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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Dänemark

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Dänemark (Seen, Kanäle; Klima; Bewohner).

an der schwedischen Küste segeln die Schiffe doch am liebsten in der Nähe der jütländischen, welche gute Häfen enthaltend von Schären frei ist; auch kommt hier der Landwind den Schiffern zu gute. Drei Meeresstraßen verbinden das Kattegat mit der Ostsee: der Öresund, gewöhnlich Sund genannt, 107 km lang von Kullen im N. bis Falsterboriff im S., zwischen 3,75 km bei Helsingör und 30 km zwischen Kopenhagen und Malmö breit und in den ziemlich schmalen Fahrwässern Drogden und Flintenrinne zu beiden Seiten der Insel Saltholm wenigstens 7 m tief; der Große Belt, zwischen Seeland und Fünen, von sehr wechselnder Breite, doch noch an der schmälsten Stelle über 15 km breit, wegen seiner zahlreichen Sandbänke der Schiffahrt sehr gefährlich, und der Kleine Belt, zwischen Jütland und Fünen, an der schmälsten Stelle bei Middelfart nur 0,625 km breit, bei reißender Strömung der Schiffahrt nicht minder gefährlich als der Große Belt. Der früher in allen drei Meerengen entrichtete Sundzoll ist durch einen 14. März 1857 zwischen der Regierung von D. und 15 andern abgeschlossenen Vertrag mit 60,952,650 Kronen abgelöst worden. Wegen der Gefährlichkeit und Seichtigkeit der dänischen Meere sind an verschiedenen Stellen Leuchtfeuer aufgestellt, im ganzen 73, darunter 7 Feuerschiffe und 29 Hafen- und Postleuchtfeuer; von den übrigen 37 befinden sich an der Westküste 3, am Kattegat 12, im Sund 4, im Großen Belt 12, im Kleinen Belt 2 und in der Ostsee 4. Auch sind an gefährlichen Stellen Rettungsstationen eingerichtet. Jütland, teilweise auch die Inseln haben tiefe Buchten, Fjorde genannt, welche das Land oft mehr als zur Hälfte durchschneiden. Sie sind der Schiffahrt meist sehr förderlich, doch mehr noch dem Fischfang; in neuerer Zeit hat man bemerkt, daß ihre Tiefe an mehreren Orten abnimmt. Die größte dieser Buchten ist der Limfjord (s. d.) in Jütland. Weit unbedeutender ist der Mariagerfjord, welcher, 37 km lang, sich bis Hobro erstreckt. Hierauf folgt der 22 km lange Randersfjord, ein wenig südlicher bis zur Stadt Randers, wo sich die Guden-Aa in denselben ergießt; sodann der Horsensfjord, bei der Stadt Horsens, der tiefe Veilefjord und der Koldingfjord. An der Westseite befinden sich zunächst dem Limfjord (mit Thyborönkanal) Thorsminde, die Mündung für den durch einen schmalen Landrücken von der Nordsee getrennten Nissumfjord, 19 km lang und mit einer Schleuse versehen, und Nymindegab, die Mündung für den gleichfalls durch einen schmalen Landrücken von der Nordsee getrennten, 45 km langen Ringkjöbingfjord. Auf Seeland ist im N. der Insel der Isefjord, welcher gegen W. den Lammefjord, gegen S. den Holbäksfjord, gegen O., doch mit südlicher Erweiterung, den Roeskildefjord aussendet. Auf Fünen liegt der nicht tiefe Odensefjord. Alle diese Fjorde enthalten salziges Wasser, dessen Salzgehalt indes auf der östlichen, dem Kattegat zugekehrten Seite geringer ist als auf der westlichen, von der Nordsee bespülten. Außerdem gibt es noch eine große Anzahl Buchten, welche dänisch Vig oder Bugt genannt werden; zahlreicher auf der Ostseite als auf der Westseite, bieten mehrere derselben vortreffliche Häfen dar.

