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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Dancla; Dancourt; Dandenong; Dandin; Dandolo

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Dancla - Dandolo.

Der Fall zweier preußischer Minister: D. und der Großkanzler Fürst (Berl. 1878).

2) Bernhard, Forstmann, geb. 5. April 1831 im Forsthaus Obereimer bei Arnsberg, studierte 1850-1852 auf der Forstakademie zu Eberswalde unter Pfeil und 1855-56 in Berlin, war in der Folge als Hilfsarbeiter bei der Regierung in Posen und beim preußischen Finanzministerium und praktisch in der Verwaltung thätig, wurde 1862 Oberförster zu Hambach bei Jülich, 1864 Forstinspektor in Potsdam, 1866 als Direktor der Forstakademie nach Eberswalde berufen und 1868 zum Oberforstmeister befördert. Die Einrichtung des forstlichen Versuchswesens in Preußen und der für dasselbe geschaffenen wissenschaftlichen Zentralstelle zu Eberswalde (unter der Bezeichnung "Hauptstation des forstlichen Versuchswesens") ist von D. angeregt und durchgeführt worden. D. gibt seit 1869 die "Zeitschrift für Forst- und Jagdwesen, zugleich Organ für forstliches Versuchswesen" (Berl.) und das "Jahrbuch der preußischen Forst- und Jagdgesetzgebung und Verwaltung" heraus. Unter seinen Schriften sind hervorzuheben: "Forstakademien oder allgemeine Hochschulen?" (Berl. 1872); "Die forstliche Ausstellung des Deutschen Reichs auf der Wiener Weltausstellung 1873" (das. 1873); "Ablösung und Regelung der Waldgrundgerechtigkeiten" (das. 1880, Teil 1); "Die Forstakademie Eberswalde von 1830 bis 1880" (das. 1880); "Gemeindewald und Genossenwald" (das. 1882); "Die deutschen Nutzholzzölle" (das. 1883); "Über die Grenzen des Servitutrechts und des Eigentumsrechts bei Waldgrundgerechtigkeiten" (das. 1884).

Dancla, Jean Charles, Violinspieler und Komponist, geb. 19. Dez. 1817 zu Bagnères de Bigorre, erhielt seine Ausbildung am Pariser Konservatorium im Violinspiel durch Baillot, in der Komposition durch Berton und Halévy und errang 1833 den ersten Violinpreis sowie 1838 den zweiten Preis für Komposition. Seit 1857 ist er als Lehrer des Violinspiels am genannten Konservatorium angestellt. Unter seinen zahlreichen Violinkompositionen zeichnen sich seine Konzerte und instruktiven Werke ("Methode élémentaire et progressive de violon", "École de l'expression", "École de la mélodie" etc.) aus. - Auch seine jüngern Brüder, Arnaud (gest. 1862) und Léopold D. (geb. 1823), haben sich, ersterer als Cellist, letzterer als Geiger, Ruf erworben.

Dancourt (spr. dangkuhr), eigentlich Florent Carton, franz. Schauspieler und Bühnendichter, geb. 1. Nov. 1661 zu Fontainebleau, ward Advokat, trat, nachdem er eine Schauspielerin geheiratet, 1685 selbst als Schauspieler auf und machte sich als solcher wie durch seine Theaterstücke allgemein beliebt. 1718 zog er sich auf sein Gut in der Provinz Berry zurück und starb hier 6. Dez. 1725. Die besten seiner Lustspiele oder Possen, die amüsante Tagesgeschichten behandeln und sich durch lebendigen Dialog und nicht eben feine, aber meist glückliche Einfälle auszeichnen, sind: "Le chevalier à la mode" (1687), "Les vendanges de Suresnes", "Mari retrouvé", "Bourgeoises de qualité", "Les trois cousines", "Le galant jardinier". Seine Werke erschienen am vollständigsten Paris 1760, 12 Bde.; in Auswahl 1810, 5 Bde., und 1822, 3 Bde. D. hat mit großer Geschicklichkeit und Naturtreue den Charakter des Dorfs und seiner Bewohner darzustellen gewußt; Voltaire räumt ihm nach Molière den ersten Rang in der Posse ein. - Seine Frau Thérèse Lenoir de la Thorillière und ihre beiden Töchter waren namhafte Schauspielerinnen. Vgl. Ch. Barthélemy, La comédie de D. (Par. 1882).

