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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Dänemark

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Dänemark (Naturprodukte; Industrie, Handel und Verkehr).

digen Besitz übergeht. Während die Zahl der Höfe, auf welchen der Pachtzwang ruhte, 1869: 8904 betrug mit einer gesamten Hartkornmenge von 48,470 T., war sie 15 Jahre später (1884) auf 4901 mit einer gesamten Hartkornmenge von 25,222 T. oder nur 8 Proz. des gesamten Hartkorns der Bauernhöfe gesunken. Auch für die Katen ist eine Reihe Bestimmungen getroffen, um die Rechte der Kätner zu beschützen; doch ist die Stellung der Kätner nur wenig günstig. Außer dem Staat haben auch die landwirtschaftlichen Vereine sehr viel für den Ackerbau gethan; hervorzuheben sind die Königliche Gesellschaft für Landwirtschaft und die Gesellschaft für Bepflanzung der Heiden. Durch 90 verschiedene Unternehmungen sind in den zwei Dezennien 1858-77 trocken gelegt 31,570 Hektar vom Areal der Meerbusen etc. und 10,714 Hektar vom Areal der Binnenseen etc. Der durchschnittliche Preis für 1 T. Hartkorn auf eignen Gütern war 1845-49 ca. 2200 Kronen, 1860-69 ca. 4578 Kr., 1875 ca. 7686 Kr. (8488 Kr. auf den Inseln und 7124 Kr. in Jütland); jetzt ein wenig höher. Das ganze Areal beträgt (1881) 3,781,517 Hektar. Davon waren besäet mit

^[Liste]

Weizen 55735 Hektar Hülsenfrüchten 28474 Hektar

Roggen 266938 " Mengkorn 91709 "

Gerste 316011 " Kartoffeln 44609 "

Hafer 400931 " Flachs, Hanf, Hopfen etc. 15750 "

Buchweizen 20145 "

Außerdem nahmen ein:

^[Liste]

Wiesen u. Brache 1537291 Hektar Moore, Heiden etc. 669373 Hektar

Gärten 24842 " Bauplätze, Wege, Gewässer 85785 "

Wald 205043 "

Der durchschnittliche jährliche Wert (1879-83) der Getreide- und Heuernte beträgt 300 Mill. Kr.

Naturprodukte.

Unter den Produkten des Tierreichs bilden die dänischen Pferde (1881: 347,561 Stück) einen sehr wichtigen Ausfuhrartikel. Das eigentliche dänische Pferd ist nicht groß, aber schön gebaut, kräftig und lebhaft. Nicht minder bedeutend ist die Rindviehzucht (1881: 1,470,078 Stück), die teils zur Milchwirtschaft, teils auch zum Zweck der Ausfuhr betrieben wird. Die Schafzucht (1881: 1,548,613 Stück) hat bisher keinen so großen Aufschwung genommen wie in mehreren Gegenden Deutschlands. Schweine werden sehr viel gezogen (1881: 527,417) und spielen gleichfalls eine große Rolle für die Ausfuhr. Ziegen gibt es nur wenige. Die Zahl der Bienenkörbe war 1881: 132,883. Von wilden Tieren finden sich Füchse, Hasen, Wiesel, Iltisse, Marder, Robben, Fischottern, Meerschweine (Delphine) in dem Kleinen Belt und Strandvögel, Schnepfen, Haselhühner, Moorhühner, besonders Eidergänse auf Bornholm und Christiansö. Fische werden in großer Menge in den Fjorden und an der ganzen Küste gefangen, hauptsächlich Heringe, Thunfische, Lachse, Kabeljaue, Schollen, Aale, Makrelen, Steinbutten und Rochen; aber der Fischfang wird weniger lebendig betrieben, als man erwarten sollte. Zur Fischerei müssen auch der Austern- und der Hummerfang gerechnet werden. Die Jagd ist im ganzen unbedeutend. Die eingehegten Wälder bedecken, wie oben erwähnt, 205,043 Hektar, wovon 118,167 Hektar auf den Inseln und 86,876 Hektar in Jütland liegen; sie bestehen besonders aus Buchen, Eichen, Birken, Elsen, Espen, Ebereschen, Weiden u. a. Die Mitte und die Westseite von Jütland ist fast ganz waldlos, doch sind auf den Heiden ca. 10,000 Hektar große Pflanzungen entstanden. Bauholz wird meist eingeführt, Brennholz durch Torf, welcher sich in großer Menge findet, Braunkohle und Seetange ersetzt. In der Mitte von Jütland, wo die Heide sich breit und zusammenhängend über ein Areal von wenigstens 5700 qkm ausbreitet, ist auch das Heidekraut nützlich, indem es von Schafen und Ziegen gefressen wird, das einzige Brennmaterial liefert und zum Dachdecken sowie als Streu verwendet wird. An Mineralien ist das Land nicht reich. Es findet sich Bernstein an der Westküste Jütlands, Porzellanerde auf Bornholm, Raseneisen in Jütland, Zement auf Bornholm, ebendaselbst auch Steinkohlen, ferner Walkererde, Vitriol, Salpeter, Kreide, Kalk, Töpferthon und schlechter Marmor auf Bornholm; endlich sind noch die sogen. Bornholmer Diamanten (schöne Bergkristalle) zu erwähnen.

