, Erbsen, Mais, Tabak, Indigo, Baumwolle. Die Fläche des Kulturlandes der Oase wird zu 500-1000 qkm geschätzt. Die Viehzucht ist nur unbedeutend; die ganze Oase besitzt wenige und unansehnliche Pferde und eine kleine Anzahl Rinder der ägyptischen Rasse. Das häufigste Haustier ist der Esel; auch an Schafen und Ziegen ist kein Mangel, ebenso findet man Puter und Hühner, weniger Enten; Gänse scheinen ganz zu fehlen. Der bedeutendste Ort ist El Kasr D., eine ansehnliche Stadt mit herrlichen Palmengärten, in denen alle oben genannten Früchte gedeihen, 30-40 heißen Quellen, einem altägyptischen Tempel und ca. 6000 Einw. Auch sonst finden sich zahlreiche Ruinen altägyptischer Dörfer in D., das man in Verbindung mit Chargeh mit Grund für die Oase Herodots hält. D. wurde im Januar 1874 von Rohlfs auf seiner Expedition durch die Libysche Wüste besucht. S. Karte "Ägypten". Vgl. Rohlfs, Drei Monate in der Libyschen Wüste (Kassel 1875).

Dachfenster, Fenster, die an den Dachflächen angebracht werden, um den Dachräumen Licht und Luft zuzuführen. Bei den gewöhnlichen Dachfenstern stehen auf einer auf die Sparren aufgekämmten Unterschwelle zwei Pfosten, die einen Rahmen tragen, auf dem die Dachfenstersparren ruhen, die hinten unter einem möglichst spitzen Winkel an die Dachsparren stoßen, wenn sie nicht unmittelbar bis zum First hinauflaufen. Die sogen. Ochsenaugen (franz. œil de bœuf) haben eine lotrechte Vorderwand mit kreisrunder oder ovaler Öffnung und Satteldach und fanden früher besonders bei Mansarden- und Kuppeldächern Anwendung. Sie haben aber mit jenen den Fehler gemein, daß da, wo ihre Bedeckung mit dem Dach zusammenstößt, das Regenwasser leicht eindringt und die Fäulnis der Sparren und Latten herbeiführt. Um diesem Übelstand zu begegnen, hat man die Fledermäuse (Froschmäuler oder Schwalbenschwänze) eingeführt, die sich von jenen dadurch unterscheiden, daß sich ihre Bedeckung zu beiden Seiten in das Dach verläuft. Für Bodenräume genügen meist in den Dachflächen angebrachte (liegende) Oberlichtfenster, sogen. Dachklappen von Gußeisen, Zinkblech oder verzinktem Eisenblech. Bei größern Fensterflächen werden die Glastafeln durch eisernes Sprossenwerk unterstützt. Bei Ziegel- und Schieferbedachung wird auch durch starke Glasplatten, welche zwischen die Dachziegel eingedeckt sind, Oberlicht hergestellt (s. Dachdeckung). Kleine, halbkreisförmige, aus gebrannten Thonzellen oder Metall gebildete, in die Dachflächen eingesetzte Fensterchen heißen Kappfenster oder Dachluken. Bei versenktem Dachgebälk werden die zur Erleuchtung der Dachräume bestimmten Fenster noch in den Umfassungswänden (der Drempel- oder Kniestockswand) angebracht. Vgl. Kappfenster.

Dachgesims, eine mit mehr oder minder reichen Gliedern versehene steinerne oder hölzerne Bekrönung der Mauer unmittelbar unter dem Dach, welche das Gebäude abdecken und zugleich vor dem von dem Dach abfließenden Wasser schützen soll. Die Anordnung der Gliederung des Dachgesimses richtet sich nach dem Charakter des Gebäudes. Gewöhnlich wird das D. in drei Teile abgeteilt. Der unterste, unterstützende Teil erhält meist ein Plättchen und einen umgekehrten Karnies oder Zahnschnitt, der mittelste oder Hauptteil die sogen. hängende Platte und der oberste, bekrönende Teil ein Plättchen, Karnies und Rundstäbchen. Große Dachgesimse werden bisweilen in vier Teile geteilt, von denen der dritte Zahnschnitte oder Sparrenköpfe erhält, während die übrigen wie die vorigen behandelt werden. Die Höhe des Dachgesimses richtet sich nach der Höhe der Fassade und kann bei 7 m Haushöhe ca. 35 cm, bei 10 m Gebäudehöhe 50 cm, bei 20 m Gebäudehöhe 90 cm bis 1 m betragen. Die Ausladung ist von der Anordnung des Ganzen abhängig, erreicht aber gewöhnlich höchstens die Höhe des ganzen Dachgesimses. Man verfertigt die Dachgesimse aus Stein (Werkstücken oder gebrannten Ziegeln) oder Holz (profilierten Sparren- und Balkenköpfen). Das D. gewöhnlicher Gebäude besteht nur aus Brettern, welche an die schräg verschnittenen Balken angenagelt werden.

Dachlauch, s. Sempervivum.

Dachpappe (Stein-, Teerpappe), zähe Pappe von filzartigem Gefüge in einzelnen Bogen oder in Rollen (Pappe ohne Ende), welche 2-3 Minuten in kochenden Steinkohlenteer oder in eine Lösung von Steinkohlenpech in schwerem Steinkohlenteeröl getaucht oder auch nur mit solcher Masse gestrichen, mit Sand bestreut und getrocknet werden. Gute D. muß vom Teer vollständig durchdrungen sein, und um dies sicher zu erreichen, wird empfohlen, die in kochenden Teer getauchte und getrocknete Pappe in heißes Wasser zu tauchen, wieder zu trocknen und nochmals in den kochenden Teer zu bringen. Man verarbeitet in der Regel Pappe, von welcher 1 qm etwa 1 kg wiegt; die fertige D. wiegt dann 2,5-3 kg. Asphaltdachfilz ist ein ähnliches Fabrikat aus komprimierter Watte, die aus Abfällen von Flachsspinnereien hergestellt wird. D. soll 1785 von Faxa in Schweden zur Bekleidung von Schiffen be-^[folgende Seite]