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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Dachstein; Dachsteinbivalve; Dachstuhl

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Dachstein - Dachstuhl.

Dachstein, eine mächtige Berggruppe der Salzkammergutalpen, südlich vom Hallstädter See (s. Karte "Salzkammergut"), ist wie das Berchtesgadener Land durch tiefe Einschnitte von ihren Umgebungen gesondert und stellt auf ihrem Gipfel eine Hochebene von 1600-2200 m Höhe dar, die von Hochgipfeln umkränzt ist. Steil stürzt die Nordseite ab zum Hallstädter und zum Hintern Gosausee, nicht minder steil der viel höhere Südrand in das Thal der Enns. Hier ragen auch die höchsten Berge empor: der eigentliche D., die höchste Spitze der Salzkammergutalpen (2996 m), auf dessen Gipfel das Karls-Eisfeld und kleinere Gletscher sich ausbreiten, und westlich hart daneben, durch eine Senke von jenem getrennt, der senkrecht emporragende Felsenturm des Thorsteins (2944 m). Beide Gipfel, der D. insbesondere, werden oft (von Hallstadt, Gosau oder Ramsau bei Schladming aus über die Simonyhütte) bestiegen. Die gründlichsten Forschungen über die Gebirgsgruppe verdankt man Professor F. Simony in Wien.

Dachstein, Wolfgang, geistlicher Liederdichter, war zu Anfang des 16. Jahrh. katholischer Priester in Straßburg, trat 1524 zum Luthertum über und ward Vikar und Organist an der Thomaskirche daselbst; starb um 1530. Von ihm sind die noch heute gesungenen Kirchenlieder: "O Herr, wer wird Wohnung han" (Ps. 15), "Der Törecht spricht: es ist kein Gott" (Ps. 53) und "An Wasserflüssen Babylon" (Ps. 157).

Dachsteinbivalve (Megalodus triqueter), das charakteristische Leitfossil des Dachsteinkalks, s. Triasformation.

Dachstuhl, der zur Unterstützung der Dachdeckung (s. d.) dienende Teil des Daches (s. d.). Dem Material nach unterscheidet man hölzerne Dachstühle, Dachstühle aus Holz und Eisen, gußeiserne, schmiedeeiserne und gemischt-eiserne Dachstühle (aus Schmiede- und Gußeisen). Da von dem Material sowohl die Form der einzelnen Konstruktionsteile der Dachstühle als auch deren Verbindungsweise abhängt, so ist die Konstruktion der hölzernen, gußeisernen und schmiedeeisernen Dachstühle wesentlich verschieden, während die Dachstühle aus gemischtem Material sich denjenigen Dachstuhlkonstruktionen anschließen, aus deren Material sie vorwiegend bestehen. Da ferner die gußeisernen Dachstühle durch die schmiedeeisernen zur Zeit verdrängt sind, so betrachten wir vorzugsweise die Grundtypen der hölzernen und schmiedeeisernen Dachstühle unter Hinweis auf diejenigen Teile derselben, welche bei Anwendung gemischten Materials aus Eisen oder aus Holz hergestellt werden.