Industrie, Handel und Verkehr.

Die dänische Industrie, namentlich die Fabrikthätigkeit, spielt keine große Rolle, teilweise, weil der Mangel an Feuerungsmaterial den Betrieb erschwert. Indes ist in neuerer Zeit ein bedeutender Fortschritt gemacht worden. Da eine Industriestatistik nur für Kopenhagen (s. d.), aber nicht für ganz D. vorliegt, soll nur allgemein bemerkt werden, daß D. mehrere große Maschinenfabriken besitzt (Burmeister u. Wain), daß ferner die Porzellan- und Fayencefabriken nicht ohne Bedeutung sind und neuerdings sehr viele Ziegeleien entstanden sind. Papiermühlen finden sich bei Kopenhagen, zu Silkeborg und sonst, sind aber weniger wichtig. Dagegen sind die Manufakturwarenfabriken zahlreich und von Bedeutung. Hinsichtlich der Fabrikation von Nahrungs- und Genußmitteln sind namentlich die Dampfmühlen, die Brennereien und neuerdings die Rübenzuckerfabriken hervorzuheben. Die einheimische Produktion von Rohzucker stieg 1874-83 von 1,283,441 kg auf 7,761,020 kg, wovon 4,842,180 kg im Land verbraucht wurden; trotzdem hat sich auch die Zuckereinfuhr von 1879 bis 1883 von ca. 29 Mill. auf 30,7 Mill. kg erhöht. Es finden sich noch mehrere Zuckerraffinerien und ca. 80 Tabaksfabriken. Die Branntweinbrennereien haben in den letzten Jahren an Zahl und Ertrag erheblich abgenommen. Während 1880 noch 219 Brennereien etwa 420,000 hl Branntwein produzierten, betrug 1882 der Ertrag von 184 Etablissements nur 367,000 hl. Die Zahl der Fabriken, in welchen auch Kinder beschäftigt waren, und die deshalb unter Aufsicht der Fabrikinspektionen stehen, betrug 1882: 707, wo 2618 Kinder zwischen 10 und 14, 2296 zwischen 14 und 18 Jahren, 14,203 erwachsene männliche u. 4498 erwachsene weibliche Arbeiter thätig waren. Die Zahl der feststehenden Landdampfkessel war Anfang 1884: 2776 mit 29,815 Pferdekräften. Wenn man zur Industrie den gesamten Gewerbebetrieb zieht, so waren, wie oben angeführt, 1880 mit der Industrie beschäftigt 91,041 Hauptpersonen mit 58,663 männlichen und 11,539 weiblichen Gehilfen. Die Hausindustrie ist nicht ohne Bedeutung. Aus Flachs und Wolle macht man das Hvergarn, Leinwand, Strümpfe, Pferdedecken, Säcke etc. In Jütland werden viele Holzschuhe (Holschen) verfertigt.

Der dänische Handel hat sich im großen und ganzen unabhängig von der Administration entwickelt. Das Zollgesetz von 1797 war ein für seine Zeit sehr liberales und zweckmäßiges, das Gesetz vom 4. Juli 1863, durch welches alle Ausfuhrzölle aufgehoben wurden, beruhte auch auf freihändlerischen Grundsätzen, war aber ohne besondere Rücksicht auf die einzelnen Gewerbe und die konkreten Verhältnisse des Landes abgefaßt; trotzdem ist dieses Gesetz noch das geltende, aber die öffentliche Meinung verlangt eine Reform des Zolltarifs, bei welcher dem Aufschwung der In-^[folgende Seite]