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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Daltonismus; Daltonsches Gesetz; Dalwigk

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Daltonismus - Dalwigk.

ganzes Leben hindurch fortsetzte. 1793 ging er als Lehrer der Mathematik und der Naturwissenschaften an das Kollegium zu Manchester und starb 27. April 1844 daselbst. Seine vorzüglichsten physikalischen Arbeiten beziehen sich auf die Ausdehnung und Mischung der Gase und die Elastizität der Dämpfe; in der Chemie hat er sich durch Aufstellung der atomistischen Theorie und wesentliche Förderung der Lehre von den festen Proportionen, durch Untersuchungen über die Absorption der Gase durch das Wasser, über Kohlenoxyd, Kohlenwasserstoff, die Sauerstoffverbindungen des Stickstoffs etc. große Verdienste erworben. Er schrieb: "Meteorological essays and observations" (Manchester 1793, 2. Aufl. 1834) und das "New system of chemical philosophy" (das. 1808-1827; deutsch, aber nicht vollständig, von Wolff, Berl. 1812-14, 2 Bde.). Am Eingang der Royal Institution zu Manchester wurde ihm noch bei seinen Lebzeiten eine Statue errichtet. Vgl. Henry, Life and researches of D. (Lond. 1854).

2) John, Physiolog, geb. 2. Febr. 1825 zu Chelmsford in Massachusetts, ward auf dem Harvard College gebildet und gewann 1857 mit seinem "Essay on the Corpus luteum" den von der American Medical Association ausgesetzten Preis. Sein Hauptwerk: "Treatise on human physiology" (New York 1859, 7. Aufl. 1882), trug ihm die Professur an einer der medizinischen Schulen der Stadt New York und zugleich an dem Long Island Hospital College zu Brooklyn ein. Während des Bürgerkriegs war er eine Zeitlang Direktor des Medizinalwesens der Potomacarmee. Er schrieb noch: "Treatise on physiology and hygiene" (1868) und "Experimental method in medical science" (1882).

3) William, engl. Journalist und Jugendschriftsteller, ward 1831 als Sproß einer alten Yorkshirefamilie geboren und lieferte schon früh Beiträge für Zeitschriften. Er war eine Zeitlang am "Daily Telegraph", später am "Morning Herald" und am "Standard" thätig, gab auch selbst ein "Monatsmagazin" heraus und ist Mitbegründer des Savage-Klubs in London. Er behandelt mit Vorliebe transatlantische Stoffe und weiß dabei die ihm mangelnde Selbstanschauung durch Belesenheit und Phantasie zu ersetzen. Seine Hauptschriften sind: "The wolf-boy of China" (1857); "The English boy in Japan" (1859); "The war-tiger, a tale of the conquest of China" (1859); "The white elephant" (1860); "Lost in Ceylon" (1860); "Will Adams, the first Englishman in Japan" (1861); "Cortes and Pizarro" (1862); "The nest-hunters" (1863); "The tiger-prince, or adventures in the wilds of Abyssinia" (1863); "The wasps of the ocean" (1864); "Lost among the wild men" (1866); "The story of Mark Raffles" (1871); "The powder monkey" (1874).

Daltonismus, ein angeborner Fehler des Farbensinns, infolgedessen der daran Leidende nicht im stande ist, gewisse Farben als solche wahrzunehmen und von andern Farben zu unterscheiden. Es gibt sehr verschiedenartige Fehler des Farbensinns, welche mit besondern Namen belegt worden sind. Wenn Blau und Grün nicht unterschieden wird, so bezeichnet man den Fehler als Akyanoblepsie. Der häufigste Fehler dieser Art ist aber der D., welcher seinen Namen von dem englischen Chemiker Dalton führt und vorzugsweise dadurch charakterisiert ist, daß dabei die Wahrnehmung des Roten fehlt. Die an D. Leidenden halten Rot für Aschgrau. Dalton selbst erzählt von sich: Karmesin gleicht mir dem Blau, welchem man ein wenig Dunkelbraun beigemischt hat, Violett dem Blau. Die Rose wie das Veilchen sehe ich blau; die frische Gesichtsfarbe eines jungen Mädchens erscheint mir wie ein Tintenfleck; das Blut gleicht dem Dunkelgrün der Flaschen. Rot und Scharlach erscheinen mir bei Tage aschgrau. Grün halte ich für Braun und Braun für Grün etc. Der D. sowohl als die übrigen Fehler des Farbensinns kommen häufiger vor, als man gewöhnlich voraussetzt, und können notorisch vererbt werden. Die Sehschärfe ist bei dem angebornen D. ganz normal. Nach der Youngschen Hypothese, wonach die Farbenwahrnehmungen auf den drei Grundempfindungen für Rot, Grün und Violett beruhen sollen, würde sich der D. einfach als Rotblindheit auffassen lassen. Vgl. Farbenblindheit und Farbensinn.