Dandenong, kleiner Ort südöstlich von Melbourne in Australien, berühmt durch den nahen Staatsforst mit seinen Riesenbäumen, den höchsten der Welt, und der Ferntree-Gully, einer durch prachtvolle Farnbäume ausgezeichneten Schlucht.

Dandin (franz., spr. dangdäng), der Held einer Molièreschen Komödie, ein reicher Bauer, der infolge einer Heirat mit einer Adligen in allerlei Fatalitäten gerät. Sein wiederholter Ausruf: "Vous l'avez voulu (meist verändert in: Tu l'as voulu), George Dandin!" ist sprichwörtlich geworden für selbstverschuldete Widerwärtigkeiten.

Dandolo, eine der zwölf ersten venezianischen Familien, berühmt durch viele aus ihrer Mitte hervorgegangene Staatsmänner, Gelehrte, Feldherren und vier Dogen. Bemerkenswert sind besonders:

1) Enrico, der berühmteste der Familie, Gründer der Herrschaft Venedigs über das Mittelmeer. Geboren um 1108, widmete er sein ganzes Leben Staats- und Handelsgeschäften. Als er 1173 als Gesandter nach Konstantinopel ging, befahl der Kaiser Manuel, ihn zu blenden. Doch verlor D. nicht ganz das Augenlicht. Er ward 1192 Doge. Unter seiner Regierung wurde ein Teil der dalmatischen Küste unterworfen, über Padua und andre Städte des venezianischen Festlandes eine Art Schutzherrlichkeit erworben, das mächtige Pisa aber bei Modone 1195 geschlagen. Durch einen Handelsvertrag mit dem armenischen König Leo (1201) öffnete D. den Venezianern den Handel nach Armenien, Persien und Mesopotamien und sicherte die Verbindung mit Trapezunt. Mit Hilfe der Kreuzfahrer eroberte er Triest, Zara, die Hauptstadt Dalmatiens, dann die albanische Küste, die Ionischen Inseln und 17. Juni 1203 Konstantinopel, sodann dieselbe Stadt nach der Ermordung des von ihm auf den Thron erhobenen Kaisers Alexios nochmals 12. April 1204. Hierauf errichtete er daselbst das "lateinische Kaisertum", ließ den Grafen Balduin von Flandern zum Kaiser wählen und erlangte in der vertragsmäßig vorgenommenen Teilung des Reichs für Venedig die wichtigsten Küstenplätze vom Schwarzen Meer bis Epirus, einige Inseln des Archipels, die des Ionischen Meers, ein ganzes Quartier der Stadt Konstantinopel und durch Tausch mit Bonifacius von Montferrat auch Kreta; obendrein wurde ihm Handelsfreiheit nebst manchen andern Vorrechten durch das ganze Reich zugestanden. Als die von den schwer bedrückten Griechen herbeigerufenen Bulgaren Adrianopel erobert und Kaiser Balduin 14. April 1205 geschlagen hatten, eilte D. herbei und rettete das Heer der Lateiner wenigstens vor gänzlichem Untergang. Noch war der drangvolle Sturm nicht beschworen, als D. 1. Juni 1205 in Konstantinopel starb. Sein Grabmal in der Sophienkirche daselbst wurde 1453 von den Türken zerstört.

2) Francesco, Doge von 1328 bis 1339, bezwang das mächtige Haus della Scala (1334-38), wodurch Venedig zuerst Besitz auf dem Festland Italiens und freie Schiffahrt auf dem Po erlangte.

3) Andrea, 1342-54 Doge, schloß einen Bund mit dem Papste, dem König von Cypern, dem griechischen Kaiser und dem Hochmeister der Johanniter gegen die Türken, stellte durch Verträge mit dem Tatarenchan die erschütterten Handelsverbindungen Venedigs am Schwarzen Meer wieder her und unterwarf 1346 das abgefallene Zara und 1348 Capo d'Istria. Er starb 7. Sept. 1354. D. schrieb eine lateinische Geschichte Venedigs ("Chronicon"), welche sich durch Unbefangenheit und Genauigkeit auszeichnet; auch Dandolos Briefwechsel mit Petrarca hat sich erhalten.