Binnenseen finden sich in großer Menge; mehrere sind indes nur Niederungen, die sich mit Wasser gefüllt haben. Nicht alle stehen mit dem Meer in Verbindung. Die bedeutendsten sind: auf Seeland der Arre-, Fure- und tiefe Esromsee (s. d.); auf Laaland der Maribosee; in Jütland der Mos- und Filsee. Außerdem gibt es eine Menge Sümpfe und Moräste, besonders in Jütland. Dort ist im N. des Limfjords der große Vildmose (69 qkm) und im S. des Limfjords der kleine Vildmose (55 qkm), in denen die Torfbildung noch nicht ganz vollendet ist. Vermöge seiner Lage und physischen Beschaffenheit kann D. keine großen Flüsse haben. Die kleinen Flüsse, welche man wie in Norwegen Aa (Plur. Aaer) nennt, münden fast alle in Fjorde oder Vige. In Jütland sind die bedeutendsten: an der östlichen Abdachung, in das Kattegat fließend, die Kolding-, Veile- und Guden-Aa (s. d.); in die Nordsee ergießen sich von S. nach N.: die Konge- (Grenze gegen Schleswig), Varde- (in die Hjertingbucht), Skjern- oder Lönborg- (in den Ringkjöbingfjord), Stor- (in den Nissumfjord) und Uggerby-Aa; in den Limfjord die Skals und die Skive-Aa; in Seeland fließt gegen S. die Sus- (Suus-) Aa, 82 km lang; auf Fünen ist die 60 km lange, für Prahme schiffbare Odense-Aa. An Kanälen sind in Jütland der Silkeborgkanal an der erwähnten Guden-Aa und der Frederiks VII. Skive-Kanal zur Kanalisierung des Limfjords. Auf Seeland ist nur der Frederiksvärkkanal von Bedeutung, er wird benutzt zur Verhütung der Überschwemmungen des Arresees und für den Betrieb der Fabriken von Frederiksvärk; in Fünen der Odensekanal, von Odense in den Odensefjord, 2,6-3,2 m tief.

Das Klima ist bei einer Breitenausdehnung von nur 3° ziemlich gleichmäßig; doch ist dasselbe wegen der Nähe der See viel milder, als man bei der nördlichen Lage des Landes erwarten sollte. Man nimmt an, daß die mittlere Temperatur gegen N. mit jedem Breitengrad um ½° C. abnimmt. Im Vergleich zu Deutschland ist D. auch in den besten Distrikten rauher, besonders durch kalte Seewinde, welche das Land von O. und W. treffen. Der trockne, kalte Nordwestwind, welcher im Frühjahr im nördlichen Jütland an der Westküste weht, heißt Skai; er treibt den vom Meer abgesetzten feinen Sand weit in das Land hinein und zerstört den Pflanzenwuchs. Höchst unangenehm und der Gesundheit nachteilig ist dort auch der dicke Nebel, welchen man Havguse nennt; er stellt sich gewöhnlich in warmen Sommertagen einige Stunden vor Sonnenuntergang ein und zieht in niedrig streichenden Wolken schnell gegen W. der Küste zu. In Kopenhagen bringen im Jahr 159 Tage Regen, Schnee und Hagel; im ganzen Land ist die Zahl solcher Tage durchschnittlich 150, darunter 34 Tage mit Schnee. Die jährliche Regenmenge beträgt in Westjütland 0,66 m, in Ostjütland 0,64 m, in Fünen 0,59 m und in Seeland 0,58 m. Die mittlere Temperatur für Kopenhagen ist +7,4° C., für das ganze Land 6,5-8,5° C.; am wärmsten sind die südlichen Inseln sowie Ärö, Langeland, Laaland und Falster, am kältesten das innere und nördliche Jütland; die Küsten sind im ganzen ½-1° wärmer als das Innere. Das Klima ist im ganzen kein ungesundes; nur auf den niedrigen Inseln, wie Laaland, herrscht besonders nach warmen Sommern häufig Fieber. Der Barometerstand (auf 0° reduziert) ist 0,760 m.

Bewohner. Geistige Bildung.

Der Däne ist mutig, ausdauernd und phlegmatisch. Er ist praktisch, ein guter, doch langsamer Beobachter, im täglichen Leben und in der Wissenschaft ein nüchterner Denker. Doch liegt in seinem Charakter ein Hang zur Schwärmerei; deshalb zeigt er große Empfänglichkeit für Poesie, aber daneben auch, vielleicht infolge der Einwirkung des Klimas und der Lebensweise, nicht selten Neigung zur Schwermut.

Die Dichtigkeit der Bevölkerung (vgl. die Tabelle,