Daltonsches Gesetz betrifft die Spannkraft der Dämpfe in gaserfüllten Räumen und sagt aus, daß die Spannkraft eines Gemenges von Dämpfen und Gasen (falls dieselben nicht chemisch aufeinander wirken) gleich ist der Summe der Spannkräfte der einzelnen Gemengteile. Vgl. Verdampfung.

Dalwigk, Karl Friedrich Reinhard, Freiherr von, hess. Minister, geb. 19. Dez. 1802 zu Darmstadt, Sohn des Freiherrn Reinhard von D., großherzoglich hessischen Generalleutnants (gest. 1844), trat 1828 in den großherzoglich hessischen Staatsdienst, ward 1842 Kreisrat in Worms, erhielt 1845 das Provinzialkommissariat der Provinz Rheinhessen und 1848 das Territorialkommissariat in der Bundesfestung Mainz (vgl. über seine damalige Thätigkeit: "Einige Bemerkungen zu den Denkwürdigkeiten des Generals v. Hüser, von R. Freiherrn v. D.", Darmst. 1878), war 1850 kurze Zeit Bundestagsgesandter und ward 1. Juli d. J. zum Ministerpräsidenten und zugleich zum Minister des großherzoglichen Hauses, des Äußern und des Innern ernannt. Seine innere Politik war eine Politik der entschiedensten Reaktion. Er suchte zum Teil die vormärzlichen Zustände wiederherzustellen und ahmte mit besonderer Vorliebe das System Napoleons III. nach. So wurde namentlich die Gemeindeverfassung nach französischem Muster eingerichtet und für die Wahlen das System der offiziellen Kandidaturen eingeführt. Willkürmaßregeln gegen die Beamten und eine kleinliche Beaufsichtigung derselben waren damit verbunden. Auch auf kirchlichem Gebiet verfolgte er einseitig reaktionäre Bestrebungen. Er begünstigte in der protestantischen Kirche die ultra-orthodoxe Richtung, während er zugleich die ultramontanen Elemente des Katholizismus durch die Konvention mit dem Bischof Ketteler von Mainz zu stärken suchte, durch welche er seine eigne Regierung in völlige Abhängigkeit von dem Bischof brachte. In den deutschen Angelegenheiten zeigte sich D. als entschiedener Partikularist und als ein fast fanatischer Gegner Preußens. Im Verein mit Beust und mit v. d. Pfordten war sein Bestreben darauf gerichtet, die Idee einer deutschen Trias zu verwirklichen. In den langjährigen Verhandlungen über die Bundesreform und über den französischen Handelsvertrag hielt er diese Idee mit Konsequenz fest und ließ sich durch das mehrmalige Scheitern seiner Pläne nicht von immer neuen Versuchen abhalten. Auch in der schleswig-holsteinischen Frage vertrat er mit Entschiedenheit den mittelstaatlichen Standpunkt. 1866 schloß er sich Österreich an, flüchtete vor dem Anmarsch der preußischen Mainarmee mit dem Großherzog nach München und rief die Hilfe Frankreichs an, mußte aber dann den Frieden schließen, wie ihn der Sieger diktierte. Obwohl er nun die Militärkonvention mit Preußen