I. Hölzerne Dachstühle (Fig. 1-20). Fig. 1-18. Hölzerne Dachstühle mit geraden Sparren. Der in Fig. 1 dargestellte einfache Sparrendachstuhl besteht aus den Dachbalken (Hauptbalken) a, welche bei gemauerten Umfangswänden auf eichenen Mauerlatten, bei hölzernen Fachwerkwänden auf Dachrahmen (Blattstücken) ruhen, und den Sparren b, welche bei kleinen Spannweiten nicht, bei zunehmenden Spannweiten, insbesondere wenn sie bei gewöhnlichen Stärken über 4 m lang werden, entweder durch Kehlbalken c (Fig. 2-6), welche man von unten in die Sparren einzapft, oder durch Pfetten g (Fig. 8, 9), welche man nach der Längsrichtung des Daches unter die Sparren legt, unterstützt werden. Man unterscheidet hiernach die Kehlbalken- und Pfettendächer. Die Sparren werden in dem Dachfirst durch Schlitzzapfen (s. Holzverband, Fig. 12) verbunden und an die Dachbalken angezapft oder angelattet. Kehlbalken werden bei geringerer Länge nicht (Fig. 2), bei größerer Länge durch eine oder mehrere Stuhlpfetten e auf besondern senkrechten Stuhlsäulen d (Fig. 3-5) oder auch, wenn der Dachraum möglichst frei bleiben soll, durch geneigte Stuhlsäulen i mit Spannriegeln k und Kopfbändern h (Fig. 6) unterstützt. Die Pfetten sind je nach ihrer Lage am Dachfuß, an dem Dachfirst oder zwischen beiden bez. Fußpfetten l, Firstpfetten f oder Zwischenpfetten g (Fig. 7 u. 8), wovon die erstern meist unmittelbar auf den Dachbalken ruhen. Die First- und Zwischenpfetten werden meist durch Streben n (Fig. 7-9) getragen, welche bei kleinern Dachstühlen nicht (Fig. 7), bei größern Längen und Lasten entweder durch einfache oder doppelte Kehlzangen o (Fig. 8), durch Gegenstreben p (Fig. 9), durch senkrechte Stuhlsäulen d (Fig. 10 u. 11) oder, wenn möglichst viel Raum frei bleiben soll, durch Streben q (Fig. 12) und zwar ohne (Fig. 10) oder in Verbindung mit Kehlzangen o (Fig. 11 u. 12) unterstützt werden. Diese besondern Unterstützungen der Pfetten werden unter jedem dritten bis vierten Sparren angebracht und die Pfetten so stark genommen, daß sie allein die zwischen den so unterstützten Sparren befindlichen Leersparren tragen können. Der D. besteht also dann aus Haupt- und Zwischenbindern, welche nach der Länge des Dachstuhls durch die Pfetten verbunden sind. Wo die Dachbalken nicht auf, sondern zwischen den Umfangsmauern liegen, wie dies bei Kniestöcken der Fall ist (Fig. 12), werden die Sparrenenden durch Stichbalken oder Stichzangen r gepackt, welche mit den Streben verblattet (s. Holzverband) werden. Der Mansardendachstuhl (Fig. 13) besteht aus zwei Teilen, wovon der obere Teil als einfacher Sparrendachstuhl ohne oder mit Kehlbalken (Fig. 1 u. 2), der untere Teil als dessen Untergestell konstruiert ist, welches im wesentlichem aus senkrechten Stuhlsäulen d mit Kopfbändern h (Fig. 13) oder aus liegenden Stuhlsäulen i mit Spannriegel k und Kopfbändern h (Fig. 6) besteht. Finden längere Dachbalken keine genügende Unterstützung, z. B. durch Scheidemauern von unten, wie dies bei Dachstühlen über Sälen und ähnlichen größern Räumen der Fall ist, so können dieselben durch Hängwerke (Fig. 14 u. 15) von oben unterstützt werden. Hierbei hängen die Hauptbalken mittels Hängeisen an einer (Fig. 14), zwei (Fig. 15) oder an mehreren Hängsäulen s, welche von zwei Streben n (Fig. 14) oder von zwei Streben q (Fig. 15) mit Spannriegel k mittels Zapfen und Versatzung (s. Holzverband) getragen werden. Längere, durch Pfetten belastete Streben bedürfen einer weitern Unterstützung, welche entweder durch Kehlzangen o (Fig. 14) oder durch Hängsäulen s (Fig. 15) bewirkt wird. Die Dachbalken der Leerbinder werden entweder durch Oberzüge t (Fig. 14), an welche sie angeschraubt werden, oder durch Unterzüge u (Fig. 15), welche mittels Trageisen an den Hängsäulen befestigt sind, unterstützt. Räume, welche oben einen wagerechten Abschluß nicht erhalten und durch Zwischenwände nicht unterbrochen werden sollen, wie dies unter andern bei Reit-, Exerzier-, Markthallen der Fall ist, werden durch Sprengwerke überdacht (Fig. 16-18), bei welchen die Sparren durch einfache (Fig. 16 u. 18), doppelte (Fig. 17) oder mehrfache Pfetten unterstützt werden. Bei weiter gespannten Hallen werden die Sprengwerke mit Hängwerken kombiniert, wie dies Fig. 17 und 18 zeigen.

Fig. 19 und 20. Hölzerne Dachstühle mit gekrümmten Sparren. Die Sparren von Bogendächern werden entweder, nach der im 16. Jahrh. von Philibert de l'Orme angegebenen Konstruktion, aus